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Krefeld: Fischelner Mitmachgarten von meine-ernte eröffnet die Saison

Unternehmen verpachtet Flächen : Mitmachgarten eröffnet die Saison

Seit drei Jahren können Krefelder in Fischeln ihr eigenes Gemüse auf einem Feld anbauen und ernten, das von einem Landwirt über meine-ernte vermietet wird. Das Projekt ist beliebt und nur noch wenig Fläche ist verfügbar.

Das Navigationssystem führt zu einem Hof am Rande eines Wohngebiets. Von einem Gartengelände ist nichts zu sehen. In der Tat heißt es, noch einige hundert Meter einen befestigten Feldweg entlang zu fahren. „Das Problem haben viele Navis. Wir sind oft nicht verzeichnet“, erzählt Andrea Busch und lacht. Ihr und ihrem Mann Knut gehört der Hof, zu dem die Mitmachgärten von meine-ernte.de gehören. Das Unternehmen vermittelt Ackerparzellen als eigene Gemüsegärten an interessierte Hobbygärtner.

„Wir sind von Anfang an dabei, jetzt schon im dritten Jahr“, erzählt Stefan Thißen. Der Fischelner und seine Frau Eva laufen, wie viele andere Hobbygärtner, eifrig mit Gießkannen zwischen einem großen Tank und ihrer 45 Quadratmeter großen Parzelle hin und her und gießen ihre Pflanzen. „Das ist eine der Sachen, die wir hier gelernt haben: Richtig zu gießen. Man sollte nicht zu oft den Boden benetzen, sondern lieber seltener aber dafür viel gießen. Dann versickert das Wasser, verdunstet nicht so schnell und die Pflanzen bilden tiefere Wurzeln aus, was sie widerstandsfähiger gegen Trockenheit macht“, erzählt Stefan. Es sei eine der Sachen, die sie hier von den Profis über Landwirtschaft gelernt hätten. „Im Endeffekt lernt man, wie schwierig Bio-Landwirtschaft ist, sowie viel über Gemüse, was wann Saison hat, wie es wächst und man sucht entsprechende Rezepte für regionale Gemüse heraus“, fügt Eva hinzu. Für die Fischelner ist der Garten nahe ihrer Wohnung ein Segen. „Gerade zur Corona-Zeit war es toll, regelmäßig raus zu kommen. Dazu das leckerste Gemüse überhaupt, das man selbst gezogen hat, das macht schon Spaß“, erzählt Stefan.

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Die Krefelder sind Kunden von meine-ernte.de. „Wir wollen den Menschen Landwirtschaft nahe bringen, sie erlebbar machen“, erzählt Natalie Kirchbaumer. Sie ist für die Garteneröffnung aus Bonn, dem Firmensitz, angereist. „Wir sind ein recht junges Unternehmen und weiten unser Angebot ständig aus. Bis auf Bayern sind wir praktisch in ganz Deutschland vertreten. Gartenarbeit hat etwas meditatives und man sieht, was man geschafft hat. Dieses Gefühl wollen wir auch Menschen ermöglichen, die in großen Städten in Mehrfamilienhäusern leben und keinen eigenen Garten besitzen“, erklärt sie. Zwar sei das Unternehmen nicht Bio-Zertifiziert, „das liegt aber daran, dass wir auch von nicht-Bio-Landwirten pachten. In unseren Regeln ist klar vorgegeben, dass keine künstlichen Substanzen ausgebracht werden dürfen. Kommt es in Gärten zu Schädlingsbefall, bieten wir Hilfestellung. Zum Beispiel zur Herstellung einer Brennessel-Jauche“, erläutert Kirchbaumer.

 Knut und Andrea Busch mit ihren Mietern Eva und Stefan Thißen (v.l.n.r.). Das Ehepaar Thißen gehört seit drei Jahren zu den begeisterten Mietern der Landwirte.
Knut und Andrea Busch mit ihren Mietern Eva und Stefan Thißen (v.l.n.r.). Das Ehepaar Thißen gehört seit drei Jahren zu den begeisterten Mietern der Landwirte. Foto: Mark Mocnik

Für die Nutzer bietet das eine tolle Erfahrung, und auch die Landwirte profitieren von der Übereinkunft. „Einerseits ist es ein attraktives Angebot. Andererseits vermittelt es Menschen auch einen Eindruck davon, wie viel Arbeit in guten Nahrungsmitteln steckt“, erzählt Knut Busch. Auch sei der Familie wichtig, an der Agrarwende mitzuarbeiten. Der Hof ist mit einer großen Photovoltaikanlage ausgestattet, die Felder werden fast gänzlich ohne Pestizide und Kunstdünger bewirtschaftet. „Wir sind nicht Bio-Zertifiziert. Das liegt daran, dass wir mit Landwirten aus der Umgebung Flächentausch betreiben. Das ist vorteilhaft, um eine gute Fruchtfolge zu gewährleisten. Um aber als bio gelabelt zu werden, müssten alle beteiligten Landwirte drei Jahre lang nach Bio-Richtlinien produzieren. Das ist kaum umsetzbar. Wir bauen hauptsächlich Soja an. Das ist eine Pflanze, die sehr widerstandsfähig ist und als Legominose dem Boden eher Nährstoffe zuführt. Darum muss man nicht düngen“, erläutert der Landwirt.

Die Gärten haben den Buschs bis zur Saisoneröffnung einige Mühe gemacht. „Wir bringen die erste Bepflanzung aus. Das sind allerlei Gemüse von Erbsen über Kürbis und Salate, Kohl und Rote Bete bis hin zu vier Reihen Kartoffeln. Die Pflanzen haben wir vorgezogen und die Reihen angelegt. Auf jeder Parzelle sind dieselben Gewächse und ein Stück zur freien Nutzung“, erläutert Andrea Busch. Zur Eröffnung sei der Betrieb am größten. „Da sind dann fast alle Gärtner da. Ansonsten kommen sie so, wie es ihnen in den Tag passt.“ Diese Individualität sei auch der Grund, warum es kaum Gemeinschaftsevents gibt. „Wir haben mal Erntedankfeste und so weiter ausprobiert. Aber das Feedback war mäßig. Die Menschen kommen in ihren Garten und sprechen sich mit anderen ab, bilden Gießgemeinschaften und Urlaubsvertretungen, aber am Ende ist es doch eher individuell“, erzählt Kirchbaumer. Auch Rezepte werden ausgetauscht. „Wir haben hier viele Gemüse für uns entdeckt. Klar kannten wir Kohlrabi, Mangold oder Zucchini. Aber gekauft haben wir sie selten. Jetzt mussten wir sie verarbeiten und sind Fans“, erzählt Eva Thißen. Dann macht sie sich auf den Weg – noch einige Pflanzen wollen gegossen werden, damit bald eine reiche Ernte ansteht.