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Krefeld: Ein Zelt soll kleine Theater in der Corona-Krise retten

Kultur in Krefeld : Zelt soll kleine Theater retten

Das Theater hintenlinks gehört zur freien Kultur in der Stadt, die durch den Lockdown existenzbedroht ist. Anuschka und Peter Gutowski machen sich stark für eine gemeinsame Spielstätte für Kreative und einen Krefelder Kultursommer.

Die Idee war aus der Not geboren: Weil Anuschka und Peter Gutowski ihr kleines Theater hintenlinks in der ehemaligen Brotfabrik Im Brahm wegen der Corona-Schutzauflagen schließen mussten, haben sie ein neues Format entwickelt: open air. Und weil das Publikum nicht zu ihnen ins Hinterhoftheater kommen konnte, sind sie damit zu den Zuschauern in deren Garten gegangen – Spektakel an der Gartenpforte: Mit Revue-Ausschnitten aus ihrem Claire-Waldoff- und Berlin-Abend treten die Schauspielerin Anuschka Gutowski und der Musiker Ruslan Maximovski in Gärten und auf Terrassen auf. „Das läuft extrem gut“, sagt Anuschka Gutowski, die auch Geschäftsführerin des THL ist.

Trotz der gelockerten Schutzvorschriften können sie ihr kleines Hinterhoftheater nicht bespielen. Unter normalen Bedingungen bietet es 60 Plätze, von denen aber wegen der Abstandsregeln zwischen Bühne und Publikum ein Teil gesperrt sein muss. Weil auch andere Kulturbühnen für Theater und Musik in dieser Situation stecken, haben die Gutowskis wie berichtet, bei der Stadt  angeregt, eine zentrale Stätte zu schaffen, an der die freie Szene Theater spielen und Musik machen, Lesungen oder Ausstellungen anbieten kann – und in das auch ein lokales Gastro-Angebot eingebettet wird. Was ist daraus geworden?

„Bisher nichts“, sagt Peter Gutowski. „Wir haben hier eine so große Vielfalt an Künsten, an Musik, Puppenspiel. Und selbst unter den schwierigen Bedingungen der Krise waren viele kreativ.“ Seine Frau stimmt zu: „Wenn man Räume schafft und die nötige Infrastruktur, könnte die Stadt dieses Potenzial nutzen. Mit einem bunten Angebot füttert man Jugendliche an, die Kreativen befeuern einander und der Standort Krefeld profitiert. Es gibt keine wirtschaftlich florierende Stadt ohne eine florierende Kulturszene.“

Ihre Idee: Ein großes Zelt auf einem öffentlichen Platz, das die Kultur-Akteure gemeinschaftlich bespielen. Mehrere Jahre haben sie im Sommer das Zelttheater auf der Stadtwaldwiese betrieben – ein Erfolg und ein Markenzeichen. „Dahin kamen auch viele aus der gesamten Region“, sagt Gutowski. Ein Zelt hält er für die bessere Alternative zu einer Halle: „Es ist rund, besser bespielbar, wenn es auf einer Wiese steht vermittelt es Freiheit und Besonderheit. Eine Mehrzweckhalle hat immer den beigeschmack eines Provisoriums. Ein zelt ist ein Magnet, den man nicht unbedingt mit Corona verbindet, eher mit Sommerfestival“, sagt er. Und wenn es sich in diesem Jahr bewährte, könnte eine Idee für ein Krefelder Sommerkulturfestival für kommende Jahre geboren sein.

„Wenn jetzt alle Leute mit ihren kleinen Bühnen auf irgendwelche Ausweichorte verteilt werden, gibt es keine Synergieeffekte. Gemeinsame Werbung und Flyer, gemeinsame Absprachen würden auch die Freie Szene untereinander stärken. Die Stadt könnte helfen – weil sie allen hilft“, meint die THL-Geschäftsführerin. Und: Es gebe die Chance, auch neue Zuschauer zu gewinnen, wer wegen eines Konzerts komme, könnte auch auf den Geschmack an Theater oder Comedy kommen.

Das THL, das mit seinem Corona-Programm inzwischen sogar Buchungen aus Amsterdam hat, kennt Durststrecken. „Ich habe gemerkt, dass unsere Erfahrung mit Existenzängsten uns in dieser Krise einen kühleren Kopf bewahren lässt. Wir sind resilienter“, meint Anuschka Gutowski. Kreativ sei jetzt gefragt; „jemand, der losgeht mit einer Idee, damit andere mitgehen.“ Sie haben in der Krise so viel  Rückhalt des Publikums erfahren, mit dem sie nicht gerechnet hätten. „Toll, dass uns so viele Menschen schätzen.“ Aber die Angst vor dem Herbst lauert. Die Sponsorengelder, die fürs ganze Jahr reichen sollten, werden über den Sommer aufgezehrt. Eine Sommerpause kann sich das Ehepaar nicht leisten. Deshalb geht es auch weiter an den Gartenpforten: „Es sind wunderbare, berührende Begegnungen mit Menschen. Und wir haben tolle Gärten gesehen“, sagt Anuschka Gutowski.  „Wir gehören schon zu denen, die in der Krise auch gewonnen haben.“ Dazu gehört auch ein Förderverein, der sich gerade gründet.