Krefeld: Fronten im Denkmalstreit um das Stadthaus sind verhärtet

Krefeld: Fronten im Stadthaus-Streit verhärtet

Angeblich hat die Stadt dem Landschaftsverband noch keine „prüffähigen Unterlagen“ vorgelegt. Die Stadt will nun für fünf Standorte einen Neubau durchrechnen.

In der Debatte zwischen der Stadt Krefeld und dem Landschaftsverband Rheinland (LVR) um Denkmalauflagen bei der Sanierung des Stadthauses ist keine Annäherung in Sicht. Im Gegenteil: Der Landschaftsverband hält der Stadt vor, trotz einer Aufforderung vom Januar 2016 noch keine prüffähigen Unterlagen vorgelegt zu haben. Die Stadt kontert, der LVR argumentiere falsch. Unabhängig davon schlägt die Stadt vor, für fünf Standorte in Krefeld einen Neubau durchzurechnen. Genannt werden neben Willy-Brandt- und Theaterplatz das „Kerry Gold“-Gelände an der Westparkstraße, ein Areal im Bereich Birkschenweg/ Mevissenstraße und der Parkplatz hinterm Stadthaus. Heute tagt der Bauausschuss und berät das weitere Vorgehen.

Der Landschaftsverband als Obere Denkmalbehörde mit dem „Amt für Denkmalpflege im Rheinland“ (ADR) hält der Stadt vor, die für eine Prüfung der städtischen Position erforderlichen Unterlagen noch nicht beigebracht zu haben. Im Januar 2016 habe das ADR die Stadt gebeten, „nachvollziehbare und damit prüffähige Unterlagen zu ihrer Auffassung, die Instandsetzung und klimatechnische Ertüchtigung der Fenster sei nicht möglich, vorzulegen“. Dabei könne es auch notwendig sein, Erkundigungen nach Vorbildlösungen gegebenenfalls bundesweit einzuholen. „Entsprechende Unterlagen liegen dem LVR-ADR bislang nicht vor“, erklärte der LVR auf Anfrage unserer Redaktion.

Der Verweis auf Vorbildlösungen bezieht sich etwa auf das 1955/1956 erbaute Hardenberg-Haus in Berlin. Denkmalschützer berichten, das Haus habe ähnliche Fenster wie das im gleichen Jahrzehnt errichtete Stadthaus; in Berlin seien die Fenster vorbildlich restauriert und erhalten worden.

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Die Stadt Krefeld macht geltend, dass die zunächst geplante Sanierung von gut 40 der Originalfenster mit dazu beigetragen habe, dass keine einzige Baufirma Interesse an dem Riesenauftrag aus Krefeld gezeigt habe. Der Landschaftsverband wiederum vermisst den Nachweis dafür: „Aus Sicht des LVR-ADR gibt es keinen Anhaltspunkt, dass die Auflagen der Denkmalpflege (mit)ursächlich für das Scheitern des Ausschreibungsverfahrens gewesen sein sollen. Die Stadt Krefeld hat hierfür bisher keinen Beleg vorgelegt“, erklärt die Behörde.

Planungsdezernent Martin Linne weist diese Sicht zurück. „Aus unserer Sicht argumentiert der LVR auf der falschen Ebene, da sich die Rahmenbedingungen durch das negative Ergebnis des europaweiten Teilnahmewettbewerbs deutlich verändert haben“, erklärte er auf Anfrage. Wie berichtet, ist bislang keine Fachfirma bereit, die Sanierung des Stadthauses unter den bislang definierten Bedingungen anzugehen, und zwar vor allem, weil die denkmalrechtlichen Anforderungen als „zu hoch" und „sowohl preislich als auch ressourcentechnisch nicht umsetzbar" (Linne) eingeschätzt werden. Linne betont zudem, dass der LVR ohnehin die Anforderungen aus der ersten Version der Ausschreibung als „zu niedrig" eingeschätzt habe. „Im Klartext: Das Eingehen auf die Anforderungen des LVR ist gleichbedeutend mit einer Unrealisierbarkeit der Sanierung.“ Linne betont auch: „Alle fachlichen Unterlagen hierzu liegen allen Beteiligten (Verwaltung, Bezirksregierung, LVR, Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau & Gleichstellung) vor.“

Die Karten werden nun neu gemischt. Aktuell werde ein neuer Antrag auf denkmalrechtliche Erlaubnis erarbeitet. Er soll bis Ende Juli bei der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Krefeld vorliegen; die Beteiligung des LVR soll dann auf der Grundlage der Bewertung der Unteren Denkmalbehörde bis zum 30.September erfolgen.

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