Krefeld: Die Merkel-kritische Werteunion erklärt ihre Ziele

Kommunalpolitik : „Krefeld ist ein abschreckender Standort“

Der Sprecher der Merkel-kritischen Werteunion erklärt, warum sie erwägt, einen Oberbürgermeisterkandidaten aufzustellen.

Wir sprachen mit Daniel Bruckmann, Sprecher der Werteunion Niederrhein (WUN) rund um den Unternehmer Gerald Wagener, über Ziele der Gruppierung und über die erste Maßnahme eines WUN-Oberbürgermeisters.

Die Werteunion sieht programmatische und personelle Defizite bei der Krefelder CDU und glaubt nicht daran, dass die Partei die Kommunalwahl gewinnen kann. Wo sehen Sie programmatische Defizite?

Daniel Bruckmann Gegenfrage: hat die CDU Krefeld ein Programm oder hebt sie nur den Arm, wenn die SPD zuerst den Arm hebt? Die Werteunion kann weder Strategie noch ein stringentes Programm erkennen. SPD-Parteichef Harry Klaer hatte nicht ganz Unrecht, als er sich über die CDU Krefeld lustig gemacht hat.

Was versäumt das Spitzenpersonal, sprich CDU-Parteichef Marc Blondin? Er hat bei der Landtagswahl sicher seinen Wahlkreis geholt, es gibt in der Partei niemanden, der ihm öffentlich den Rang streitig macht. Was macht er so falsch?

Bruckmann Marc ist ein netter Kerl, aber in der Werteunion glauben nicht wenige, dass CDU Krefeld für ihn – und nicht nur für ihn – die Basis ist, selbst ein löbliches Auskommen mit geringstmöglichem Arbeitsaufwand zu haben. Ein System Schittges reloaded – das fände bei der Werteunion wenig Gegenliebe. Schauen Sie sich doch die Ergebnisse der Krefelder CDU bei Wahlen an. Unter Marcs Führung ist die CDU Krefeld – aus Sicht der meisten Werteunion-Unterstützer - kein ernstzunehmender Player mehr.

Die Werteunion hat erklärt, eine eigene WUN-Liste oder ein eigener Oberbürgermeisterkandidat würden das bürgerliche Lager nicht spalten, sondern verlorene CDU-Wähler mobilisieren. Ist das nicht illusorisch? Vielleicht gewinnen Sie ein paar Konservative, aber es wären doch zwei Listen und zwei Kandidaten.

Bruckmann Zunächst warten wir ab, wie unsere Mitglieder und Unterstützer sich entscheiden. Ihr Votum ist für uns bindend. Wir glauben schon, dass wir – wenn wir antreten – die Wähler zurückgewinnen können, die jetzt nicht zur Wahl gehen, weil sie sich zwar mit der gegenwärtigen CDU nicht identifizieren können, aber auch die AfD ablehnen. Insofern profitiert die CDU schon indirekt.

Die AfD gilt auch als Sammelbecken für enttäuschte CDU-Wähler. Haben Sie nicht Sorge, dass man die konservative WUN als AfD-Abklatsch angreift? Wie wollen Sie sich von den Rechtspopulisten abgrenzen?

Bruckmann Wir müssen uns gar nicht abgrenzen, die AfD in Krefeld ist kein Faktor, und überregional disqualifiziert sie sich regelmäßig selbst.

Wie will WUN die Oberbürgermeisterwahl gewinnen? Hilfreich wäre ein charismatischer Kandidat. Ist der in Sicht?

Bruckmann Ja, wobei es ja doch auch eine Kandidatin sein kann. Wenn unsere Mitglieder und Unterstützer sich für eine eigene Liste entscheiden, können sie sicher sein, dass wir uns die beste Unterstützung holen werden, die am Markt zu haben ist.

Welche Hauptziele würde sich WUN im Kommunalwahlkampf auf die Fahnen schreiben?

Bruckmann Unser zentrales Thema würde eine Gewerbesteuerreform sein. Teile der Krefelder Politik malen sich die ökonomische Lage rosarot und täuschen sich und die Bürger. Die gegenwärtig etwas verbesserte Lage ist allein höheren Bundes und Landesumlagen geschuldet, was wiederum an der boomenden Wirtschaft in Deutschland liegt. Krefelds Politik feiert sich für diese Mehreinnahmen zu Unrecht. Krefeld ist nach wie vor ein abschreckender Standort für gewerbesteuerpflichtige Unternehmen. Wir möchten Politik für Leistungserbringer. Das schafft Wohlstand.

Was müsste aus Ihrer Sicht im Rathaus so ganz anders laufen; was würde ein Werteunion-Oberbürgermeister als erstes ändern?

Bruckmann Gerald Wagener hat mir erzählt, der Kaffee bei Frank Meyer sei grausam. Ein gute, italienische Kaffeemaschine würden wir selbst kaufen und installieren.

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