Krefeld: Der Heimatbund Uerdingen sucht Mittel zum Erhalt der Herbertz-Bücher.

Krefeld wertvolle Bücher: Wertvolle Büchersammlung droht zu verfallen

Die Herbertz-Bibliothek im Besitz des Heimatbundes Uerdingen ist die älteste geschlossene Privatbibliothek am Niederrhein. Die Bücher aus dem 18. Jahrhundert drohen zu verfallen. Der Verein schlägt Alarm.

Sie ist die älteste geschlossene Privatbibliothek am Niederrhein: Die Herbertz-Bibliothek ist eine Sammlung von Büchern aus dem 18. Jahrhundert. Neben den Büchern im Besitz des Museums Burg Linn und der Scheutenschen Bücherei des Moltke-Gymnasiums bilden die 1450 Bände der ehemals privaten Sammlung der Familie Herbertz einen weiteren bibliophilen Schatz der Stadt. Die wertvollen Exemplare aus dem 18. Jahrhundert, darunter auch eine Erstausgabe der Werke Goethes oder ein beeindruckender, in Schweinsleder eingebundener Foliant, drohen zu verfallen.  Die Bibliothek ist im Besitz des Uerdinger Heimatbundes; der Verein schlägt Alarm.

Rechts erkennbar ist der handschriftliche Vermerk mit dem Namen der Besitzer-Familie der Bibliothek: Herbertz. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Der Verein möchte die Bibliothek sichten und sanieren. „Uns fehlen einfach die Mittel, sowohl finanziell, als auch personell, zur Sanierung“, sagt der Geschäftsführer des Heimatbundes Klaus-Norbert Kremers,  „wir rechnen mit einem Bedarf im vierstelligen Bereich. Dazu brauchen wir Helfer für die Arbeiten.“ Es geht um Pflege der alten Werke vom achtsamen Abstauben bis zum Einfetten der Buchrücken. Auch sollen alle Werke erfasst und in einer digitalen Datenbank gespeichert und sortiert werden. „Derzeit haben wir überhaupt keinen Überblick. Wir wissen gar nicht so genau, was wir alles hier haben und welche Schätze vielleicht in der Bibliothek schlummern“, sagt Klaus-Norbert Kremers.

Dieser in Schweinsleder gebundene Foliant gehört zu den Prachtstücken der Bibliothek. Das Leder muss dringend gepflegt und fachmännisch eingefettet werden. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Der Verein sucht auch nach Informationen über die Bücher. Bekannt ist, dass sie zwischen 1925, dem Gründungsjahr des Vereins, und der Mitte des 20. Jahrhunderts in dessen Besitz kamen. Wie dies geschah, ist ebenso unbekannt wie das Schicksal der Sammlung nach dem Tod der Besitzer im  19. Jahrhundert. „Wir wissen nicht einmal, wie sie den Zweiten Weltkrieg überstanden oder vom wem der Heimatbund sie erhielt“, sagt der Geschäftsführer.  „Wenn sich Menschen fänden, die, möglicherweise auch im Rahmen eines Studiums, zum Verbleib der Bücher forschen möchten, wäre das natürlich hochinteressant für uns.“

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Doch das ist Zukunftsmusik. Für den Verein geht es aktuell vor allem darum, die Sammlung vor dem Verfall zu retten. Ausreichend Personal in den eigenen Reihen haben sie derzeit nicht. Hilfe von außen ist also dringend nötig. Einen ersten Schritt gingen sie nun mit der Beantragung des Heimat-Schecks, einer Fördermaßnahme des NRW-Innenministerium für Beträge bis zu 2000 Euro. „Hier sind wir sehr optimistisch,  und das Geld würde uns in jedem Falle weiterhelfen. Wir bräuchten auch einen Experten, der einen Blick auf die Bücher wirft und sagt, was alles zu tun ist“, erläutert Kremers.

 Den Büchern hat teils Feuchtigkeit zugesetzt, einige drohen bereits auseinanderzufallen, die ledernen Buchrücken sind brüchig geworden und die Werke ungeordnet und verstaubt. Dieses klägliche Bild soll sich nach dem Willen des Heimatbundes möglichst bald ändern.

Übrigens hat die Bibliothek nur bedingt etwas mit den in Uerdingen bekannten Herberzhäusern am Marktplatz zu tun. Die Familien Herber(t)z mit und ohne ‚t’ waren verwandt, es handelte  sich aber um unterschiedliche Zweige einer  Kaufmannsdynastie.

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