Krefeld: Der Stadtpark Fischeln wird 25 Jahre alt

Interview mit dem Mann, der den Stadtpark Fischeln schuf: „Mein Lieblingsort, das ist der gesamte Park“

Der Stadtpark Fischeln wird 25 Jahre alt. Zeit für einen Spaziergang mit Ex-Bürgermeister Bernd Scheelen, dem Vater der Anlage.

Herr Scheelen, wie oft gehen Sie eigentlich im Stadtpark spazieren?

Unternehmen, Vereine, Privatleute und Schulen spenden bis heute Bäume für den Fischelner Park. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Scheelen (lacht) Ach, da habe ich keinen festen Rhythmus. Ich wohne ganz in der Nähe und komme ständig hier vorbei. Immer mal wieder laufe ich die Wege entlang und schaue, ob alles in Ordnung ist. Manchmal werde ich angesprochen, dass hier Müll rumliegt. Aber wie Sie sehen: Heute ist alles sauber. Das freut mich.

Sonst sieht es hier anders aus?

Scheelen Auch hier gibt es hin und wieder Vandalismus. So manch ein Besucher lässt im Sommer die Reste vom Picknick liegen. Deshalb hat unser Verein vor zwei Jahren beschlossen, die Papierkörbe zusätzlich von der GSAK leeren zu lassen. Ein Gärtner pflegt alle zwei Wochen die Boulebahn. Das bezahlen wir alles aus eigener Tasche.

Sie haben das Projekt „Stadtpark Fischeln“ vor 25 Jahren gestartet. Es ist also auch Ihr Park. Wie fühlt es sich an, heute hier zu stehen?

Scheelen Ich freue mich, wenn ich sehe, was hier los ist. Dass die Leute Spaß im Park haben. Ich erinnere mich, als 1994 die ersten Bäume und Büsche gepflanzt wurden, wie klein die damals waren und wenn ich jetzt sehe, wie hier alles sprießt und wächst, das ist schon toll.

Wie kam es damals zu dem Projekt? Ein Verein, der im Alleingang einen großflächigen Park plant, Spenden sammelt und anschließend alles gestaltet, das passiert ja nun nicht jeden Tag.

Scheelen Ganz ohne fremde Hilfe ging es nicht. Wir haben auf alte Pläne der Stadt zurückgegriffen. Ein solcher Park war immer angedacht, konnte aber nie realisiert werden. Das war schade und damit wollten sich einige Fischelner nicht abfinden. Also haben wir am 19. November 1993 im Burghof Gietz ein paar Leute zusammengetrommelt und den Verein ins Leben gerufen. Zu der Zeit war hier noch alles Ackerland, die Felder lagen brach. Thomas Visser, damals im Grünflächenamt, unterstützte die Parkplanung, das Land finanzierte aus Mitteln der Schulwegsicherung den roten Weg, die Stadtwerke haben alte ausgesonderte Laternen aufgearbeitet und uns zur Verfügung gestellt. Und so kam dann eins zu andern. Trotz allem ist der Park Eigentum der Stadt.

Was ist ihr Lieblingsort im Park?

  • „Persil-Uhr“ : Förderverein feiert Jubiläum von Fischelns weißer Dame

Scheelen Ich setze mich hier nie hin, sondern spaziere nur über die Wege, von daher ist der komplette Park mein Lieblingsort. Gerne bin ich aber an der Boule-Bahn hier drüben, wenn unser alljährliches Turnier beginnt. Es gibt so viele Orte hier, mit denen ich etwas verbinde. Jeder Baum, jede Bank wurde gespendet, von Schulen, Privatleuten, Unternehmen oder Vereinen.

Ich dachte, Sie erwähnen jetzt die Persiluhr.

Scheelen Dahinter steckt eine interessante Geschichte. Die Uhr kam 1998 her, als der Park fünf Jahre alt wurde. Ich hatte im Stadtrat einen Kollegen, Peter Krings, der war hauptberuflich Entwicklungschef bei Henkel. In dem Jahr feierte das Waschmittel Persil den 90. Geburtstag. Henkel hatte deshalb die Idee, von dieser Uhr, die damals im Original am Potsdamer Platz in Berlin stand, neun Kopien zu bauen und sie in der Bundesrepublik zu verteilen. Krings setzte sich dann dafür ein, dass eine nach Krefeld kommt. Ursprünglich war der Hauptbahnhof als Ort vorgesehen. Dort verzögerte sich aber alles und da kam Krings auf mich zu und sagte: Lass uns die Uhr einfach nach Fischeln holen. Und seitdem steht sie als beliebter Treffpunkt hier.

Der Park hat zwei Teile, einen östlichen an der Kölner Straße und einen westlichen in Richtung Oberschlesienstraße. Beide könnten unterschiedlicher nicht sein. Der Osten lädt zum Verweilen ein, ein klassischer Park, wie man ihn aus Stadtbezirken kennt, der Westen mutet moderner an und könnte mit seinen massiven Säuleneichen auch in Mittelitalien stehen.

Scheelen Ja, das ist etwas ganz besonderes. Der westliche Parkteil wurde aus Mitteln der Europäischen Gartenschau (EUROGA 2002) finanziert. Der von der Stadt beauftragte Landschaftsarchitekt Andreas Kipar hat zwei Büros, eins in Duisburg, das andere in Mailand. Seinen mediterranen Einfluss hat der Mann auch im Stadtpark verwirklicht. Unterhalb der Eichen sind Bodenstrahler angebracht, die bei Nacht die Bäume beleuchten. Ein tolles Bild. Und ein bisschen Toskana-Feeling mitten in Fischeln.

Seit Jahren gibt es Pläne für eine Brücke, die beide Teile  verbinden soll. Bislang muss man über die Straße und durch eine Kleingartenanlage, um zwischen den Arealen spazieren zu können. Warum verzögert sich der Bau?

Scheelen Der Landschaftsarchitekt hatte die Brücke immer im Blick, die über das Baggerloch südlich von Neptun führen soll. Lange Zeit fehlte das Geld. Jetzt sind im städtischen Haushalt 40.000 Euro für die Planung reserviert. Die Stadt sucht gerade ein Büro, das den Auftrag übernimmt und ein überzeugendes Konzept präsentiert. Bis zum Bau wird es also noch etwas dauern. Dafür brauchen wir natürlich auch wieder Geld – aber ich bin zuversichtlich, dass wir in Krefeld großzügige Spender finden werden. Wir wünschen uns, dass wir die Brücke beim Fest zum 30-jährigen Jubiläum einweihen können.

Ein Fest wird es auch in diesem Jahr geben, nachträglich zum 25-Jährigen. Was erwartet die Besucher?

Scheelen Wir machen das alle fünf Jahre. Es wird wieder ein riesiges Zelt mit Livemusik geben. Die Vereine vor Ort helfen uns bei den Getränke- und Essenstände. Wir als kleiner Verein könnten das sonst alleine alles gar nicht stemmen. Bei unserem letzten Jubiläum, dem 20. Geburtstag des Parks, hatten wir ein Feuerwerk am Wasserloch gezündet, dort wo die Brücke bald stehen soll. Das war wunderbar anzusehen. Das wird es auch in diesem Jahr wieder geben. Und wer weiß, vielleicht gibt es dann ja schon erste Erfolge bei der Brücke zu feiern.

Mehr von RP ONLINE