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Krefeld: Feierstunde im Schütenhof. Verein für Haus- und Tagespflege feiert 60-Jähriges.

Krefeld : Schütenhof für neuen Zweck gesegnet

Der Schütenhof ist am Samstag feierlich eingeweiht worden. Gleichzeitig feierte der Verein für Haus- und Krankenpflege Geburtstag.

Das dürfte Pflegebedürftige und Angehörige gleichermaßen freuen: Der Krefelder Verein für Haus- und Krankenpflege hat sein Angebot um eine Tagespflege erweitert. In den Räumlichkeiten des frisch restaurierten Schütenhofs werden seit Neuestem montags bis freitags jeweils bis zu zwölf Gäste nicht nur gut versorgt, sie sind vor allem nicht einsam, da sie tagsüber unter Gleichgesinnten sind. Mit einer Feierstunde im Gemeindezentrum Bockum wurde am Samstag gleichzeitig sowohl das neue Angebot eingeweiht als auch das 60-jährige Gründungsjubiläum des Vereins begangen.

Rund 1,2 Millionen Euro sind in die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes geflossen. 340 barrierefreie Quadratmeter stehen den Senioren nun im Erdgeschoss für die Tagespflege zur Verfügung. Die Arbeiten haben rund ein Jahr gedauert. „Da darf man sagen: So schnell geht das in Krefeld nicht immer“, scherzte Oberbürgermeister Frank Meyer in seine Festrede. Er freue sich, dass die Senioren in der Tagespflege wieder an einer sozialen Gesellschaft teilhaben können und die Schultern der Angehörigen gleichzeitig entlastet würden.

In vielen Köpfen gebe es noch die Stereotype „Alter gleich Pflegeheim“, sagte die Landtagsabgeordnete Britta Oellers (CDU). Man müsse jedoch das Alter „neu denken“ und das Älterwerden in der Mitte der Gesellschaft ankommen lassen. „Ältere sind heute fitter, gesünder und aktiver als noch vor 20 Jahren“, so Oellers. Deshalb müsse man ihnen selbst die Wahl lassen, ob sie gerade Hilfe bräuchten.

Genau darauf ist die neue Tagespflege eingerichtet. Sie richtet sich individuell auf die Biographie ihrer Gäste ein. Auf Wunsch werden diese morgens per Fahrdienst zu Hause abgeholt und abends zurückgebracht. Dazwischen haben sie viele Möglichkeiten, die sie selbstbestimmt auswählen. Im Gemeinschaftsraum kann gespielt werden, wobei die Spiele an die besonderen körperlichen Gegebenheiten der Senioren angepasst sind. So gibt es etwa ein extra großes Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel, Lupen zum Lesen und Kartenhalter für Kartenspiele. „Zweimal pro Woche kochen wir alle gemeinsam“, sagt Pflegedienstleiterin Hedwig Scharnbeck, an den anderen Tagen werde das Essen geliefert. „Dabei verwerten wir auch Brot vom Vortag und machen daraus zum Beispiel Arme Ritter zum Kaffee, ganz wie die Senioren es von früher in ihrer eigenen gutbürgerlichen Küche gewohnt sind.“ Gemütliche Ohrensessel, zwei elektrische Kamine und ruhige Leseecken laden die Gäste zum Ausruhen ein. Und wer mag, der kann die hauseigene Terrasse nutzen oder sich bei einem gemeinsamen Spaziergang mit den Pflegekräften die Füße vertreten oder gleich selbst die benötigten Lebensmittel fürs Kochen einkaufen.

Der Krefelder Verein für Haus- und Krankenpflege arbeitet zum Wohle von hilfebedürftigen Menschen in Krefeld in drei Tätigkeitsbereichen: Pflegedienst, Essen auf Rädern und Hausnotruf. Ins Leben gerufen wurde der Verein 1958, als der zuständige Beigeordnete der Stadt die dringende Notwendigkeit erkannte, eine Hauspflege, die häusliche Krankenpflege und die Betreuung von „Wöchnerinnen“ in Krefeld sicherzustellen. „Die damalige erste Vorsitzende, Magdalene Schwietzke, brachte 1961 von einer Reise aus England die Idee der ,meals on wheels´ mit, die begeistert in der Vorstandssitzung aufgenommen wurde“, weiß Andrea Blomen, die heutige erste Vorsitzende des Vereins. So entstand in Krefeld das erste „Essen auf Rädern“ Deutschlands, und der Verein war die erste mobile Versorgungseinrichtung der Bundesrepublik.