Krefeld: Die Lukaskirche in Gartenstadt soll aufgegeben werden

Kirche in Krefeld : Gartenstädter Christen rücken zusammen

Die Evangelische Lukaskirche in Gartenstadt soll aufgegeben werden. Der Plan ist, die katholische Zeltkirche mit dem Oscar-Romero-Haus der Piusgemeinde in der Platanenstraße gemeinsam zu nutzen.

Die damals sechsjährige Rike Stettien stellte in einem der Kindergottesdienste der Lukaskirche in Gartenstadt auf einer in kindlicher Unbefangenheit gefertigten Zeichnung die geschwisterliche Verbundenheit der evangelischen Lukasgemeinde und der katholischen Piusgemeinde dar. Die katholische Zeltkirche und die evangelische Lukaskirche, im Gartenstädter Volksmund „Sprungschanzenkirche“ genannt, haben sich an den Händen gefasst und winken den Menschen fröhlich zu. Bei aller Unterschiedlichkeit war Ökumene in Gartenstadt immer schon ein großes Thema, vieles organisieren die beiden Gartenstädter Gemeinden gemeinsam.

Jetzt wird sich zeigen, wie weit das in Jahrzehnten gewachsene christliche Miteinander trägt. Trotz ihres von dem nach außen geöffneten Innenhof geprägten einladenden Erscheinungsbildes weist die erst 60 Jahre alte Lukaskirche starke Baumängel auf. Die drei Glocken des markanten Glockenturms sind im kirchenraum ausgestellt. Der Turm gab den Pendelbewegungen des Geläuts so stark nach, dass er eine Gefahr für die Umgebung darstellte. Er benötigt eine neue, breitere Fundamentierung oder müsste zurückgebaut werden. Ein möglicher Neubau des Turmes übersteigt die finanziellen Möglichkeiten der auf rund 2000 Mitglieder abgeschmolzenen Gemeinde. Nach 2007 haben Sanierungsarbeiten an den maroden Dachträgerpfeilern, Fenstern und elektrischen Anlagen stattgefunden.

Auch bei den katholischen Nachbarn verschlingt die Unterhaltung der Zeltkirche Pius X und des Oscar-Romero-Hauses immer mehr Mittel. „Es ist kein Zufall, dass vor dem Hintergrund der aufwändiger werdenden Unterhaltung der beiden den Krefelder Stadtteil prägenden Kirchenzentren das ökumenische Projekt an Fahrt aufgenommen hat. Ich beobachte, dass die Menschen eine Aufteilung in evangelische und katholische Christen nicht mehr nachvollziehen“, sagt Christoph Tebbe, Pfarrer der Lukaskirche. „Ein christliches Gemeindezentrum in einem Stadtteil wie Gartenstadt finde ich überzeugend.“

Die Idee ist, die Lukaskirche aufzugeben und die katholische Zeltkirche mit dem Oscar-Romero-Haus der Piusgemeinde in der Platanenstraße gemeinsam zu nutzen. Seit 1994 existiert „Das gemeinsame Haus“ an der Alte-Rather-Straße als überkonfessionelles Zentrum, in dem vom Gottesdienst bis zur Krabbelgruppe bis heute ein auf die Gemeindemitglieder zugeschnittenes breites Angebot vorgehalten wird. Eine bereits in Mettmann benutzte juristisch auf Gartenstadt zugeschnittene Vertragsplattform liegt inzwischen der Aachener Bistumsverwaltung und dem Presbyterium der Lukaskirche zur Entscheidung vor. Stimmen die Gremien zu, dann wäre dies innerhalb kürzester Zeit neben der katholischen Kirche Mariä Himmelfahrt der zweite Fall der Entwidmung eines erst 60 Jahre alten Kirchengebäudes. „Eine Kirchengemeinde ist die Gelegenheit, die im Menschen angelegte religiöse Dimension des Lebens gemeinschaftlich wahrzunehmen“, sagt PfarrerTebbe, „Die Bibel liefert die Grundlage für die Gemeinde, den Gedanken der Nächstenliebe zu konkretisieren.“

Die kinderreichen Familien, die die aus dem ehemaligen Bockumer Flugfeld entstandene Gartenstadt vor 60 Jahren besiedelten, sind alt geworden, ihre Kinder sind häufig nicht vor Ort geblieben. „Damals in den 60ern hatten wir über 50 Konfirmanden, heute sind es etwa zwölf bis 15“, erklärt Pfarrer Christoph Tebbe.

Gerade erst hat die Gemeinde den Kindergottesdienst eingestellt, dessen kreativer Ablauf über die Gemeindegrenzen bekannt war. An dessen stelle treten ganztägige Kinderbibeltage an mehreren Samstagen im Jahr. Neue musikalische Wege werden auch mit dem „Klangvollen Gottesdienst“ geöffnet. An jedem zweiten Samstagabend im Monat sollen Folk, Rock und Balladen musikliebendes Publikum in den Gottesdienst locken. Flankiert wird die Öffnung in eine sich wandelnde Gesellschaft von Bibelarbeitsangeboten für Drittklässler und Achtklässler im Rahmen des Konfirmandenunterrichts.

Mehr von RP ONLINE