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Krefeld: Dem Zoo fehlen durch die Krise die Eintrittsgelder

Es fehlt an finanziellen Mitteln : Zoo hat Kosten von 15.000 Euro pro Tag

Die Solidarität mit dem Zoo ist in Krefeld ungebrochen. Auf vielfältige Weise unterstützen Zoofreunde den Betrieb, der derzeit keine Einnahmen verzeichnen kann, aber trotzdem hohe Kosten für Futter, Personal und Instandhaltung hat.

Für den Krefelder Zoo hätte das Jahr 2020 kaum schlechter laufen können. Erst brannte an Neujahr das Affenhaus ab, dann sorgte die Corona-Krise gerade an den ersten warmen und sonnigen Tagen, den umsatzstärksten des Jahres, dafür, dass der Tierpark geschlossen bleiben muss.

Schon vor einigen Tagen vermeldeten die Verantwortlichen, dass der Schaden durch Einnahmeausfälle mit einer halben Million Euro zu Buche schlüge. Bis die Besucher wieder normal in den Zoo gehen können, dürfte ein Millionenschaden zu erwarten sein. Doch während in manchen privaten Tierparks bereits offen über Notschlachtungen gesprochen wird, da das Geld für Futtermittel fehlt, ist das für das Krefelder Zooteam komplett ausgeschlossen. Das sagte Oberbürgermeister Frank Meyer, der die Stadt als Hauptgesellschafter der gGmbH (mit 74,9 Prozent) vertritt, bereits vor Tagen, und auch Friedrich Berlemann vom zweiten Gesellschafter, den Zoofreunden (25,1 Prozent), stimmt zu.

„Das kann ich zu hundert Prozent ausschließen. Wir werden gemeinsam dafür sorgen, dass der Zoo auch diese schwere Zeit gut übersteht“, sagt er. Dabei helfen vor allem die Krefelder mit. Die Hilfs- und Spendenbereitschaft sei hervorragend. „Wir haben allein in diesem Jahr schon über 1600 neue Mitglieder bei den Zoofreunden. Die Tierpatenschaften haben sich zum Vorjahr verdoppelt, es gibt Spenden für Futtermittel und so weiter“, erzählt der engagierte Krefelder. Besonders die Zahl der neuen Zoofreunde ist beeindruckend. Mit jetzt 4879 Mitgliedern (Stand 23. April) stieg die Zahl seit dem Jahreswechsel um rund 50 Prozent.

Der Verein tut, was er kann, um den Zoo zu unterstützen. Jeden Tag fallen für Futtermittel, Gehälter und Instandhaltung 15.000 Euro Kosten an, die wegen fehlender Einnahmen derzeit nicht gedeckt werden können. 50.000 Euro wurden deshalb zunächst überwiesen. Davon stammen 20.000 aus Tierpatenschaften und sollen der Gehegeinstandhaltung zu Gute kommen. Noch einmal so viel fließt in Projekte wie neue Unterstände für Tiger – bald sollen neue Tiere in das derzeit verwaiste Gehege einziehen – und Kraniche, und 10.000 Euro stammen aus zweckgebundenen Futtermittelspenden. „Hier gehen täglich Spenden jeder Höhe ein. Wir sind für die Unterstützung der Krefelder für ihren Zoo sehr dankbar“, sagt Berlemann.

Die Kosten seien in Corona-Zeiten nicht geringer – im Gegenteil. „Man merkt, wenn man derzeit an den Gehegen vorbei geht, dass die Tiere sich die Besucher zurück sehnen und sich langweilen. Sie sind total aufmerksam und beobachten Menschen viel stärker als normal. Entsprechend wird derzeit mehr in Tierbeschäftigung investiert“, sagt Berlemann.

Die Verantwortlichen hoffen, dass in der ersten Mai-Woche wieder geöffnet werden kann. „Wir erarbeiten aktuell Hygienekonzepte, und die Besucherzahlen werden zunächst begrenzt werden. Das gilt vor allem für die Häuser, denn glücklicherweise ist der Zoo mit über 3,5 Kilometern Wegen recht weitläufig“, sagt der Vorsitzende der Zoofreunde.

Dennoch, dass die Einnahmeausfälle ausgeglichen werden können, das glaubt der Finanzexperte nicht. „So oft können die Menschen ja kaum kommen“, sagt er. Grund zu mehrfachen Besuchen gäbe es jedenfalls, da einige neue Attraktionen locken. „Die Pelikan-Lagune nähert sich der Vollendung, und es gibt nun Waldrentiere, die im März eingezogen sind“, erzählt Berlemann.

Doch nicht nur durch Zoobesuche können die Krefelder helfen, wenn die Öffnung wieder erlaubt ist. „Neben normalen Spenden oder Mitgliedschaften bei den Zoofreunden gibt es weitere tolle Möglichkeiten. Wir haben zum Beispiel noch einige der künstlerisch gestalteten Nashörner, man kann für 150 Euro einen Stein auf dem ,Walk of Zoo’ kaufen. Man kann Tierpatenschaften abschließen und bekommt viele Extra-Informationen zu seinem Tier. Es gibt außerdem die Möglichkeit, Baumpate zu werden und einen Baum zu spenden. Das kostet je nach Art zwischen 300 und 1000 Euro. Alles wird derzeit sehr gut angenommen“, freut sich Berlemann.

Zoofreunde-Mitglied Markus Boers, ein Landwirt, spendete gar drei große Ballen besten Heus. „Das ist die einzige Futter-Sachspende. Es ist Späternteheu mit vielen Kräutern. Ich wusste gar nicht, dass es so etwas gibt. Er will das jetzt öfter machen“, sagt Berlemann. So will er, gemeinsam mit den Krefeldern, den Zoo durch die schweren Zeiten bringen. „Denn unser Zoo ist der absolute Besuchermagnet der Stadt“, befindet er.