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Krefeld: Ein Pfarrer für eine Kirche im Quartier

Marc-Albrecht Harms verlässt Krefelds Süden : Ein Pfarrer für eine Kirche im Quartier

Marc-Albrecht Harms wechselt im Juli an die Friedenskirche. Er stellt sich damit der Herausforderung, eine Pfarrei zu leiten, die in der Innenstadt auch ein wichtiges Stück Sozialarbeit leisten muss, gerade im Jugendbereich.

Die Zeit in Fischeln und Umgebung ist für Pfarrer Marc-Albrecht Harms zuende. Am gestrigen Sonntag wurde er in der Markuskirche von der Gemeinde verabschiedet. Anfang Juli wechselt er von der Evangelischen Kirchengemeinde Krefeld-Süd zur Friedenskirche, in der er am Sonntag, 4. Juli, ab 12 Uhr von Superintendentin Barbara Schwahn in sein neues Amt eingeführt wird. „Vor langer Zeit wurde ich angesprochen, ob ich Interesse hätte“, erinnert er sich und beschreibt seine neue Aufgabe so: „Dort gibt es eine andere Art von Gemeindearbeit, von kirchlicher Arbeit als in Krefeld-Süd.“ Harms entschied sich für die neue Herausforderung.

Es war eine schwierige Entscheidung. Zahlreiche Fragen gingen dem Seelsorger durch den Kopf. „Was erwartet mich in den nächsten Jahren in Süd? Was könnte mich reizen, die Kirchengemeinde zu wechseln?“ Vor einiger Zeit, sagt er, habe er eine Fortbildung „Kirche im Sozialraum“ absolviert und erklärt: „Durch diese Quartiersarbeit haben sich Türen noch einmal zu einer anderen Art von Kirche geöffnet. Ich habe Vor-Ort-Kirche kennengelernt.“

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In einer Kirchengemeinde gebe es viele Gruppen und Kreise. Sie führten jedoch alle ihr eigenes Leben. Untereinander treffe man sich nur bei besonderen Gelegenheiten und großen Festen. In einem Sozialraum hingegen fänden die Treffen vielleicht in loserem Zusammenhang statt, sprächen aber ganz unterschiedliche Menschen an. „Ich bin der Überzeugung“, sagt Harms, „dass wir als Volkskirche nur bestehen können, wenn wir uns da auf den Weg machen.“ Kirche bringe ein, was sie habe. „Wir haben viele Ressourcen, eine Hauptamtlichenstruktur, viele Ehrenamtliche oder Gebäude“, zählt der Pfarrer auf. „Die Friedenskirche ist schon lange attraktiv und reizvoll mit ihren Angeboten. Der Kulturpunkt strahlt in die Gesellschaft hinein und hat einen guten Ruf.“

So werde Kirche einfach noch ein Stück mehr in die Stadt hineinrücken. „Bei dem, was wir uns vorgenommen haben“, erklärt Harms, „kann das eher gelingen von einem zentralen Ort aus wie Friedenskirche und Alter Kirche als vom Rand her.“ Quartiersarbeit ist dabei wichtig, um den Menschen im Umfeld der Friedenskirche zu helfen. Dafür will das Seelsorger-Team auch auf die Erfahrung der Diakonie Krefeld-Viersen zurückgreifen. „Wir wollen für die Stadt das Beste“, sagt der zukünftige Pfarrer der Friedenskirche.

Geplant ist beispielsweise eine Postkarten-Interview-Aktion. Darin soll gefragt werden, was den Menschen im Quartier fehlt, was sie sich wünschen.  Das kann ein Nähcafe sein, Möglichkeiten zum Sitzen im Freien oder ein Raum zum Treffen in der Kirche.

Krefelds evangelische Gemeinden sind im Wandel. Innerhalb von gut einem Jahr wurden an zentraler Stelle drei neue Personen in Pfarrstellen eingeführt. Mit seinen Kollegen Gerhard Herbrecht an der Alten Kirche und Falk Schöller als Citykirchenpfarrer möchte Marc-Albrecht Harms kooperieren. Bereits Anfang Juni haben Harms und Herbrecht begonnen, Konfirmationsunterricht über Gemeindegrenzen hinweg anzubieten. Der Jahrgang von Alter Kirche und Friedenskirche umfasst 29 Jugendliche. „Das sind keine Zahlen wie am Stadtrand“, meint Harms, „da bin ich doppelte bis dreifache Zahlen gewohnt.“

Die Teilnahme am Unterricht entscheidet sich seiner Meinung nach in der Innenstadt eher auf den Schulhöfen. Die Jugendlichen haben wenig Bindung zur eigenen Gemeinde, die Gemeindegrenzen sind fließend. Immer dienstags ist Konfi-Unterricht in den jeweiligen Gemeinden, gemeinsam zudem an Samstagen, und in den Herbstferien geht es nach Wittenberg.

Sowohl Friedenskirche als auch Alt-Krefeld bieten offene Jugendarbeit an. „Wir versuchen wieder ein bisschen kirchliche Arbeit zu machen“, erklärt Harms. Neben den beiden Pfarrern sind auch Jugendleiterin Konny Gurr und Lehramtsstudentin Monique Schlösser in den Konfi-Unterricht eingebunden.

Über zwölf Jahre war Harms Pfarrer in Krefeld-Süd, zunächst in einer Entlastungspfarrstelle des Superintendenten, später in der eigenen Pfarrstelle. Geboren in Niedersachsen, ist der 52-Jährige aufgewachsen in Gahlen, im Kirchenkreis Dinslaken, an der Grenze zu Westfalen. Nach seinem Theologiestudium in Münster und Bonn war er im Probedienst in St. Tönis und Anrath tätig, dazu noch bei der Telefonseelsorge. Im Anschluss ging er ein Jahr an die Europaschule in Willich. Harms ist verheiratet und hat zwei Töchter.

„Ich möchte mit Menschen etwas im Glauben unternehmen“, begründet Harms seine Berufswahl. „Was schon immer war in den Blick nehmen, weitergeben und Neues ausprobieren. Den Leuten, besonders auch Jugendlichen zeigen: ihr könnt mit neuen Ideen kommen, wir sind offen dafür.“ Dies habe er selbst als Jugendlicher in seiner Gemeinde erlebt: „Normalerweise fand unsere Weihnachtsfeier immer im Gemeindehaus statt. In einem Jahr haben wir gefragt, ob sie nicht in der Kirche stattfinden könne. Die Antwort: Ok, wenn ihr aufräumt. Natürlich kannte das Presbyterium uns, aber sie waren mutig, ihre steinalte Dorfkirche dafür herzugeben. Wir erhielten den uralten Kirchenschlüssel, und es wurden nur wenige Bedingungen gestellt. Es gab auch keine Uhrzeitangabe, wann die Feier am Samstag enden sollte. Klar war uns, am Sonntag um 10.45 Uhr ist Gottesdienst. Bis dahin muss alles aufgeräumt sein. Wir wollten verändern, aber eher evolutionär als revolutionär.“

Wenn Harms jetzt an die Friedenskirche wechselt, hat er etwas Besonderes im Gepäck: „Das Privileg“, einen christlichen Rap-Song, den er 2017 mit seinen damaligen Konfirmanden beim bundesweiten Konficamp in Wittenberg kennengelernt hat. Bei den Konfirmationen in Krefeld-Süd haben die Jugendlichen den Rap als Chor gesungen.

Auch die Konfis von Alte Kirche und Friedenskirche lernen ihn gerade. Beim ersten Konfi-Samstag haben sie ihn bereits gemeinsam gesungen. „Das war ein tolles Erlebnis“, erinnert sich Pfarrer Harms. „Die Stimme von Jungen in dem Alter hört sich ja ganz anders an, durch den Stimmbruch müssen sie sich erst wieder neu orientieren.“ Munsang Hwang, Kirchenmusiker an der Friedenskirche, habe mit den Jungen gesungen, die Konfi-Teamleiterinnen mit den Mädchen. Es ist ein Projekt, das zusammenschweißt.