Krefeld-Fischeln: Umgehungsstraßen geplant - seit 1973 nichts umgesetzt

Frust in Krefeld-Fischeln : 46 Jahre Verkehrsplanung für nichts

Im Jahr 1973 waren Entlastungs- und Umgehungsstraßen für Fischeln geplant. Umgesetzt wurde davon nichts. Der Bürgerverein will sich damit nicht länger abfinden.

Eine alte Landkarte aus dem Jahr 1973 ist Symbol für das Fischelner Verkehrs-Dilemma: Sie dokumentiert den jahrzehntelangen Stillstand der Verkehrsplanung, um den Stadtteil und das Nadelöhr Kölner Straße vom Durchgangsverkehr zu entlasten. Was der Übersichtsplan zeigt: Bereits vor 46 Jahren waren eine Reihe von Entlastungs- und Umgehungsstraßen für Fischeln geplant. Doch: Umgesetzt wurde davon bis heute nichts.

Zeugnis für Fischelns geplante aber nie gebaute Straßen legt die Johannes-Blum-Straße ab: Die Zufahrt zum Maria-Sibylla-Merian-Gymnasium (MSM) ist deshalb so großzügig ausgebaut, weil sie ausgelegt war als Startpunkt einer nördlichen Umgehungsstraße vorbei am Kleingartengebiet Röck Stöck Richtung Gath. Sie ist heute eine Sackgasse und somit gleichsam Symbol für die gescheiterte Entwicklung eines Verkehrskonzepts für Krefelds größten Stadtteil. Eines Stadtteils, der mit seinen großen geplanten Neubaugebieten „Süd-West“ und „Plankerheide“ in den kommenden Jahren um Tausende Bürger wachsen wird.

„In der Vergangenheit haben widerstreitende Interessen in Politik, Verwaltung und bei den Interessenvertretern die Realisierung zukunftsorientierter Planungen und Lösungen für Fischeln verhindert“, fasst Dietger Schrörs vom Bürgerverein Fischeln den fast ein halbes Jahrhundert andauernden Stillstand zusammen. Der Bürgerverein Fischeln will sich mit diesem Stillstand nicht länger abfinden. „Die weitere Zunahme des Verkehrs durch neue Baugebiete und Gewerbe wird zu einer zusätzlichen erheblichen Beeinträchtigung der Lebens- und Aufenthaltsqualität im Fischelner Ortskern führen“, ergänzt Helmut Höfer. Damit einher gingen mangelnde Sicherheit und Attraktivität für Fußgänger und Radfahrer.

Fischelns Planung 1973: Die roten Straßen rund um den Fischelner Ortskern sind die 1973 angedachten Umgehungsstraßen. Foto: Carola Puvogel

Der Bürgerverein hat, wie berichtet, über eine eigene Umfrage Meinungen der Fischelner Bürger eingeholt. Ebenso haben Schrörs und Höfer die Einträge der Fischelner im städtischen online Portal „Mobilitätskonzept Krefeld“ akribisch ausgewertet. „Das städtische online Portal für das in Arbeit befindliche Mobilitätskonzept Krefeld wurde sehr aktiv von Fischelner Bürgern genutzt“, erläutert Schrörs. Ab Herbst stehe die zweite Phase an. In dieser Phase geht es um Erarbeitung detaillierter Lösungsvorschläge für eine Handlungsempfehlung an den Rat. „Es ist unser Ziel, dass Fischeln im Rahmen dieses umfassenden Infrastrukturprojekts Priorität eingeräumt bekommt“, macht Schrörs deutlich. „Die Fischelner Ratsmitglieder sind deshalb aufgefordert, die Priorität und angemessene Berücksichtigung der Maßnahmen für Fischeln sicherzustellen.“

Der Bürgerverein weist noch einmal auf die Umgehungsstraßen-Problematik hin: Denn die Verwaltung hat den Plan, eine Süd-West-Umgehung von Fischeln erst nach Bau und Besiedelung des Neubaugebiets „Fischeln Süd-West“ zu realisieren. Grund ist, dass das Geld für die Straße erst durch den Verkauf der Grundstücke eingenommen werden soll. Das sorgt in Fischeln für Unverständnis: „Wir meinen, dass der Bau der neuen großen Wohngebiete Süd-West, Plankerheide, Fischeln-Süd und weitere Gewerbeansiedlung nur nach rechtzeitiger Sicherstellung der notwendigen Infrastruktur für Pkw/Lkw, ÖPNV, Fahrradfahrer und Fußgänger realisiert werden können“, sagt Schörs. Denn: „Es fahren nicht alle Neubürger mit der K-Bahn.“ Außerdem müsse die Verwaltung von der derzeit gängigen Praxis abgehen, neue Ansiedlungen und damit entstehende Verkehre isoliert zu betrachten. So geschehen, wie mehrfach berichtet, bei der Genehmigung einer Abfall-Behandlungsanlage im Gewerbegebiet Breuershofstraße.

Schrörs fordert auch, dass Politik und Verwaltung wenigstens mit kleinen, für die Bürger sichtbaren, Verbesserungsmaßnahmen dafür sorgen, dass die Situation rund um die Kölner Straße erträglicher wird. „Und die Bürger mal eine Entwicklung und nicht immer nur Stillstand sehen“, sagt Schrörs. Denn viele Fischelner hätten längst resigniert und das Vertrauen in Politik und Verwaltung verloren. Die geplante Erweiterung der Tempo-30-Zone bis zu Kita Klein & Groß, vor einigen Monaten von der Verwaltung angekündigt, aber bis Dato noch nicht umgesetzt, könne nur ein Anfang sein. „Weitere Ideen wären die Einrichtung von Einbahnstraßen, der Bau von Zebrastreifen, die Verbesserung der Situation für Radfahrer auf der Kölner Straße. Schrörs regt außerdem eine gemeinsame Aktion von Bürgerverein, Werbering und Verwaltung an, bei der Bürger des Stadtteils unter dem Motto „Nimm das Rad“ motiviert werden sollen, kleine Einkäufe „im Dorf“ einfach mal mit dem Fahrrad zu erledigen.

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