Krefeld feiert den Beginn des Move-Festivals für Modernen Tanz in der Fabrik Heeder

Tanz in Krefeld : Move! – Drei Farben Liebe

Die belgische Compagnie Giolisu eröffnet die 18. Krefelder Tage für modernen Tanz mit einem berührenden Stück über das Leben.

 „Die Krefelder Tage für modernen Tanz entwickeln sich weiter und probieren neue Wege aus“, lautet das Resümee von Oberbürgermeister Frank Meyerin seiner Eröffnungsrede von „Move!“. Die Tage für modernen Tanz finden in diesem Jahr zum 18. Mal statt. Doch bevor der Oberbürgermeister die Bühne für die Künstler freigibt, blickt er in den Februar 2019 zurück. Hoher Besuch hatte sich angekündigt: Bundespräsident Frank Walter-Steinmeier kommt in die Fabrik Heeder, eine ausführliche Begehung des Sicherheitspersonals findet auf und hinter der Bühne statt. Die prüfenden Blicke fallen immer wieder auf weiße Federn, die noch von der Verabschiedung des geschätzten Kulturamtsleiters Jürgen Sauerland-Freer zeugen, der am heutigen Abend auch im Zuschauerraum sitzt. „Diese Federn sind ein wunderbares Bild für den zeitgenössischen Tanz: leise und poetisch hinterlässt er seine Spuren, die wir tagelang später noch finden“, schließt Meyer den Bogen zum Festivalprogramm, das neben sieben aktuellen Produktionen aus NRW auch drei Compagnien aus Belgien zu Gast hat.

Meyer würdigt die Arbeit und das Engagement aller Beteiligten rund um das Team von Dorothee Monderkamp. Künstler, so Bettina Milz von der Kunststiftung NRW, schätzen die Fabrik Heeder als Freiraum, in dem künstlerische Arbeit möglich sei, sehr. Diese Wertschätzung drückt sich auch auf finanzieller Ebene aus: 2020 rutscht Move! erstmals von der Projekt- in die Festivalförderung, ein wichtiger Schritt, so Milz, der längst überfällig war.

Als dritte Rednerin schließt sich Christine Peters, Expertin für Performing Arts, Kunststiftung NRW, an. Sie betont den fragilen und gleichsam schützenswerten Status, den die Kunst des Performativen gegenüber anderen Kunstformen hat – da ist sie wieder, die weiße Feder. Das Schwarz der Bühne wird durch ein kleines Licht erhellt. Aus dem Off sind zwei Stimmen zu hören. „What is spirit?“ fragt eine Kinderstimme neugierig. „Spirit is a light in you“ antwortet eine Männerstimme, Gitarrenmusik legt sich über die Stimmen, ein Mann kommt auf die Bühne, ein zweiter kommt hinzu und ein dritter betritt vom hinteren Rand die Bühne. Alle drei sind mittleren Alters. Zwei haben Koffer dabei, sie ziehen weiße Hemden über ihre weißen Unterhemden, binden Gürtel und Krawatte, der eine rückt seine Brille zurecht, der andere setzt seine Perücke auf. Mit dieser starken Anfangssequenz öffnet die belgische Compagnie Giolisu ihr poetisches Stück „Il dolce domani“ (Das süße Morgen).

In der nächsten Szene erscheint eine Frau in einem roten Kleid, auch sie ist mittleren Alters. Mit klarem und bestimmtem Blick nimmt sie Kontakt zu den drei Männern auf. Sie führt die Bewegungen an, die Männer folgen ihr, doch zunächst wirken ihr Hüftschwung und ihre Fingerschnipse zögerlich, etwas überrascht und fast unsicher. Dann zieht das Tempo an und die Gruppe verkleinert sich. Aus lässigen Hüftschwüngen werden kraftvolle und tiefe Sprünge, nicht immer kann Lisa Da Boit, Tänzerin und Choreographin des Stücks, von den Performern Rudi Galindo, Jean-Marc Fillet und Rolando Rocha gehalten werden.

Mit großer Spannung verfolgt das Publikum die Tänzerin und die drei Tänzer durch den Raum der Fabrik Heeder. Viele Szenen spielen sich parallel ab und werden durch wunderbare Musikeinspielungen eingerahmt. Immer wieder gibt es Nischen, in denen sich die Tänzer aus dem schnellen Spiel ausklingen. Hier zeigt sich besonders die schauspielerische Qualität der Performer, mal agieren sie ganz für sich, verändern den Raum durch Licht oder kleine Requisiten, wie herumliegende Stühle, eine Madonnenfigur oder schwarz-weiß Fotografien, mal sind sie paarweise zu sehen, Tango tanzend oder Kräfte messend. Dieses wirkungsvolle Wechselspiel aus humorvollen und zugleich leidenschaftlichen Begegnungen, die mal in der Umarmung und mal im Fall enden, zeichnen die Performance aus. Besonders gegen Ende des Stücks finden die Regieseurinnen Lisa da Boit und Céline Curvers starke Bilder. Immer wieder strecken die Performer ihre Hände in die Luft, so als wollten sie den Raum über sich greifen und sich vergewissern, dass da noch Platz ist, Platz für die Liebe, das Leben und das süße Morgen.

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