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Krefeld: Die Selbsthilfegruppe "Andere Kinder" bietet Hilfen für Eltern an.

Selbsthilfegruppe in Krefeld : Hilfe für Eltern „Anderer Kinder“

Ein Jahr nach ihrem Bestehen kann die Selbsthilfegruppe „Andere Kinder“ ein gutes Resümee ziehen. Die Gruppe stößt auf reges Interesse und möchte gerne einen Informationsflyer herausgeben.

Ein Kind, das auf scheinbar normale Situationen mit ungeheuren Wutanfällen reagiert, das Essen verweigert und das beim Einkaufen in unkontrolliertes Schreien ausbricht. Anrufe aus der Kita, dass das Kind aufgrund unsozialen Benehmens sofort abgeholt werden müsse und immer wieder fragende als auch vorwurfsvolle Blicke von Mitbürgern aushalten zu müssen, weil das eigene Kind nicht normal reagiert – Elena Reit kennt die ganze Palette der Situationen, die ein verhaltensauffälliges Kind mit sich bringt. „Für mich war es anfangs wie ein Spießrutenlaufen, zumal ich gar nicht wusste, was mein Sohn hat. Ich wusste, es stimmt etwas nicht, aber ich wusste nicht was. Bis allein die Diagnose stand, vergingen Jahre. Meine Umwelt war derweil einfach nur der Meinung, ich hätte ein schlecht erzogenes Kind, und es kam immer wieder zu unschönen Szenen, weil Menschen meinten, mich beschimpfen zu müssen“, erzählt Reit.

Ihre eigenen Erlebnisse waren für sie der Auslöser, eine Selbsthilfegruppe ins Leben zu rufen. Sie stieß auf die „Aktion Stiftung Für Menschen in Not“ aus Castrop-Rauxel, dessen Vorsitzender Herbert Schrör ihr den Paritätischen Wohlfahrtsverband in Sachen Hilfe bei der Gründung einer Selbsthilfegruppe empfahl. Reit sprach im Krefelder Begegnungszentrum Wiedenhof vor, wo sich unter anderem die Selbsthilfekontaktstelle des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes befindet, und bekam mit Elke Neuhaus eine kompetente und erfahrene In-Gang-Setzerin an die Seite gestellt.

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Am 4. November vergangenen Jahres fand die Gründung vom „Andere Kinder“-Treff statt. Er spricht Eltern an, deren Kinder durch Verhaltensauffälligkeiten auffallen, angefangen von Autismus bis hin zu ADHS. „Mir ist es einfach wichtig, dass Eltern eine Anlaufstelle haben, wo sie sich austauschen können. Wir sprechen über Probleme, kennen weitere Ansprechpartner und wissen, wo man Hilfe bekommt“, sagt Reit.

Mittlerweile ist die Gruppe auf über 20 Mitglieder angewachsen. Einmal im Monat trifft man sich im Begegnungszentrum. Dazu kommen gemeinsame Aktivitäten außerhalb dieser Treffen. Sei es ein Zoobesuch oder der Besuch eines Spielplatzes. Gerade die Freizeitaktivitäten gestalten sich für Familien, die stark verhaltensauffällige Kinder haben, nicht einfach. „Das Leben ist auf Therapie und Kita bzw. Schule beschränkt. Die Kinder erfahren in diesen Bereichen eine spezielle Betreuung, die es bei anderen Freizeitaktivitäten nicht gibt. Da erlebt man es öfters, dass das eigene Kind nicht angenommen wird, weil der Verein oder die Gruppe keine entsprechende Erfahrung mit solchen Erkrankungen hat und keine Betreuung leisten kann“, sagt Anisa Boukhou-Müller, die selber einen siebenjährigen Sohn hat, der die Symptome von Autismus zeigt, aber noch keine abschließende Diagnose erhalten hat.

Ein reiner Verdacht auf Autismus öffnet aber keine Türen für entsprechende Hilfsangebote. Eltern stehen in diesem Fall wieder alleine da. Daher ist Boukhou-Müller umso glücklicher, dass es eine Selbsthilfegruppe gibt, die als Ansprechpartner fungiert und in der man sich austauschen kann.

Der „Andere Kinder“-Treff möchte indes gerne einen Informationsflyer herausgeben, um noch mehr Eltern anzusprechen, die vielleicht den Weg in die Selbsthilfegruppe nicht finden. „Wir würden im Flyer gerne Ansprechpartner für Anträge und Hilfen als auch Ärzte, die besondere Erfahrungen mit solchen Kindern haben, auflisten. Damit möchten wir betroffenen Eltern einen Leitfaden an die Hand geben“, sagt Reit. Die Selbsthilfegruppe würde dabei gerne mit der Stadt Krefeld kooperieren. Groß war die Freude daher, dass der städtische Beigeordnete für Gesundheit und Soziales das kleine Jubiläumsfest zum einjährigen Bestehen der Gruppe besuchte. Sei dies doch von Seiten der Stadt ein Zeichen von Interesse an der in der Selbsthilfegruppe geleisteten Arbeit.