Krefeld: Diana Beser aus Linn züchtet Brieftauben

ein außergewöhnliches Hobby : Die Taubenflüsterin von Linn

Brieftauben gelten als Rentnerhobby, ihre Zucht wird von Tierschützern bekämpft, das Hobby ist zeitaufwändig und kostet Geld. Doch Diana Beser kann sich nichts Interessanteres vorstellen.

Das Menü besteht aus Sonnenblumenkernen, verschiedenen Samenarten, Erbsen und Reiskleie, vermischt mit würzigem Anis. Diana Besers 150 Zuchttauben leben nicht schlecht in den drei Taubenschlägen in Besers geräumigem Garten, in denen Männchen, Weibchen und Jungvögel getrennt untergebracht sind. Unter rund 300 verschiedenen Fressmischungen kann die Züchterin auswählen, hinzu kommt noch Spezialfutter zur Gesunderhaltung der Tiere. „Am begehrtesten sind Erdnüsse“, bemerkt Beser schmunzelnd.

Die 43 Jahre alte blondhaarige temperamentvolle Angestellte züchtet Brieftauben mit Leidenschaft. Wer dies tut, muss nicht nur gegen Taubendreck und Taubenhasser immun sein, sondern braucht auch Zeit und Geld. Zu ihrem Hobby kam Beser durch ihren Vater, der wiederum durch seinen Vater für die Brieftaubenzucht gewonnen wurde. Besers Sohn hilft immer mal wieder aus, wenn Mutter verhindert ist. Das Hobby des Achtzehnjährigen ist aber der Handball, für den er sich gerade zum Schiedsrichter ausbilden lässt.

Das Halten von Brieftauben ist anspruchsvoll. Beser gibt einen vierstelligen Betrag im Jahr allein für Futter aus. Im Sommer muss sie früh aufstehen, um sich noch vor ihrer Arbeit um das Wohlergehen ihrer Tiere zu kümmern. Im Schnitt sind es drei Stunden am Tag, die sie für die Pflege ihrer Tauben aufwendet. Daneben arbeitet sie als Presseobfrau für die in Linn an der Westpreussenstraße 7 beheimateten Brieftauben-Reisevereinigung Krefeld, zu der sich die Brieftaubenzüchter zwischen Duisburg und Meerbusch zusammengeschlossen haben. Das geräumige Standquartier haben die Züchter mit eigenen Mitteln und großen Arbeitsaufwand 1980 erstellt. Es verfügt sogar über einen geräumigen Ladegraben, um den vereinseigenen Reisetaubenbus optimal beladen zu können.

Brieftaubenzucht gilt als Rentnerhobby. Beser sieht das keineswegs so. Tauben sind für sie einzigartige Geschöpfe, die sie als sehr anhänglich beschreibt. Wenn man sich intensiv mit ihnen beschäftigt, lesen sie sogar menschliche Stimmungen in den Gesichtern ab, ist sich Beser sicher. Die Tauben fliegen in solchen Fällen auf die Hand, wenn Menschen Trost brauchen.

Der Kern des Brieftaubensports ist das Reisen. Die Tiere werden auf Ausdauer, Zähigkeit und Schnelligkeit gezüchtet. Reisesaison der Altvögel – dies sind alle Brieftauben, die einjährige oder älter sind – sind die Monate April bis Juli. Danach beginnt die Reisesaison der Jungvögel. Während Altvögel schon mal zu einem 600 Kilometer weit gelegenen Auflassungsort reisen, sind die Anforderungen an die noch unerfahrenen Jungvögel geringer. Für beide Gruppen gilt: Stimmen Wetter, Temperatur, Thermik, Wind und Sichtweiten, gibt der Flugleiter dem Taubenbusfahrer das Signal, die Transportklappen zu öffnen, und mehrere Hundert Brieftauben fliegen mit mehr als 100 Stundenkilometern ihren Heimatschlägen zu, wobei sie sich am Sonnenstand und dem Magnetfeld der Erde orientieren. Vor der Reise wurden die Tiere mit Hilfe eines Fußringes elektronisch erfasst. Bei ihrer Rückkehr landen sie auf einer digitalisierten Metallplatte, die die Ringnummer und die Ankunftszeit automatisch erfasst und an ein PC-Programm weitergibt.

In diesem Jahr beteiligt sich Beser nicht an den Wettflügen. Im Frühjahr ist ein Drittel der Tauben nicht zum Schlag zurückgekehrt. „Für die Tauben wird die Orientierung immer schwieriger infolge des sich verdichtenden Strahlensmogs durch Digitalgeräte. Aber auch Sperber, Wanderfalke und Habicht setzen den Tauben zu. Diese kleinen Raubvögel sehen in Tauben eine Delikatesse, denn sie wurden als Jungvögel mit Taubenbrut gefüttert. Besonders in waldreichen Regionen setzt eine große Population an Greifvögeln den Tauben zu. Der Angriff eines Greifvogels kann eine in Panik geratene Brieftaube weit vom Kurs abbringen.

Eine andere Gefahr vermutet Beser in Taubenzüchtern, denen verirrte Brieftauben zufliegen. Sie machen, wie es der Anstand eigentlich erfordern würde, keine Meldung an den Entsender der Taube, sondern behalten sie, um den Genpool ihres Schlages zu erweitern. Für diese Fälle hat Beser am zweiten Bein der Brieftaube einen weiteren Ring befestigt mit der individuellen Registriernummer der Taube, Besers Telefonverbindung und der Aufforderung: „Fund bitte melden. Ich hole das Tier umgehend ab.“

Militante Tierschützer sind die letzte Gruppe, die Taubenzüchter in Rage versetzt. Diese halten gefundene Reisetauben grundsätzlich zurück, um sie vor der Ausbeutung der Züchter zu schützen. Neben dem kriminellen Delikt der Unterschlagung hält Beser auch das hartnäckige Gerücht, Züchter würden zu langsame Tauben als nutzlos töten, für eine schlimme Unterstellung. Der Verband Deutscher Brieftaubenzüchter verfolgt derartige Taten strafrechtlich. Auf der Verbandshotline www.brieftaube.de gibt es einen Link „Taube gefunden“. Ein Netzwerk verbandszugehöriger Vertrauensleute holt die Brieftaube ab, telefonisch ist die Hotline unter 0800-3720076 erreichbar.

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