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Krefeld: Die Jecken sind wieder außer Rand und Band

Gefüllte Spendenbüchsen : Die Jecken sind wieder außer Rand und Band

Ausverkaufte Säle und begeisterte Narren bei den Sitzungen der „GKG Mösche Männekes“ und der „Gesellschaft Creinvelt“.

Premieren bei der großen Prunksitzung der GKG Mösche Männekes: Erstmals vereinten sich die Gäste des ausverkauften Seidenweberhauses zum Mösche-Chor und sangen mit Inbrunst den Refrain des neuen Mösche-Lieds mit, das Jochen Butz dem Verein jüngst anlässlich seiner Ernennung zum Ehrenmitglied geschenkt hatte. Vielleicht der Beginn einer neuen Tradition? Butz selber hatte auf der großen Bühne zauberhafte musikalische Unterstützung: Seine Enkelkinder und seine Tochter begleiteten ihn auf ihren Musikinstrumenten. Die rund 900 kostümierten Jecken konnten den anrührenden Auftritt gut verfolgen. Denn – und das war die zweite Premiere – alle Auftritte wurden über die große Videoleinwand übertragen.

Los ging es aber mit dem stimmungsvollen Einzug des Krefelder Prinzenpaares Dirk I. und Marita I., begleitet von schmissiger Musik mit „Gut Schlag“, der Prinzengarde und der Westgarde sowie den in Rot und Weiß uniformierten Mitgliedern der Mösche Männekes. Sitzungspräsident Andreas Jörissen, der in gewohnter Manier durch den Abend führte, hatte die Lacher auf seiner Seite: Gleich zu Beginn berichtete er, er sei in seiner Bewegungsfreiheit leicht limitiert, weil seine Ornats-Hose „plötzlich“ zu eng geworden sei, kurzfristig geändert werden musste und daher drohte, herunter zu rutschen. Die Cover-Band Kaschämm heizte die Stimmung im, wie Dirk I. es nannte, „Gürzenich von Krefeld“ weiter an, spielte Karnevals-Ohrwürmer, angefangen mit „Stadt mit K“. So war der Boden bereitet für Bauchredner Tim Becker mit seinem sprechenden Donut. Der berichtete von seinen Verwandten auf der ganzen Welt: „Teig Ling“ in China, „Donatella Versace“ in Italien und dem Mutterland des Donuts: „Donut Trump“ in den USA: Außen fettig, innen hohl.“ Einer der Stimmungs-Höhepunkte war der Auftritt des trompetenden und singenden Clowns Bruce Kapusta. Mit Leichtigkeit schaffte der Entertainer es, die Jecken zum Toben zu bringen. Er mischte sich unter die Gäste und spielte in der begeisterten Menge stehend auf dem Tisch. Weiter ging es mit „Ne Knallkopp“ alias Dieter Röder, der dem Publikum mit seinem staubtrocken dargebotenen Gag-Feuerwerk der Witze keine Zeit zum Verschnaufen ließ, „Echte Fründe“, Christian Pape, der Tanzgarde Colonia Rut Wies, „Druckluft“ und „Hätzblatt“.

Applaus gab es für den Einsatz von Gabi Leigraf. Nach Berichterstattung unserer Redaktion über die Sorge Leigrafs, dass die Spendenbereitschaft für „Essen auf Rädern“ angesichts der Zoo-Katastrophe leiden könnte, habe es viele positive Reaktionen gegeben, berichtet sie. „Ich habe es zum ersten Mal erlebt, dass die Leute sich für unsere Arbeit bedankt haben.“ Die Spendenbüchsen seien – nicht nur bei der Sammlung bei den Mösche - genauso gut gefüllt, wie in den Jahren zuvor.

Mit dem diesjährigen Motto „Hauptsaak es, die Richtung stemmt!“ hat  die nunmehr 93 Jahre junge Gesellschaft Creinvelt für die kommenden Jahre die Richtung ihres Kompasses bestimmt. Zwischen den Symbolen der Gesellschaft, dem auf krieewelsche Traditionen verweisenden Webstuhl und der neu hinzugekommenen Spottdrossel wird das hausgemachte Programm mit „Kabarett im Karneval“ scharf gewürzt. Die Stadtindianer-Frisur des als Punk in den vollbesetzten Saal des Parkhotels Krefelder Hof einziehenden Sitzungspräsidenten Georg „Schorsch“ Rupp unterstrich den neu gewonnenen Abstand zu bloßer karnevalistischer Krieewel-Gefühlstümelei. Traditionell beginnt eine Creinvelt-Sitzung mit dem Einzug von Rat und Aktiven, gefolgt vom diesjährigen Krefelder Prinzenpaar Prinz Dirk I. und Prinzessin Marita I.

Die Pink Propellers überzeugten nicht nur durch durch ihren Gesang, sondern auch durch ihre fantasievolle Verkleidung als Bäume, die zum Stadtwaldhaus gingen, um während der Trockenheit des vergangenen Sommers einen zu trinken. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Dann schlug die Stunde des Creinvelt-Nachwuchses. Die Spouljonges Simon Arens und Dominik Schramm machten sich daran,  die Geheimnisse Krefelds zu entschleiern. Was sie hinter dem Bleichpfad-Hochhaus, dem Seidenweberhaus und dem Grotenburg-Stadion entdeckten, reizte die Gäste zu Lachstürmen. Creinvelt-Troubadour Charlie Nießen forderte, endlich Sonnenschein in das vergammelnde Bad an der Neusser Straße zu lassen. Die Rolle der Spottdrossel übernahm der Sitzungspräsident persönlich. In scharf konturierter Sprache streifte Schorsch Rupp durch die vielen selbstverschuldeten Krefelder Baustellen, um in dem Satz zu enden: „Das Gehirn ist doch keine Seife. Es wird nicht weniger, wenn man es benutzt.“

Höchst beliebt sind die drei Damen, die nach Dieter Lorenzen als im Himmel bei Petrus gelandeter Engel auftrat, der auch Freunde in der Hölle besaß. Diesmal weilten sie bei Toni, dem internationalen Frisör. Beim Blättern in den ausgelegten Zeitschriften kamen sie auf einen Besuch im Berliner Reichstagsgebäude zu sprechen: „Ech schön, wat die en de Zone jemacht han. Äwwer wozu hant die dann soon Kuppel en de Bundestag?“ „Häst du ens ne Zirkus met nem Flachdach jesieen?“ Rüdiger Koch, Claus Neuwirth, Rainer Neuwirth und Achim Sonnat als herrlich aufgedonnerte Damen und leicht tuntiger Frisör wurden wieder und wieder von lautstarker Heiterkeit der Gäste unterbrochen.

Mit dem locker-witzigen Auftritt von Tristan Jakubczyk zeigte Creinvelt, dass fähiger Nachwuchs in Sicht ist. Passend zur Stunde, in der sich das Vereinigte Königreich von der EU zurückzieht, gingen Wilhelm Havermann als Europa und Stephan Schwalbach als britischer Brexiteer noch einmal wehmütig das Für und Wider gesanglich durch. Auf Thomas Gierschmann und Hans Kolder mit ihrem neu aufgelegten Blick aus dem Fenster auf das, was die Nachbarschaft so treibt, folgte Spouljong Maximilian Derks mit seinem zur Gitarre gesungenen intelligenten Sprachsalat.