Krefeld: erstes Sinfoniekonzert mit Gastdirigent Stefanos Tsialis

Auftakt der Sinfoniekonzerte : Neue Sichtweise auf das Werk von Johannes Brahms

Beim ersten Sinfoniekonzert der Saison gab Gastdirigent Stefanos Tsialis Einblicke in Brahms‘sche Kompositionsstrukturen. Sophie Pacini brillierte mit dem Klavierkonzert.

Einen Dirigenten, dem das kompositorische Schaffen von Johannes Brahms besonders nahe ist, hatte Generalmusikdirektor Mihkel Kütson für das erste Sinfoniekonzert verpflichtet. So traf es sich gut, dass auf dem Programm die Sinfonie Nr.1 c-Moll op.68 stand, die der stets an sich zweifelnde Johannes Brahms (1833-1897) erst als 46-Jähriger nach kompositorischen Versuchen, die sich über zwanzig Jahre hinzogen, veröffentlichte. Nicht nur der Schatten Beethovens, auch der von seinem Förderer Robert Schumann durch diverse Empfehlungsschreiben erzeugte Erwartungsdruck lasteten auf ihm.

Gast Stefanos Tsialis, Chefdirigent sowie Künstlerischer Leiter des Athener Staatsorchesters und international bei führenden Orchestern gefragt, war viele Jahre am Staatstheater Meiningen tätig, wo einst Brahms als Dirigent wirkte. Die in dieser Zeit bei den Proben aufgezeichneten Notizen studierte Tsialis und unterzog seine Brahms-Interpretationen einer gründlichen Revision. Die klanglichen Ergebnisse sind teils frappierend, was sich im gut besuchten Seidenweberhaus vor allem im ersten Satz der Sinfonie zeigte. Die „ausgezeichneten und für Anregungen immer offenen Niederrheinischen Sinfoniker“ (so hatte es der mit höchster Sorgfalt und Eindringlichkeit leitende Dirigent im Vorfeld bemerkt), artikulierten viel intensiver, reduzierten konsequent ihr Vibrato, loteten das dynamische Spektrum bis in die Extreme aus und erreichten so eine durchsichtige, lichte Wiedergabe, die auch den Zuhörern wohltat. Die Holzbläser wetteiferten in kostbaren Soli, die Hörner steuerten Pastellfarben bei, die Posaunen blieben auch im Forte immer edel, und die Streicher formten das eingängige Thema des überwältigenden Schlusssatzes, das vermutlich als ein spätes Gedenken an den 1856 verstorbenen Robert Schumann anzusehen ist, mit Inbrunst aus. Insgesamt war es ein großartiger und umjubelter Abschluss des Konzertabends, der mit der fein austarierten „Coriolan-Ouvertüre“ von Ludwig van Beethoven bereits verheißungsvoll begonnen hatte.

Für das einzige Klavierkonzert von Robert Schumann – a-Moll op.54 – ein Geschenk an seine Frau Clara (die es auch uraufführte) - war die junge   Sophie Pacini gewonnen worden. Die italienisch-deutsche Pianistin, weit gereist und von namhaften Orchestern engagiert, zeigte sich – bei hohem technischem Vermögen – als Erste unter Gleichen, so wie Schumann sein melodienseliges Opus verstanden wissen wollte. Solopart und Orchesterstimmen müssen organisch miteinander verschmelzen, und das wussten die Künstlerin, das aufmerksam sekundierende Orchester und der einfühlsame Stabführer optimal zu verwirklichen.

Für den ausdauernden Applaus dankte Pacini mit einer dem Original stilgerecht entsprechenden Klavierbearbeitung des Schumann-Liedes „Widmung“, das der Komponist seiner Frau, deren 200.Geburtstag die Musikwelt in diesem Jahr feiert, einst gewidmet hat.

Zweiter Konzerttermin: Freitag, 13.September, 20 Uhr, Seidenweberhaus,  Konzerteinführung: 19.15 Uhr

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