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Krefeld: Ein Backsteinschlösschen wird modern

Krefeld : Ein Backsteinschlösschen wird modern

Das Haus Schönwasserstraße 50 zeigt, wie sich Denkmalschutz und moderne Wohntechnik verbinden lassen.

Erst stand es nicht gut um das über Jahre leerstehende Haus - jetzt entwickelt es sich zu einem Musterbeispiel, wie man historische Bausubstanz, moderne Technik und zeitgemäße Wohnlichkeit miteinander verbinden kann. Die Rede ist von dem Bockumer Backstein-Schlösschen an der Schönwasserstraße 50, einem der schönsten Beispiele des Krefelder Backsteinexpressionismus. Gerade deshalb ist das Haus für die Krefelder Denkmalbehörde ein wichtiges Projekt: „An diesem Haus zeigt sich, wie man historische Bausubstanz und modernen Wohnkomfort miteinander verbinden kann“, sagt Angelika Witt bei einem Ortstermin mit dem neuen Eigentümer.

Die Details der Sanierung sind mit den Denkmalschützern abgesprochen (wir berichteten), nun ist die Umsetzung sichtbar. Die Sanierung ist weit fortgeschritten, auch wenn es noch nach Baustelle aussieht. Die Backsteinfassade ist saniert; zur Straße hin sind alte Asbestplatten zur Verkleidung verschwunden - die Platten sollten das Mauerwerk gegen Feuchtigkeit schützen, haben aber den Gesamteindruck schwer beeinträchtigt. Was schade war, denn diese Fassade ist wunderbar verspielt, zitiert Giebelhaus-Ästhetik, wie man sie aus dem 16, 17. Jahrhundert und historischen Innenstädten kennt, verrückt aber alles ins Asymmetrische und ist dadurch entschieden modern. Wer zitiert, blickt zugleich zurück und nach vorn. Nun präsentiert sich dieses schöne Stück expressionistischen Bauens, das die Architektur-Historie bürgerlichen Selbstbewusstseins augenzwinkernd zitiert, wieder in voller Schönheit.

 Angelika Witt vom Denkmalschutz mit dem Eigner vor der sanierten Fassade. Die Verkleidung des halbrunden Mauerwerks oberhalb der Fenster ist verschwunden. Das Dach ragt nicht mehr über das Mauerwerk; das helle Gesimsband kommt wieder voll zur Geltung.
Angelika Witt vom Denkmalschutz mit dem Eigner vor der sanierten Fassade. Die Verkleidung des halbrunden Mauerwerks oberhalb der Fenster ist verschwunden. Das Dach ragt nicht mehr über das Mauerwerk; das helle Gesimsband kommt wieder voll zur Geltung. Foto: Dirk Kamp
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Wichtiges Detail im Gesamtbild: Das Dach ist nicht nur erneuert und von innen gedämmt, der Dachvorsprung ist verschwunden, so dass das schöne, helle Gesimsband wieder voll zur Geltung kommt und die Grenze, auf der sich Mauerwerk und Dachaufbau treffen, unaufdringlich zum ästhetischen Ereignis macht.

 Auf der Rücksiete sind die Zier-Balkone wieder hergestellt; sie waren zur Häfte zugemauert.
Auf der Rücksiete sind die Zier-Balkone wieder hergestellt; sie waren zur Häfte zugemauert. Foto: Dirk Kamp

Im Innern zeigt sich, was moderne Technik vermag: Das Haus wird mit einer Fußbodenheizung beheizt. Die Energie kommt aus einer Wärmepumpe, die Erdwärme nutzt. Der Einsatz nachhaltiger Technik ist interessant für sanierungswillige Eigentümer von Denkmälern: Es gibt von der KFW Kredite oder Zuschüsse für den Einbau klimaschonender Technik. Im Flur des Hauses wird eine Deckenheizung eingebaut - dazu wird die Stuckverzierung abmontiert und später wieder aufmontiert. Der Heizeffekt der oben erzeugten Wärme wird durch normale Luftzirkulation garantiert. Im Flur wurde zudem ein Durchbruch wiederhergestellt, der im Laufe der Jahrzehnte zugemauert wurde - mit doppeltem Gewinn. Zum einen ist das Ursprungskonzept wiederhergestellt, zum anderen ist der Flur jetzt heller - der Durchbruch ist dabei verglast, bleibt also optisches Element.

 Die Platten zum Schutz des Mauerwerks oberhalb der Fenster wurden entfernt.
Die Platten zum Schutz des Mauerwerks oberhalb der Fenster wurden entfernt. Foto: Jens Voss

Das erste Obergeschoss ist lichtdurchflutet. Ein Fenster ist als Erkerfenster wiederhergestellt - es war zuvor begradigt worden und bietet nun wieder ein heimelig wirkendes Detail. Das Dachgeschoss ist von innen wärmeisoliert und ausgebaut; das Dachgebälk ist teils offen - ein wunderbarer Raum.

Die Geschichte des Gebäudes ist nicht hundertprozentig bekannt; es fehlt vor allem der Name des Architekten. Bekannt ist, dass es 1928/29 errichtet wurde – in einer Zeit, in der die strenge Formensprache des Bauhauses seinen Siegeszug in die Welt gerade antrat und der Backsteinexpressionismus als quasi gemäßigt moderne Variante urbanen Bauens verbreitet war. Das Haus an der Schönwasserstraße gehört zu den schönsten Beispielen dafür.