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Krefeld errichtet Zeltstadt für 1000 Geflüchtete aus der Ukraine

Flüchtlingslager auf dem alten Kasernengelände Forstwald : Zeltstadt bietet Platz für 1000 Menschen

In raschem Tempo ist auf dem alten Kasernengelände Forstwald eine Aufnahmeeinrichtung für Geflüchtete aus der Ukraine entstanden. Es ist nur eine Übergangslösung, bietet aber Vollversorgung. Ziel ist schnelle Integration.

Bereits in den kommenden Tagen soll die Belegung der neuen Übergangs-Aufnahmeeinrichtung für Geflüchtete aus der Ukraine auf dem Gelände der alten Kaserne in Forstwald beginnen. „Wenn alles perfekt laufen würde, würden wir am morgigen Donnerstag schon die ersten Menschen herholen. Aber ich möchte mich nicht festlegen. Es sind noch einige Arbeiten zu erledigen, darum sage ich ‚in den nächsten Tagen’“, sagt Stadtdirektor Markus Schön bei einer Begehung der bereits errichteten Anlagen am Mittwoch.

 Jeweils vier Doppelstock-Betten sind in den Quartiereinheiten aufgestellt.
Jeweils vier Doppelstock-Betten sind in den Quartiereinheiten aufgestellt. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Vier große Zelte mit Wohnboxen, eines mit Waschräumen und eines mit einer Mensa sollen bis zu 1000 Menschen aus dem Kriegsgebiet beherbergen. „Aktuell ist der Bedarf extrem schwer einzuschätzen. Gerade scheint die erste Welle der Flüchtlinge etwas abgeebbt zu sein. Aber das kann sich täglich ändern, je nach Kriegssituation in der Ukraine. Wir sind mit dieser Einrichtung jedenfalls gut vorbereitet“, sagt Oberbürgermeister Frank Meyer.

 Der Bedarf an Unterkunftspätzen ist derzeit schwer einzuschätzen. In Fortswald ist man auf 1000 Menschen vorbereitet.
Der Bedarf an Unterkunftspätzen ist derzeit schwer einzuschätzen. In Fortswald ist man auf 1000 Menschen vorbereitet. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

In den Zelten sind jeweils abgetrennte Bereiche zwischen 20 und 25 Quadratmeter. „Diese enthalten jeweils einen Tisch, vier Stühle, Spinde und vier Doppelbetten, so dass acht Personen untergebracht werden“, erläutert Stephan Simon, stellvertretender Bezirksgeschäftsführer der Malteser im Bezirk Aachen. Diese haben den Betrieb der Einrichtung übernommen. Hauptverantwortlich als Leiter zeichnet Maurizio Cremonesi. Er ist erfahren in der Leitung von Erstaufnahmeeinrichtungen. „Ich freue mich sehr auf das Projekt. Von 2015 bis 2021 habe ich eine Aufnahmeeinrichtung ähnlicher Art in Düren geleitet. Diese Erfahrungen kommen mir hier zugute“, sagt er. Entsprechend habe er bei der Zusammenstellung seines Teams nicht zuletzt auf Sprachkompetenz geachtet. „Wir arbeiten hier im Drei-Schicht-System, so dass 24 Stunden am Tag rund 15 Personen als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Mindestens zwei Drittel davon sprechen eine relevante Sprache, also Ukrainisch, Russisch oder das verwandte Polnisch. Zumindest Englisch spricht jeder Mitarbeiter“, sagt er.

 Blick in die Dusch- und Waschräume der Übergangsquartiere in den Leichtbauhallen.
Blick in die Dusch- und Waschräume der Übergangsquartiere in den Leichtbauhallen. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)
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Die Einrichtung sei kein Luxus. „Aber es geht zunächst einmal darum, den Menschen ein Dach über dem Kopf, Essen, medizinische Versorgung und so weiter zukommen zu lassen. Aktuell sieht es so aus, als kämen sie bald in den SGBII-Bezug. Dann wäre die Beschaffung von Wohnungen viel leichter. Wichtig ist erst einmal, die bestehenden Einrichtungen zu entlasten und die Turnhallen freizubekommen“, erläutert Schön.

Kinder und Jugendliche würden zunächst vor Ort beschult und sollen zeitnah ins deutsche Schulsystem integriert werden. Eine Teilnahme am Onlineunterricht aus der Ukraine ist nicht vorgesehen. „Das scheint zwar technisch gut zu funktionieren, aber die Kinder sind hier schulpflichtig. Die Vorgaben macht das Land. Ich finde es aber im Sinne von Integration und Spracherwerb richtig“, sagt der Stadtdirektor.

Die Lage der Einrichtung sei zwar etwas außerhalb, „aber es gibt direkt vor der Tür eine Bushaltestelle und wenige Meter entfernt den Bahnhof. Die Menschen können sich frei bewegen und kommen gut in die Stadt“, sagt Schön.

Einkäufe seien kein Problem, allerdings auch nicht zwingend nötig. „Wir bieten hier Vollversorgung an. Es gibt hier dreimal am Tag Essen und 24 Stunden Getränke“, erläutert Simon. Für Amtsgänge sei die Anbindung gut. „Die Registrierung im Sinne des Ausländerrechts kann aber bald vor Ort erfolgen. Das ist der aufwendigste Ämtergang. Dafür stellt das Land uns fünf mobile Pickstationen zur Verfügung, die wir mit Personal ausstatten müssen. Das wird ebenso geschehen, wie eine medizinische Einrichtung nicht zuletzt als Impfangebot“, sagt Schön weiter.

Der recht schnelle und unkomplizierte Aufbau habe auch mit den Erfahrungen aus 2015 zu tun. „Das, was wir damals gelernt haben, können wir jetzt abrufen. Die Pläne lagen ja noch in der Schublade und viele Strukturen sind erhalten worden. Das zahlt sich jetzt aus“, sagt Meyer. Trotzdem sei es ein Kraftakt. „Umso größer ist der Respekt vor Polen und den Menschen dort. Was das Land leistet ist unglaublich. Das muss, gerade vor dem Hintergrund der Kritik der vergangenen Jahre, auch gesagt werden.“