Drogenpolitik in Krefeld Drogenhilfezentrum geht an den Start

Krefeld · Das umstrittene Projekt startet nach Monaten der Diskussion und nimmt nun endlich den Betrieb auf. Drogenabhängige können hier konsumieren – und mehr: Duschen, Computer und Hilfsangebote stehen zur Verfügung.

Eine negative Auswirkung auf das Quartier durch das neue Drogenhilfezen­trum (DHZ) an der Schwertstraße solle verhindert werden, betont Ordnungsdezernent Ulrich Cypri­an.

Eine negative Auswirkung auf das Quartier durch das neue Drogenhilfezen­trum (DHZ) an der Schwertstraße solle verhindert werden, betont Ordnungsdezernent Ulrich Cypri­an.

Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Wenn am Montag, 12. März, das Drogenhilfezen­trum (DHZ) an der Schwertstraße offiziell die Türen öff­net, um drogenabhängigen Menschen sichere Bedingungen zum Konsum, in erster Linie aber auch ein Stück soziale Teilhabe zu ermöglichen, dann soll das ein großer Schritt für die Drogenpolitik sein. So zu­mindest ist Hoffnung der Verant­wortlichen um Oberbürgermeister Frank Meyer, die Gesundheitsdezer­nentin Sabine Lauxen und die Mitar­beiter und Verantwortlichen von Betreiber Caritas. Für Meyer ist die Eröffnung dementsprechend ein Freudentag, denn die Institution versetzt die Stadt seiner Ansicht nach in die Lage, die Zustände am Theaterplatz nachhaltig zu verbessern.

„Wenn wir aktuell ordnungspolitisch durch­greifen, dann vertreiben wir die Menschen nur. Das haben wir in der Coronazeit gesehen. Die wahren Op­fer solcher Maßnahmen sind, neben den Betroffenen selbst, die Bürger und Geschäftsleute, bei denen sich das Geschehen dann dezentral vor der Tür abspielt“, sagt er. Mit der nun geschaffenen Ausweichmöglich­keit sei ein anderes Auftreten mög­lich. „Wir werden jetzt nicht Mon­tag mit eisernem Besen agieren, wollen aber schon für einen gewis­sen, stetig zunehmenden Druck sor­gen, von dort an die Schwertstraße zu wechseln.“

Auch dem Quartier solle das DHZ helfen. „Es ist doch Augenwi­scherei, dass jetzt das Ende des Hardenbergviertels besungen wird – meist von den Leuten, die Jahrzehn­telang weggeschaut haben. Richtig ist doch, dass das Quartier nie so sehr im Fokus stand wie jetzt“, be­tont Meyer. Dass die Konsumenten den Schritt zur Schwertstraße mitgehen, davon ist die Leiterin des Zentrums, Ja­nine Sprünken, überzeugt. „Wir hat­ten vor einigen Tagen einen Termin für die sozialpolitischen Sprecher der Ratsfraktionen. Just an dem Tag saß ein Konsument vor der Tür und machte gerade alles für den Konsum bereit. Ich musste ihn dann bitten, zu gehen. Er war sehr verständnis­voll und fragte, was hier passiere. Ich erklärte es ihm und er war be­geistert. ‚Bekomme ich dann auch einen Tee?‘, fragte er. Ich hab das bestätigt und ihm auch erläutert, dass er hier in sauberer Umgebung konsumieren kann. Am Montag, rund drei Wochen später, klin­gelte er und fragte, wann es denn so weit sei. Solche Fälle zeigen mir: Die Menschen werden es anneh­men, sie freuen sich regelrecht auf das Zen­trum“, sagt sie.

Auch Gesundheits- und Sozialde­zernentin Sabine Lauxen ist über­zeugt, dass das DHZ viel bewirken wird. „Wir haben hier in kurzer Zeit viel geleistet. Vor allem das zentrale Gebäudemanagement, das die Räume toll hergerichtet hat. Ich bin überzeugt, auch durch die Leitung durch Frau Sprünken, dass das Zentrum eine ganz wichtige Lü­cke in der Stadt schließen wird“, sagt sie.

Eine negative Auswirkung auf das Quartier solle verhindert werden, wie Ordnungsdezernent Ulrich Cypri­an betont. „Wir werden unsere Prä­senz im Viertel mit dem Ordnungsamt weiter verstärken. Dabei werden wir aber nicht unmittelbar vor dem DHZ stehen, das würde die Menschen nur abschrecken. Vielmehr wollen wir im Umfeld für Ruhe sorgen“, sagt er. Sprünken ist außerdem überzeugt, dass die Polizei ganz automatisch Eindruck macht. „Die Esso-Tankstel­le genau gegenüber ist die Stamm­tankstelle der Polizeiwache an der Hansastraße. Darum ist hier immer viel Präsenz. Auch das wird helfen, Auswüchse gar nicht aufkommen zu lassen“, betont sie.

Die Kommunikation mit den An­wohnern solle stetig ausgebaut wer­den. Am Freitag gab es einen Be­sichtigungstermin nur für geladene Anwohner. „Dabei konnten sie sich ein Bild von den Räumen machen und ich bin überzeugt, dass die meisten mit einem guten Gefühl wieder ge­gangen sind“, betont Sprünken. Mit dem neuen Café Pause will die Caritas auch dazu beitragen, das Straßenbild zu verbessern und den Men­schen einen Weg in die Beschäftigung zu ermöglichen. „Wir haben hier zwei Waschmaschinen und zwei Trockner, außerdem gibt es Duschen. Die Men­schen können hier ihre Kleidung reinigen oder auch tauschen und sich selbst reinigen. Das wird ihnen einen höheren Selbstwert ge­ben und sie wirken automatisch schon anders auf der Straße“, er­läutert sie.

Das DHZ diene zeitglich auch als Postadresse für obdachlose Konsu­menten. Sie können weiterhin freies W-Lan nutzen oder an einem frei zu­gänglichen Computer ihre E-Mails abrufen, nach Stellen suchen oder Unterlagen ausdrucken. „Das ist für sie auch ein Stück soziale Teilhabe. Hier kann nicht gespielt werden oder so etwas, aber Jobsuche ist heute ohne Internet schwierig“, be­tont sie. Parallel sollen Besucher unterstützt werden, wenn es darum geht, Transferleistungen zu bean­tragen. Diese sollen dann allen Be­suchern zur Verfügung stehen. „Auch darum werden wir alle Getränke und Speisen zwar extrem preiswert, aber kostenpflichtig machen. So bekommen sie auch ein Gefühl für normales Wirtschaften“, sagt Sprünken.

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