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Krefeld erinnert sich an das Ende des Zweiten Weltkriegs

Kommentar : Erinnern an völkische Feiglinge

Als die Amerikaner kamen, floh die NS-Elite aus Krefeld über den Rhein. Sich daran zu erinnern ist wichtig, um einen wie Höcke ganz zu verstehen, vor allem: seinen Verrat an Deutschland.

Vor 75. Jahren, am 2. März 1945, war für Krefeld der Zweite Weltkrieg zu Ende. Die Amerikaner hatten die Stadt eingenommen, die Elite der Nazis war über den Rhein nach Wuppertal geflohen. Zu nennen wäre zum einen  Alois Heuyng, der von 1933 bis 1945 Oberbürgermeister von Krefeld und ein glühender Judenhasser war. Zu nennen wäre zum anderen Erich Diestelkamp, der 1934 Kreisleiter der NSDAP für Krefeld wurde und die Zerstörung der Krefelder Synagogen am 9. November 1938 organisiert hat.

Als das Ende kam, haben diese beiden alles verraten: ihre Stadt und deren Menschen, aber auch ihr „Sache“, die nationalsozialistische nämlich. Am Ende wollten sie einfach nur ihre Haut retten. Mit Erfolg: Heuyng klagte erfolgreich für eine Pension und lebte bis zu seinem Tod in Krefeld. Diestelkamp  wurde wegen seiner NS-Verstrickungen zweimal verurteilt, darunter wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, und erhielt eine Gesamtstrafe von  zweieinhalb Jahren Haft. Nach Verbüßung arbeitete er als Vertreter und starb 1983 in Bielefeld.

Warum ist es wichtig, sich daran zu erinnern? Weil es heute in Deutschland wieder Politiker gibt, die mit völkischer Begrifflichkeit hantieren (Björn Höcke), die die daraus resultierenden Verbrechen relativieren (Alexander Gaulands „Vogelschiss“-Zitat) und die damit das Tor zu dem Teil der Hölle einen Spalt weit öffnen, in dem Deutsch gesprochen wird. Gerade so, als ob die Geschichte nie durchgespielt hätte, wohin das führt.

Die Parallelen gehen weiter: Verrat und Feigheit. Björn Höcke, der völkische Vordenker der AfD, hat den Staat, dem er sich als verbeamteter Lehrer zu dienen verpflichtet hat, mit seinen völkischen Phantasien politisch abgrundtief verraten. Das Deutschland von heute verdankt sich gerade anti-völkischen Idealen: Menschenrechte,  Demokratie, Völkerverständigung. Höcke aber will zurück in völkische Einsamkeit und Hass.  Das Erbärmliche ist: Höcke hat nicht mal den Mut, seinen Beamtenstatus aufzugeben. Lieber behält Höcke einen Rückfahrschein in ein Leben ohne Politik, falls sich das mit der AFD mal erledigen sollte.

Darin gleicht sein Lebensmodell dem der völkischen Feiglinge Heuyng und Diestelkamp, die am Ende alles dafür taten, Rückfahrscheine in ein geruhsames Leben zu bekommen. Sie bekamen sie – anders als all die Opfer völkischen Wahns. Entscheidend ist: Höcke versteht man nur ganz mit dem Wissen um Heuyng und Diestelkamp. vo

(co)