Krefeld: Die CDU trägt die Sanierung des Stadthauses nicht mehr mit

Krefeld : Aus für Stadthaus-Sanierung – Theaterplatz nun Favorit

Das Ringen um die Stadthaus-Sanierung hat sich zugespitzt: Laut CDU überschreiten die Kosten die 100-Millionen-Euro-Marke. Favorit jetzt: ein Neubau auf dem Theaterplatz.

Die CDU-Ratsfraktion sieht keine Chance mehr für eine Sanierung des Stadthauses zu vertretbaren Kosten. Nach neuen CDU-Informationen werden die Kosten die 100-Millionen überschreiten. „Die CDU-Ratsfraktion hat sich aufgrund aktueller Informationen über die zu erwartende Kostenexplosion von erkennbar über 100 Millionen Euro gegen die Sanierung des Stadthauses entschieden. Wir ziehen schweren Herzens die Reißleine und müssen uns vom Stadthaus als Heimat der Verwaltung verabschieden“, erklärte gestern CDU-Fraktionschef Philibert Reuters. Die CDU favorisiert als neuen Standort für ein technisches Rathaus den Theaterplatz.

Die SPD will den Schritt noch nicht mitgehen und die offizielle Stellungnahme des Landschaftsverbandes zu der neuen Ausschreibung der Stadt mit geänderten Parametern abwarten. Um welche neuen Informationen es geht, wollten weder SPD noch CDU sagen. Zu vermuten ist aber, dass es um die angekündigten neuen Gespräche zwischen Stadt und den Denkmalschützern vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) geht. Offenbar gibt es nach diesen Gesprächen keine Hoffnung mehr auf ein rasches und gründliches Einlenken des LVR in Sachen Stadthaus. Bekanntlich bestehen die LVR-Denkmalschützer auf Substanzerhaltung und weitere Prüfungen über die Sanierungsmöglichkeiten, die die Krefelder Politik aus Kostengründen nicht mehr mittragen will.

Die SPD zeigte gestern Verständnis für die CDU-Reaktion, mochte den Schritt aber noch nicht in der Schärfe mitgehen. „Wir wollen erst die offizielle Stellungnahme des LVR abwarten“, erläuterte SPD-Ratsherr Jürgen Hengst auf Anfrage. Er ließ aber keinen Zweifel daran, dass auch die SPD eine Kostenexplosion nicht mittragen würde. „Irgendwann kann man den Bürgern nicht mehr erklären, was sie eigentlich alles bezahlen sollen.“ Für den Fall eines Ausstiegs aus der Stadthaussanierung favorisiere auch die SPD nach heutigem Stand den Theaterplatz als Standort für einen Rathausneubau, erläuterte Hengst. „So würden wir das Seidenweberhaus-Problem lösen“, sagte er.

Auch der Krefelder Einzelhandel würde sich diese Lösung wünschen. „Wenn das technische Rathaus in die Stadt käme, würde das für die Innenstadt einen Sprung nach vorn bedeuten“, sagte Christoph Borgmann, Vorsitzender der Krefelder Werbegemeinschaft, und sprach von einer „historischen Chance“. „Ich würde noch weiter zuspitzen. Wenn ich die Wahl hätte zwischen einem technischen Rathaus mit 500 Mitarbeitern und einer Veranstaltungshalle würde ich lieber das Rathaus wählen als eine Veranstaltungshalle, bei der die Gäste abends anfahren.“ Borgmann spielt damit auf die Erfahrung an, dass Veranstaltungshallen wenig bis gar nichts zur Besucherfrequenz in Innenstädten beitragen, eben weil Besucher abends gezielt kommen und auch wieder gehen. Die Citys aber brauchen tagsüber Besucher.

CDU und SPD teilen diese Auffassung. „Mit einem Verwaltungszuhause direkt in der Innenstadt erwarten wir nicht nur eine bessere Kommunikation innerhalb der Verwaltung, sondern auch positive Effekte für den Einzelhandel sowie einen städtebaulichen Impuls für die Innenstadt“, erklärte dazu CDU-Ratsherr Jürgen Wettingfeld. Die CDU betont, dass damit noch keine Vorentscheidung für das Kesselhaus als neue Veranstaltungshalle verbunden ist.

Für das Stadthaus gibt es offenbar private Interessenten. Dies geht aus einem Satz von Wettingfeld hervor: „Unsere Gespräche haben gezeigt, dass es durchaus Interesse von privaten Investoren gibt. Hiervon hat auch die Verwaltung Kenntnis.“

Dem Vernehmen nach hat in früheren Jahren etwa der Salvea-Investor Wolfgang K. Hoever, der die Kaserne und das Offizierskasino an der Westparkstraße vorbildlich restauriert hat, Interesse daran angemeldet und die Vision von einem Konsortium von Krefelder Unternehmern skizziert, die das Stadthaus als bedeutendes Stück Krefelder Architektur für die Stadt retten wollten. Als denkbare Interessenten zu nennen sind auch Wolf-Reinhard Leendertz, der mit viel Leidenschaft den „Mies van der Rohe Business-Park“ aufgebaut hat, oder der Unternehmer Jan Kleinewefers. Auch er ist dem Typ nach jemand, der nicht aufs schnelle Geld schielt, sondern aus dem Bewusstsein handelt, etwas für die Stadt zu tun. Private Investoren können schneller und deutlich kostengünstiger agieren als die Stadt mit ihren umständlichen Ausschreibungszwängen.

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