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Krefeld: Evangelische Gehörlosengemeinde feierte Jubiläum: 111 Jahre.

Christuskirche : Gehörlosengemeinde feierte 111. Geburtstag mit Gottesdienst

Am Samstag war ein ganz besonderer Tag für die Evangelische Gehörlosengemeinde Krefeld. Sie feierte Jubiläum: 111 Jahre. Das Fest begann mit einem Ökumenischen Gottesdienst.

(RP) In der Christuskirche in Bockum beginnt gleich der Gottesdienst. Es ist ruhig, nur ein wenig Husten oder Räuspern ist zu hören. Keiner redet. Nein, das ist falsch. Keiner redet mit Stimme. Aber die gut 40 Gottesdienstbesucher reden sehr wohl, unterhalten sich höchst angeregt, aber mit den Händen, viel Mimik und Köperhaltung. Eben in Gebärdensprache.

Es war ein besonderer Tag für die Evangelische Gehörlosengemeinde Krefeld. Sie feierte Jubiläum: 111 Jahre. Das Fest begann mit einem Ökumenischen Gottesdienst, in dem Pfarrerin Monika Greier an die lange Tradition erinnerte: „Über 1.200 Gottesdienste gab es in diesen 111 Jahren für Gehörlose in Krefeld.“ In einem Bericht von 1922 schrieb ein Gehörlosenpfarrer: „Bei einem Gottesdienst sind immer ungefähr 26 Gehörlose da. Danach bleibt Zeit für Gespräche und Seelsorge. Manchmal auch bei Kaffee und Kuchen.“ Das sei bis heute gleich geblieben, so Pfarrerin Greier, die seit 11 Jahren als Gehörlosenseelsorgerin für Krefeld-Viersen arbeitet. Sie gestaltete den Gottesdienst zum Thema „Sinn-voll leben“ gemeinsam mit ihrem katholischen Kollege, Diakon Josef Rothkopf vom Bistum Aachen.

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Pfarrerin Greier hatte ihren Part verschriftlicht. Die Gebärden des Kollegen übersetzte sie in Sprache. Normalerweise wird nicht gesprochen in einem Gehörlosengottesdienst – warum auch. „Sind Hörende mit im Gottesdienst, dann erkläre ich am Anfang „Heute mit Stimme!“, erläuterte Greier. Dann nutzt sie die Lautsprachbegleitende Gebärdensprache - sie spricht ganz normal und gebärdet simultan. Die Gehörlosen verstehen auch diese Gebärden, doch ansonsten nutzen sie die Deutsche Gebärdensprache, kurz DGS. Diese hat eine eigenständige Grammatik, die sich grundlegend von der Deutschen Laut- und Schriftsprache unterscheidet. Seit 2002 ist die DGS in Deutschland als vollwertige Sprache anerkannt.

Beim Miteinanderreden müssen sich alle ganz und gar aufeinander konzentrieren. Auch im Gottesdienst. Wenn einer wegschaut, kann er dem Geschehen nicht mehr folgen, hat den Faden verloren. Deshalb dauern die Gottesdienste maximal eine halbe Stunde. Sonst fällt es schwer, weiter zuzusehen. „Ich baue jedes Mal weitere Elemente mit ein“, sagte Pfarrerin Greier. „Bilder und Filme, meist ohne Worte oder in Gebärdensprache.“ Diesmal zeigte sie ihren Film „Alt und wertvoll“ - passend zu einem über 100-jährigen Jubiläum. Viele Menschen würden alte Dinge sammeln, zum Beispiel Fotoapparate oder alte Autos. Alte Dinge bedeuten Erinnerungen und oft auch gute Qualität. Viel Zustimmung gab es aus den Reihen der Gottesdienstbesucher.

Zudem ging es um die fünf Sinne und ein Gebärdenlied „Gebärden ist toll“. Die Beschreibung der fünf Sinne gebärdeten die beiden Seelsorger so eindrucksvoll, dass auch in Gebärdensprache Unkundige vieles verstehen konnten. „Ich glaube, Christen und Christinnen haben noch einen weiteren Sinn“, fügte Greier hinzu. „Einen besonderen Spür-Sinn. Wir spüren, Gott ist nah.“Lieder nicht zu hören, sondern zu ausschließlich zu sehen, ist auch noch einmal ein besonderes Erlebnis. Sie wurden so ausdrucksstark dargestellt, dass jeder die Intention und den Inhalt erfassen konnte. Gehörlosenseelsorgerin Greier empfindet die Gebärdensprache als Herzenssprache. Sie mag „die Ausdrucksmöglichkeiten, die sie zusätzlich durch die Mimik hat: „Damit kann man Biblische Themen nochmal ganz neu verdeutlichen.“