Krefeld: Das Weinfest lockte Jung und Alt in die City

Weinfest: Sechs Empfehlungen von Winzern

Aus ganz Deutschland - und aus Italien - kamen Winzer zum Weinfest auf dem Dionysiusplatz. Wir haben mit sechs von ihnen gesprochen.

Von Sven Schalljo

Weingut Wörner

Stefan Benz ist Inhaber des Gutes Paulushof, das schon über 200 Jahre alt ist. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Das Weingut Wörner aus der Pfalz war mit einem Zelt auf dem Weinfest vertreten. Eigentümer Ted Blömer war mit zwei Mitarbeiterinnen vor Ort. Nach einem Schlaganfall kann er selbst allerdings nur noch teilweise seine Gäste bedienen. Ihn unterstützt Miteigentümerin Brigitte Fitz. Das Weingut aus Edesheim nahe Landau blickt auf eine große Tradition zurück. Seit 1684 besteht es. Der Ort ist dabei fest in der Hand des Weinanbaus. Auf rund 100 Einwohner kommt ein Winzerbetrieb. In diesem Jahr empfiehlt das Gut Wörner einen Grauburgunder Wein. „Es ist eine Spätlese. Der Wein ist frisch, aber trocken. Er hat eine fruchtige Note und schmeckt gekühlt auch bei sehr heißen Temperaturen sehr gut. Wir haben hier die beiden Jahrgänge 2016 und 2017 dabei“, sagt Fitz. Natürlich hatten sie auch einige weitere Weine dabei und boten auch Erdbeerbowle an, die reißenden Absatz fand. Der Stand war am Rand des Platzes aufgebaut und unmittelbar an der Kirche zu finden. Diese Lage etwas weiter außen empfand Blömer als starken Standortnachteil.

Den Sommerwein vom Gut Däuwel Kaplaneihof empfiehlt Titus Däuwel. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Weingut Paulushof

Inhaber Paolo Demarie vom gleichnamigen Weingut reiste aus Piemont an. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Das Weingut Paulushof liegt in Monzel, einem kleinen Ort an der Mittelmosel. Der kleine Ort liegt nur wenige Kilometer entfernt von Wittlich. Monzel ist kleiner Ort mit nur einer Hand voll Einwohnern. Der Name des Ortes stammt sogar noch aus der Römerzeit. Nicht ganz so alt ist naturgemäß das in Krefeld vertretene Gut. Der Paulushof zählt aber auch schon über 200 Jahre. Ein genaues Datum allerdings ist nicht bekannt. Die Tradition beschränkt sich dabei allerdings nicht auf den Weinanbau alleine. Gut eineinhalb Jahrhunderte lang fertigte das Unternehmen auch Fässer. Die Küferei wurde allerdings im Jahr 1978 geschlossen, nachdem die Fässer nicht mehr nachgefragt wurden. „Heute wird nur noch Barrique nachgefragt, die haben wir aber nicht gebaut“, sagt Inhaber Stefan Benz. Er empfiehlt in diesem Jahr einen Cabernet Sauvignon. „Mein Sohn hat Weinbau überall auf der Welt gelernt und wir bauen den Wein ganz speziell aus. Er hat gar keinen Restzucker. Außerdem keltern wir nur etwa 3000 Liter pro Hektar. Erlaubt wären 12.000. Das gibt den Trauben viel Kraft. Er ist nicht typisch für Pfälzer Weine und sehr Fruchtig“, sagt Benz.

Inhaberin Jutta Neumann hat eine Vorliebe für den ungarischen Muskateller. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Weingut Däuwel

Das Weingut Leander Hilgert setzt auf einen Weißwein mit Zitrusnote, den Inhaberin Sabine Hilgert präsentiert. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Aus Bad Bergzabern in der Pfalz kommt das Weingut Däuwel. Der kleine Ort liegt nur wenige Kilometer südwestlich von Landau. Er ist damit linksrheinisch in Rheinland Pfalz gelegen. Die Anfänge des Gutes gehen ebenfalls in das frühe 19. Jahrhundert zurück. Eine genaue Jahreszahl wissen die Eigentümer nicht zu nennen. Der Stand des Gutes lag recht zentral auf dem Dionysiusplatz und fand entsprechend großen Zuspruch bei den Besuchern. Inhaber Titus Däuwel konzentriert sich, ähnlich wie sein Mitbewerber vom Paulushof, auf Klasse, statt Masse und keltert ebenfalls nur 3000 bis 4000 Liter Wein pro Hektar. Das sorgt dafür, dass seine Trauben viel Energie bekommen und einen kraftvollen, charakterstarken Wein hervorbringen. Auch er empfiehlt, auch angesichts der derzeitigen Temperaturen, einen Grauburgunder. „Diesen bauen wir sehr mild aus. Unser Wein ist in seinen Aromen eher fruchtig und auch bei sehr hohen Temperaturen gut trinkbar. Für mich ist er ein optimaler Sommerwein“, sagt er zu seinem Erzeugnis.

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Weingut Demarie

Eine internationale Note brachte das Weingut Demarie auf das Krefelder Weinfest. Gemeinsam mit De Casson aus Uerdingen präsentierte das Gut aus dem Piemont seine Rebsäfte aus Italien. Inhaber Paolo Demarie führt das Unternehmen bereits in der dritten Generation. Wobei die Familie schon viele Jahre zuvor Wein anbaute. „Bereits meine Vorfahren haben es getan. Aber wie lange genau, das kann ich nicht sagen. In großem Stil fing es mit meinem Großvater an. Der aber hatte zehn Kinder unter denen das Gut dann aufgeteilt wurde. Mein Vater hat es dann zu dem gemacht, was es heute ist und ich habe es zwischenzeitlich übernommen. Gefragt nach einer Empfehlung spricht er sich für einen in Deutschland recht unbekannten Wein, einer nicht minder unbekannten Rebsorte aus. Die Arneis-Traube, aus der er gekeltert wird, wird ausschließlich im Piemont angebaut. Demarie keltert daraus den Wein Rero Arneis. „Es ist ein fruchtiger, blumiger, mineralreicher Wein, der sich gut für Aperitifs oder zu Fisch eignet. Er ist eher trocken“, berichtet der Winzer von seiner Empfehlung.

Weinhaus Paul Neumann

Das Weinhaus Paul Neumann und Sohn war ganz in der Mitte des Platzes zu finden. Das Gut aus Wallershausen liegt in Rheinland-Pfalz am schönen Mittelrhein. Zwischen vielen mittelalterlichen Burgen ganz in der Nähe von Bingen baut die Familie Neumann bereits in der fünften Generation Wein an. Inhaberin Jutta Neumann war gemeinsam mit ihrem Mann vor Ort. Sie empfiehlt einen Gelben Muskateller aus dem Jahr 2017. Die Familie baut die Rebsorte erst seit vier Jahren an, nachdem der Inhaber den Wein in dessen Ungarischer Heimat kennengelernt hatte. Deshalb steht der Name auch in ungarischer Sprache als „Muskotály“ auf der Flasche. „Wir bauen den Wein trocken aus. Damit gehen wir bewusst in Kontrast zu den sonst eher süßen Muskateller-Weinen. Dadurch ist der Wein gerade für heiße Temperaturen hervorragend geeignet und ist ein absolutes Highlight. Er hat eine starke Fruchtnote und begeistert bei vielen unterschiedlichen Gelegenheiten“, sagt die Inhaberin, deren Mann Weine mit Orchestern vergleicht, die mit vielen Aromen und dem Bouquet wie Musik zusammenspielen.

Weingut Leander Hilgert

Das Weingut Leander Hilgert stammt ebenfalls aus der Nähe von Bingen. Genauer gesagt liegt das Örtchen Horrweiler, in dem es liegt, grob auf halbem Weg zwischen Bingen und Bad Kreuznach, wenn auch ein Stück weit östlich der Luftlinie zwischen beiden Städten, in Rheinland-Pfalz. Bereits in der vierten Generation baut die Familie Hilgert Wein an. Gegründet wurde das Gut im Jahr 1899 und ist damit ebenfalls schon mehr als 100 Jahre alt. Auch Sabine Hilgert, gemeinsam mit ihrem Mann die Inhaberin des Unternehmens, empfiehlt einen gelben Muskateller. „Die Rebsorte ist in Deutschland noch relativ unbekannt und wird recht selten angebaut. Die meisten Kunden kennen Muskateller vor allem aus Österreich. Wir bauen den Wein eher trocken aus. Damit ist es ein interessanter Weißwein, der vor allen Dingen mit seinen deutlichen Zitrusaromen besticht. Damit schmeckt er sehr frisch. Gerade bei sommerlichen Temperaturen ist es ein optimaler Wein zu fast allen Gelegenheiten“, sagt die Besitzerin. Da das Weingut bereits mehrfach auf dem Krefelder Weinfest vertreten war, hat es seinen Stammplatz in der Mitte des Dionysiusplatzes.

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