Krefeld erhält archäologischen Landschaftspark in Gellep

Archäologie in Krefeld : Krefeld erhält archäologischen Landschaftspark in Gellep

Ein 1,2-Millionen-Euro-Projekt: Auf dem Gelände des Castells Gelduba sollen museale und Freizeitangebote entstehen. Krefeld will Infozentrum des Niedergermanischen Limes werden.

Es ist ein Coup für Krefeld, der das Image der Stadt ordentlich aufpolieren wird: Auf dem 64 Hektar großen Gelände des früheren Kastells Gelduba soll ab dem nächsten Jahr  ein archäologischer Landschaftspark entstehen. Er soll das offensichtlich machen, was Wissenschaftler und historisch Interessierte längst wissen: Krefeld ist ein historisch bedeutendes Pflaster. Am Mittwoch stellten Oberbürgermeister Frank Meyer und Jennifer Morscheiser, Leiterin des Museums Burg Linn, im Kultur- und Denkmalausschuss umfangreiche Pläne vor, wie das Gebiet für 1,2 Millionen Euro zu einer anschaulichen Museums-Erlebnis-Landschaft umgestaltet werden soll. Die Arbeiten sollen im kommenden Spätsommer beginnen.

Planbereiche für den Archäologischen Landschaftspark Burg Linn Niedergermanischer Limes. Foto: Museum Burg Linn

Von 800 vor Christus bis 800 nach Christus war das Gelände Militärkastell, römische und fränkische Soldaten, auch Reitereinheiten aus Spanien und dem Donauraum ließen sich nieder. Das Gelände ist das größte erschlossene Gräberfeld nördlich der Alpen. Wenn  Krefeld erst zum Unesco-Weltkulturerbe gehört, dann soll es auch mit besonderen Freizeitangeboten punkten: mit einem Römer-Abenteuerspielplatz, digitalen Möglichkeiten zur Zeitreise, Grillgelände und einer attraktiven Route für Radfahrer.

Jennifer Morscheiser ist zuversichtlich, dass die Welterbe-Bewerbung 2020/21 Erfolg haben wird und der niedergermanische Limes vom niederländischen Katwijk bis Remagen als „Teil IV“ der Grenzen des römischen Reiches anerkannt wird. Dann liegt Krefeld in der Mitte und soll zum zentralen Punkt für die Vermittlung der Frühgeschichte zwischen Köln und Xanten werden.

In Xanten ist der Kastellturm in Stein rekonstruiert. Foto: Bauch, Jana

Zum Gelände, das als Bodendenkmal bereits unter Schutz steht, gehört eine Pferdewiese mit einem Brombeergebüsch. Darunter ist der Kastellturm erhalten, derzeit aber zugewachsen. Der Bereich soll freigelegt werden. Da Bodendenkmäler im Boden am besten geschützt sind, dürfen sie nicht ausgegraben werden. „Wir werden einen Turm exemplarisch hochziehen“, sagt Morscheiser. Vermutlich in einer Stahl-/Glaskonstruktion und nicht in Tuffstein. „Was nicht original ist, muss laut Bestimmung als neu erkennbar sein.“  Auf der Wiese sind mit Laseruntersuchungen aus dem Hubschrauber genaue Höhenmodelle der Landschaft erstellt worden. Das bedeutet, es ist klar, was sich dort vor Jahrhunderten befunden hat. Mit augmented reality (= erweiterte Realität), also einer digitalen Möglichkeit per App eine Szenerie darzustellen, sollen Besucher das Erlebnis einer Zeitreise haben. Der Verlauf des Lagers ist bekannt, der Lagergraben der Römer noch sichtbar, die Hauptstraße, die das Lager durchquerte, ist als Gelleper Straße bis heute erhalten.

Vorbild Archäologischer Park Xanten: Solche Szenerien könnten auff dem Krefelder Spielplatz entstehen. Foto: Bauch, Jana

Die Spitze des Geländes zum Hafenbecken hin ist zurzeit in desolatem Zustand: die Natur verwildert, die steinerne Infoplatte und die Bänke oft Zielscheibe für Vandalismus. Der Bereich soll eingezäunt und kontrolliert werden. Gegen einen Obolus kann er als Grillplatz gemietet werden. Kinder sollen auf einem Spielplatz die  Römerzeit nachempfinden. Kurzum: Es soll um den Krefelder Teil des Limes ein Naherholungsgebiet mit Hecken und Streuobstwisen entstehen.

80 Prozent der Kosten von 1,2 Millionen Euro sollen aus Fördertöpfen kommen, 20 Prozent von der Stadt. „Allerdings davon mindestens zehn Prozent aus Prinzip aus Crowdfunding kleiner Summen“, sagt Morscheiser: Das schaffe Bindung: „Ein Kind, das einen Euro für den Park spendet, wird als Jugendlicher nichts darin zerstören.“ Als Kooperationspartner werden Vereine, Bürger und Universitäten eingebunden.

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