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Krefeld: Das Krematorium am Hauptfriedhof wird zurückgebaut

Auf dem Krefelder Hauptfriedhof : Eine weiße Wanne für das Krematorium

Das 1915 erbaute Krematorium auf dem Krefelder Hauptfriedhof wird elf Jahre nach seiner Schließung zurückgebaut und instandgesetzt. Der klassizistische Bau soll anschließend weiter genutzt werden. Ideen sind willkommen.

Seit elf Jahren ist der Ofen aus. Seit Anfang 2011 wird das Krematorium auf dem Krefelder Hauptfriedhof nicht mehr genutzt. In den Jahren davor waren in dem klassizistischen Gebäude bis zu 1500 Verstorbene jährlich eingeäschert worden, täglich im Schnitt fünf bis sechs. Doch ein Wasserschaden machte den Ofen vor dem Jahreswechsel 2010/ 11 unbrauchbar. Seitdem wurde nur noch die Trauerhalle des Krematoriums genutzt. Nun ist auch sie geschlossen, denn im Inneren haben aufwendige Sanierungs- und Rückbauarbeiten begonnen.

 Vor dem Krematorium zeigen Helmut Döpcke und Dirk Graunke (r.), wie das Wasser aus dem Krematorium in den Boden geleitet wird.
Vor dem Krematorium zeigen Helmut Döpcke und Dirk Graunke (r.), wie das Wasser aus dem Krematorium in den Boden geleitet wird. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Unter der Federführung von Architekt Dirk Graunke werden aktuell Ofen und Abgasreinigung demontiert. Die Arbeiten finden in denkmalgeschützten Räumlichkeiten statt und müssen entsprechend vorsichtig vorgenommen werden. So sind die türkisfarbenen Kacheln an den Wänden noch aus dem Erbauungsjahr, genauso wie die gemauerten  Rundbögen. Überhaupt sind Anlagen mit einem Fahrstuhl, wie es ihn in Krefeld gibt, heute sehr selten und waren auch damals schon etwas Besonderes. „Es war das erste Krematorium im Rheinland und sollte schick sein“, erklärt Heike Blondin, Leiterin des Friedhofsamtes, und erzählt: „Allein der Fahrstuhl war spektakulär. Durch ihn wollte man sich der Sargbestattung annähern, was damals als pietätvoll empfunden wurde. Der Sarg wurde durch eine Öffnung  in den Fahrstuhl herabgelassen und so in das Untergeschoss transportiert. Die Öffnung in der Trauerhalle schloss sich danach wieder.“

 Auch die große Abgasreinigungsanlage wird aktuell zurückgebaut.
Auch die große Abgasreinigungsanlage wird aktuell zurückgebaut. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)
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Bis 2011 war der Fahrstuhl in Betrieb, und es rankten sich so manche Legenden um ihn, wie die Expertin weiß. Sie erinnert sich, dass viele dachten, durch die Öffnung sehe man die lodernden Flammen des Ofens, in die der Sarg hinabgelassen werde. Andere vermuteten, die Särge würden sich im Keller stapeln und gemeinsam verbrannt werden.

Tatsächlich arbeitete in den Kellergewölben des ersten und  zweiten Untergeschosses in der überwiegenden Zeit ein einziger Krematoriumswärter, der jeden Sarg einzeln aus dem Fahrstuhl heraus und in den Ofen schob. Die Ofenanlage selbst reicht über zwei Etagen und wurde seit 1998 flankiert von einer ebenso großen wie aufwendigen Abgasreinigungsanlage, die das damals neue Immissionsschutzgesetz notwendig werden ließ. Im Zuge dieser Arbeiten, die drei Millionen Euro verschlangen, wurde auch die Ofen-Technik modernisiert, die bis zu Schließung 2011 genutzt wurde.

„Damals wurden Feuerbestattungen immer beliebter, weswegen die Investition Sinn machte. Heute haben sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen deutlich verändert. Bestatter können sich das Krematorium aussuchen und weichen aus Kostengründen oft in die Niederlande aus. Mit den Preisen dort kann ein städtischer Betrieb nicht mithalten“, sagt Helmut Döpke vom Vorstand des Kommunalbetriebs (KBK), der den Friedhofsbereich 2018 übernommen hat.

Wasserschäden haben dem historischen Gebäude auf dem Hauptfriedhof schwer zugesetzt. Schuld daran ist das Grundwasser, das seit Erbauung des Krematoriums als Gefahrenquelle bekannt ist. Entsprechend wurden bereits 1915 Drainagen gelegt, um das Wasser abzuführen. Als diese im Winter 2003/ 04 nicht mehr funktionierten, versuchte man die bestehenden Kanäle durch Bypässe aufnahmefähiger zu machen und setzte eine Rigolenversickerung ein, ein unterirdisches Versickerungssystem. Doch auch das reichte 2010/ 11 nicht mehr aus und das Grundwasser spülte in den Keller und  durchfeuchtete die Schamottsteine des Ofens, die für kurze Zeit sogar Temperaturen von 2300 Grad aushalten. Das war das Aus fürs Krematorium.

Ein Aus für das Gebäude sollte es aber nicht sein, entschloss der KBK-Vorstand, und beschloss den Rückbau der Technik und die Instandsetzung des Gebäudes für rund 250.000 Euro. Und so wird das Gebäude im Keller eine innenliegende weiße Wanne erhalten, die es vor Grundwasser schützt. Dazu muss der Keller aber erst einmal ausgeräumt werden. Die Abbrucharbeiten sollen noch vor Weihnachten beendet sein. Im neuen Jahr beginnt ein Bauunternehmen, das bereits beauftragt ist, mit der wasserdichten Auskleidung bis auf eine Höhe von circa 1,50 Meter. Schon im April könnte das Krematorium für eine wie auch immer geartete Nutzung bereit sein.