Krefeld: Die Kamelle-Trends

„Tornado Twist“ und „Crazy Beans“: In Krefeld gibt es jetzt eine Messe für jeckes Wurfmaterial

Geschmack und Flugeigenschaften sind wichtig für Wurfmaterial bei Karnevalszügen. In Krefeld fand die erste Messe dafür statt.

Sie haben so vielversprechende Namen wie „Tornado Twist“, „Crazy Beans“ oder „Bunte Speckbälle“: Am Mittwoch hat das Team des Großhandelsunternehmens Metro Krefeld in der Brauerei Königshof Kamelle-Trends für die kommende Session vorgestellt. Mehr als 20 Karnevalsvereine der Region nutzten auf Einladung des Comitee Crefelder Carneval (CCC)  die Gelegenheit, sich bei dieser ersten Karnevalsmesse ihrer Art überhaupt über Neuheiten aber auch Klassiker des bunten Wurfmaterial-Markts zu informieren. Präsentiert wurden rund 250 Artikel, eine Auswahl aus dem rund 2500 Artikel zählenden Karnevals-Sortiment der Metro. Für jeden Verein gab es zum Probenaschen und -werfen eine prall gefüllte, bunt gemischte Tüte sowohl aus dem Food als auch dem Non-Food Bereich.

Das Krefelder Prinzeenpaar Andreas II. und Claudia II. (Dams) haben die Messe für Wurfmaterial besucht und sich einen Einruck vom Angebot verschafft. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Auch das Krefelder Prinzenpaar Andreas II. und Claudia II. (Dams) verschaffte sich einen Überblick. Während Andreas II. sich als Schokoriegel-Fan outete, verriet Prinzessin Claudia II., Fan der klassischen „Kiosk-Ware“ zu sein, sprich „Mäusespeck“, „Schleckmuscheln“ und alles, was in die so genannte bunte Tüte gehört. Dass die Schleckmuscheln mit klassischem Fruchtbonbon-Geschmack dieses Jahr erstmals als Neuheit im Metro-Karnevalssortiment zu finden sind, ist aber Zufall. Auch der neue Tornado-Twist könnte nach dem Geschmack der Prinzessin sein: Nach Art des Mäusespecks sind beim Tornado Twist vier verschiedenfarbige Stränge Zuckerschaum verzwirbelt. Frei nach Loriot (im Film-Klassiker Pappa ante Portas) lässt sich bei der Probe-Verkostung feststellen, dass der Geschmack sich am besten beim „abwechselnden Kauen und Lutschen“ entwickelt – und wohl eher was für hart gesottene Fans der Geschmacksrichtung „süß und etwas künstlich“ ist. Im Abgang entwickelt sich die Konsistenz des Tornado-Twists ins leicht Glibberige.

Die „Bunten Speckbälle“ aus Zuckerschaum haben bessere Flugqualitäten, sie riechen nach Vanille-Melone. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Wichtig bei der Auswahl des Wurfmaterials sind aber nicht nur Aussehen und Geschmack, sondern auch die Flug-Eigenschaften, berichtet Metro-Betriebsleiterin Alexandra Reuther, Fachfrau für alle Fragen rund um das Karnevals-Sortiment. Unser Test ergibt: Der Tornado-Twist ist aufgrund seines geringen Gewichts und länglichen Formats eher für die „Nahwurfzone“ geeignet. Die „Bunten Speckbälle“, ebenfalls aus Zucker-Schaummasse, haben etwas bessere Flugqualitäten, ein  Geruchstest lässt Vanille-Melonengeschmack erahnen – und den Mut zum Reinbeißen schwinden. Die Schleckmuschel ist lecker, schwerer und fliegt eleganter und weiter. Gewisse Vorsicht ist geboten: Die Bonbon-Füllung bricht beim Aufprall auf den Boden leicht aus der Muschel. Und: Kopftreffer mit der harten Muschel könnten schmerzen. Somit eignet sie sich eher zum Heruntergeben vom Wagen.

Mit den süßen Flöten kann man nicht flöten! Es sind Bonbons aus Traubenzucker und sie schmecken recht lecker. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Das Zusammenstellen von Wurfmaterial für die Mottowagen ist sowieso eine Wissenschaft für sich, berichtet Reuther. Die Mischung aus Kamelle zum Werfen und Heruntergeben müsse stimmen. Das Wurfmaterial sollte einen guten Streu-Effekt sowie gute Flugeigenschaften haben. Und: Die Menge muss stimmen, um für den Krefelder Zugweg von rund sechs Kilometern genug Volumen zu haben. Heißt konkret: Im Idealfall berechnen die Vereine, wie viel Material sie pro Wagen oder Fußgruppe pro Kilometer benötigen.

Der Tornado-Twist ist aufgrund seines geringen Gewichts und länglichen Formats eher für die „Nahwurfzone“ geeignet. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)
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Und schließlich müssen die Karnevalsvereine natürlich die Kosten im Blick behalten. Kleine Vereine geben 500 bis 1000 Euro für Wurfmaterial aus, bei großen Organisationen wie dem CCC gehen die Summen durchaus in den fünfstelligen Bereich, berichtet Reuther.

Die Schleckmuschel schmeckt nach Fruchtbonbon und fliegt weit. Aber: Die Bonbon-Füllung bricht beim Aufprall auf den Boden leicht aus der Muschel. Und: Kopftreffer mit der Muschel könnten schmerzen. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Der beliebteste und am häufigsten verkaufte Artikel ist übrigens Popcorn. Nach Erfahrung der Metro-Verkaufsprofis wird in Krefeld pro Session eine Lkw-Ladung Popcorn  unters närrische Volk gebracht. Das sind, sagt Metro-Geschäftsleiter Udo Höfer, rund 33 Paletten. Das habe sicherlich auch damit zu tun, dass Popcorn relativ preiswert ist, denn eine Tüte kostet nicht einmal fünf Cent.

Bis Ende Januar/Anfang Februar haben die Karnevalsvereine Zeit, ihre Bestellungen zu platzieren. Der Metro-Geschäftsleiter betont, dass alle Vereine die Möglichkeit haben, eine Einkaufskarte für das Großhandelsunternehmen zu bekommen.

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