Krefeld: Die solidarische Landwirtschaft könnte ein Zukunftsmodell sein.

Krefeld: Solidarische Landwirtschaft : Initiative setzt auf solidarischen Ackerbau

Der Verein Solidarische Landwirtschaft baut auf knapp zwei Hektar Ackerfläche Gemüse in Mehrfelderwirtschaft für seine Mitglieder an.

Seit rund einem Jahr gibt es in Krefeld die Initiative solidarische Landwirtschaft. Dabei betreiben zwei Landwirte im Rahmen eines eigens gegründeten Vereins den Anbau verschiedener Gemüsesorten, Kräuter und anderer Lebensmittel. Die Erträge bringen sie nicht zu einem Markt oder Supermarkt, sondern geben sie an die Menschen, die sich als „Anteilsnehmer“ beteiligen. „Wir betreiben siebenjährigen Fruchtwechsel. Noch probieren wir auch aus, was gut wächst und was nicht. Derzeit haben wir rund 80 verschiedene Lebensmittel im Anbau“, sagt Malte Wegner, einer der beiden hauptverantwortlichen Landwirte. Er ist gelernter Agraringenieur.

Die Lebensmittel werden ständig geerntet. Jede Woche werden die Erträge des knapp zwei Hektar großen Geländes an der Maria-Sohmann-Straße eingebracht und an die Mitglieder verteilt. Diese zahlen pro Monat einen fixen Betrag und bekommen dafür pro Anteil Gemüse für etwa zwei Personen. „Dabei zahlt aber auch jeder das, was er kann. Im Schnitt müssen wir auf rund 80 Euro pro Person kommen, um unsere Kosten zu decken. In einem verdeckten Bieterverfahren gibt jeder an, wie viel er zahlen kann. Dabei gibt es Menschen, die vielleicht nur 60 Euro im Monat zahlen, andere dafür 100, weil sie sagen, dass sie es sich leisten können. Es soll niemandem weh tun“, erläutert Boris Proksch aus dem Vorstand des dahinter stehenden Vereins das Prinzip. Nicht, wer am meisten bietet, bekommt einen Anteil, sondern die Teilnehmer sind fix. „Bislang zahlen die Menschen sogar freiwillig eher mehr. Die Gemeinschaft funktioniert hervorragend“, sagt Proksch.

Die Anteilsnehmer können sich auch sonst einbringen, helfen bei Anbau, Öffentlichkeitsarbeit, Organisation oder mit Rezeptverzeichnissen. Diese sind nötig, denn einige der angebauten Gemüse sind eher unbekannt. Von schwarzem Rettich über Rauke und Pastinake bis zu verschiedenen Kürbissorten reicht die Angebotspalette. Gern wollen die Organisatoren das Prinzip ausweiten. Und zwar in mehrere Richtungen. „Wir würden gern unser Angebot an Waren ebenso vergrößern wie die Zahl der Ernteanteile. Dafür brauchen wir Boden. Unser Traum wäre, dass ein großer Hof sich uns anschließt und wir viele weitere Ernteanteile verteilen können, dazu dann auch eigene Kartoffeln, Möhren, auch Milch, Eier und Fleisch anbieten können“, sagt Proksch.

Kartoffeln und Möhren sind zwar bisher schon in den Kisten, werden aber eingetauscht. Gerade Tomaten werden weit mehr produziert als benötigt werden. Diese werden im Hofladen auf dem nebenan liegenden Heilmannshof verkauft. Dafür bekommen die Solawi-Anteilseigner (Solawi steht für solidarische Landwirtschaft) dann im Austausch eben die Dinge, die auf dem Gelände nicht gut angebaut werden können. „Für Kartoffeln und Möhren sind die Böden hier einfach nicht geeignet“, erklärt Wegner. Der Traum wäre, ein Vollversorger für die Mitglieder zu sein und mehr Teilnehmer zu haben, denn die Warteliste, zu finden unter www.solawi-krefeld.de, ist lang.

Dabei gibt es auch durchaus Diskussionen über das künftige Sortiment. „Unter unseren Ernteanteilsnehmern sind auch ein guter Teil Veganer. Die sind naturgemäß dagegen, dass wir auch tierische Erzeugnisse ins Sortiment aufnehmen. Dafür wird es dann aber auch verschiedene Anteilspakete geben. Es wäre toll, wenn wir unseren Mitgliedern wirklich alles bieten könnten, was sie zum Leben brauchen“, sagt Proksch. Die Gemeinschaft entscheidet über alles, und eins ist sicher: Chemie ist auf den Feldern untersagt. 100 Prozent ökologisch und nachhaltig wird der Anbau in jedem Falle bleiben.

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