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Krefeld: Ferienprojekt in der Kufa unter Pandemie-Bedingungen

Krefelder Ferienprojekt : Kinder-Spaß in der Kufa zu Corona-Zeiten

Zwölf Kinder machten mit beim zweiwöchigen Ferienprojekt der Krefelder Kulturfabrik. Für fast jeden Teilnehmer gab es diesmal eine eigene Toilette.

Zwölf Kinder hatten zwei Wochen lang die Krefelder Kulturfabrik (Kufa) für sich. Sie durften während der ersten zwei Ferienwochen mit Rollschuhen durch die Halle flitzen, auf der Bühne tanzen und in aufblasbaren Kugeln auf Tuchfühlung gehen. Zehn Toiletten standen den Kindern zur Verfügung, die mit Namensschildern gekennzeichnet waren. „Wir haben zwei Geschwisterpaare dabei, die sich natürlich eine Toilette teilen. Ansonsten hat jedes Kind eine eigene Toilette“, erklärt Kufa-Sprecherin Katharina Schneider-Bodien.

Auf Tuchfühlung, aber mit Abstand, gingen die zwölf Teilnehmer dank der aufblasbaren Bälle. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Dass trotz Abstandsregeln ein Ferienprojekt angeboten werden konnte, ist dem Engagement der Kufa-Mitarbeiter zu verdanken. Sie bastelten in Zusammenarbeit mit dem Krefelder Gesundheitsamt an einem Hygienekonzept und erdachten Möglichkeiten, die Kinder auf Abstand zu bespaßen. „Normalerweise haben wir 30 Kinder, die mitmachen. Erst Ende Mai konnten wir die Eltern informieren, dass die Betreuung stattfinden wird. Wir haben deshalb Familien angesprochen, die das Projekt bereits kannten und schon mal daran teilgenommen hatten“, erklärt Schneider-Bodien und meint, die Eltern seien sehr froh gewesen, dass ihr Nachwuchs zwei Ferienwochen lang von 10 bis 15 Uhr beschäftigt war.

Auch die Freude bei den zehn Mädchen und zwei Jungen im Alter von sieben bis 14 Jahren über die Aktion ist groß. „Endlich konnten wir wieder Freunde treffen und neue Leute kennen lernen. Wir haben direkt Telefonnummern ausgetauscht“, sagt Julie (11). Ihr siebenjähriger Bruder Alaric ist zum ersten Mal mit dabei. „Mir haben die Tänze und Spiele Spaß gemacht“, sagt er. Mona (11) ist zum zweiten Mal dabei. „Das Angebot hier ist abwechslungsreich, und besonders das Theaterspielen macht mir viel Spaß.“

Sabine Kreuer, Tänzerin und Choreografin, hat sechs kleine Stücke mit den Kindern erarbeitet. „Die Ideen kamen alle von den Kindern. Ich habe nur geguckt, dass sie umsetzbar sind und vom Publikum verstanden werden“, erklärt Kreuer. Denn am heutigen Freitag werden die Kresch-Kinder ihre Werke Eltern, Großeltern und Verwandten präsentieren. Deswegen proben sie an diesem Tag fleißig. „Sie sind schon etwas aufgeregt“, schmunzelt die Choreografin. Und Textilkünstlerin Nurten Kocaman, die mit dem Nachwuchs Kostüme und Requisiten bastelte, ergänzt: „Einige können vor lauter Lampenfieber kaum noch schlafen.“

„Aus Alt mach Neu“ war die Devise dieser Ferienfreizeit, die unter dem Motto „Friedship earth“ stand und einmal mehr von „Soziokultur NRW“ gefördert wurde. So gestalteten die Kinder alte T-Shirts um, machten daraus aber auch Taschen oder Kopfschmuck. Ausrangierte Plakate der Kufa wurden zu Perlen geformt und als Halsschmuck verwendet. Auch Traumfänger entstanden auf diese Weise. Jedes Kind hatte seinen eigenen Tisch, an dem es basteln konnte.  „Die große Tür nach draußen ist immer offen geblieben, um den Luftaustausch zu gewährleisten und die Ansteckungsgefahr niedrig zu halten. Die Kinder mussten dieses Mal auch ihr Essen und Trinken selbst mitbringen“, erklärt Sprecherin Schneider-Bodien.

Wie prägend die Zeit der Pandemie für die Kinder war, zeigt sich auch bei der Themenwahl der sechs Theaterstücke und sieben Musikeinlagen. So gibt es einen Klobürsten-Tanz, der thematisch zum Klopapier-Sketch passt. In dem Stück muss der siebenjährige Alaric dringend auf die Toilette. Was jedoch fehlt, ist das Klopapapier. Ein harter Kampf um die letzten Rollen entbrennt. „Wir haben sogar echtes Corona-Klopapier bei einem Händler um die Ecke gefunden. Das heißt wirklich so“, erzählt Sabine Kreuer und schmunzelt. Nicht nur lustige Themen greifen die Kinder auf. Auch Familienstreitereien in Zeiten des Lockdowns werden dargestellt. Denn damit haben einige ebenfalls Erfahrungen gemacht. „Wir haben dann auch noch ein cooles Stück mit unseren Rollergirls eingeübt, die sind richtig fit auf den vier Rollen“, lobt die Choreografin.

Witzig sieht es aus, wenn Teilnehmer in die durchsichtigen, aufblasbaren Bälle steigen und ungelenk darin herumhüpfen. Die Bälle sollen symbolisieren, dass einige Kids in der Corona-Zeit wegen des Bewegungsmangels an Gewicht zugelegt haben. Nur gut, dass man diesen kugelrunden Bodysuits schnell wieder ausziehen kann. Denn darin zu tanzen, ist schweißtreibende Arbeit.