Krefeld: Drei Haselnüsse für Aschenbrödel im Kresch-Theater

Premiere im Kresch-Theater : Aschenbrödel und die Feinstaub-Allergie

Aschenbrödel in neuem Gewand: Die Premiere des Märchenklassikers verzaubert Kinder und Eltern. Regisseurin Isolde Wabra erfüllt sich mit der Inszenierung den Wunsch, ein Weihnachtsmärchen im Kresch-Theater zu zeigen.

Passend zur Vorweihnachtszeit zeigt das Kresch-Theater in diesem Jahr „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Viele kennen die tschechisch-deutsche Märchenverfilmung von 1973 in- und auswendig, können ganze Textpassagen mitsprechen und tragen den schönsten Ohrwurm des Jahres mit sich herum. Die Bühnenfassung von Uli Jäckle hat Regisseurin und Kresch-Leiterin Isolde Wabra nun mit viel Sinn für Humor in bunten und behutsamen Bildern inszeniert.

Seit ihrem Amtsantritt im Frühjahr 2019 stand für Wabra fest, dass sie die Tradition des Weihnachtsmärchens auch am Kreschtheater etablieren wolle: „Ich bin ein großer Fan von Märchen, und ich glaube, dass Kinder, die Märchen lieben, später auch gerne ins Theater gehen werden“, sagt Wabra und beweist ein gutes Händchen für die Modernisierung des beliebten Kultmärchens.

Der Stoff dürfte den meisten Zuschauern, vor allem den Eltern,  bekannt sein, und die erste Szene des Stücks beginnt klassisch: Aschenbrödel lebt seit dem Tod ihrer Mutter am Hofe der bösen Stiefmutter und wird als Dienstmagd in der Küche festgehalten: „Die Zeiten, als du noch mit deinem Vater durch den Wald reiten durftest, sind vorbei“, raunt ihr die Stiefmutter, sehr überzeugend gespielt von Thekla Viloo Fliesberg, voller Missgunst entgegen. Allem Spott und Tadel zum Trotz stellt sich Aschenbrödel, wunderbar besetzt von Kim Sophie Scheele, schützend vor das Hofpersonal. Überhaupt stattet Wabra die Protagonistin und die zwei Dienstmägde (Emma Joerges und Luana Angona) im Verlaufe des Stücks mit einer großen Portion Mut und Selbstbewußtsein aus.

Zurück am Hofe der Stiefmutter. Zu langsam laufen die Vorbereitungen für den Besuch des Königs. Es herrscht hektisches Treiben am Hofe, und Wabra baut etliche Slapstickmomente in die klassische Szenerie ein, etwa als Vincek (großartig gespielt von David Gerlach, der auch den König verkörpert) mit einem viel zu großen Stapel Teller über die Bühne trottet oder das dumme Dornchen (Lina Maria Spieth, sehr charmant in Doppelbesetzung), Aschenbrödels Stiefschwester, die in keines ihrer feinen Kleider mehr passt und den König schließlich in ihrer Nachtwäsche empfängt.

Und was wäre Aschenbrödel ohne ihre Täubchen? Einfallsreich und besonders nah an den kleinen Zuschauern, lässt Wabra die Tauben zu den heimlichen Protagonisten des Stückes werden. Zwischen Flugangst, Feinstauballergie oder vergessenen Liebesbriefen bringen Lina Maria Spieth und Johann-Christof Laubisch das Publikum andauernd zum Lachen, sie schaffen eine gelungene Brücke zwischen der Märchenwelt und der Gegenwart.

Das Bühnenbild (Frank Andermahr und Nina Klebs) hält den raschen und zahlreichen Szenenwechseln problemlos Stand. In kürzester Zeit wird aus der Küche ein dichter Nebelwald und kurz darauf finden sich die Zuschauer als Gäste im Ballsaal am Hofe des Königs wieder. Besonders gelungen sind die Szenen zwischen dem Prinzen (authentisch von Frank Kleinberg gespielt) und seinem Lehrer Auguste (Johann-Christof Laubisch), heimliche Sehnsüchte, Lebensweisheiten und Liebeskummer werden in schnellen und klugen Wortgefechten verhandelt.

Karten gibt es noch für die Vorstellungen an den Adventssonntagen, 15. und 22. Dezember, sowie am Freitag, 27. Dezember. Diese Vorstellungen beginnen jeweils um 16 Uhr in der Fabrik Heeder, Studiobühne 1, Virchowstraße 130. Foto: Stadt Krefeld/Andreas Bischof

Und obwohl viele wissen, wie das Stück endet, lauscht das Publikum von Anfang bis Ende genau hin, lacht beherzt und applaudiert voller Begeisterung – des Aschenbrödels neue Kleider stehen ihm ausgesprochen gut!

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