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Krefeld: Das Kaffeehausorchestrion muss restauriert werden

Im Krefelder Jagdschloss : Kaffeehausorchestrion soll wieder spielen

Ein beliebtes Instrument im Linner Jagdschloss spielt nicht mehr. Das Kaffeehausorchestrion muss restauriert werden. Die Kosten belaufen sich auf über 20.000 Euro. Ehrenamtler Heinz-Peter Beurskens bittet deswegen um Spenden.

Klavier, Gitarre, Geige, Trompete – diese Instrumente kennt jeder. Aber Clarabella, Symphonion, Pianola oder Kaffeehausorchestrion? Die meisten haben hier wahrscheinlich kein Instrument bildlich vor Augen, geschweige denn einen Klang im Ohr. Das liegt vielleicht auch daran, dass es sich bei ihnen um mechanische Instrumente handelt. Instrumente also, die über einen Mechanismus verfügen, der sie quasi von alleine spielen lässt. Eine ganze Reihe solcher exotischer Instrumente sind im Jagdschloss der Burg Linn gesammelt und werden dort regelmäßig für Besucher gespielt – wenn sie funktionieren. Bei dem Kaffeehausorchestrion, einem der Herzstücke der Sammlung, ist dies momentan jedoch nicht der Fall.

20.000 Euro sind nötig, um das Instrument wieder einsatzfähig zu machen. Heinz-Peter Beurskens, der seit zwölf Jahren ehrenamtlich Führungen als Nachtwächter durch Linn gibt, ruft deshalb alle Krefelder zum Spenden auf. „Es hat in Krefeld gute Tradition, dass die Bürger ihr Kulturgut bewahren,“ weiß er und hofft auf rege Spendentätigkeit.

Seit zehn Jahren werden die Einnahmen aus seinen Nachtwächterführungen für die Restauration und Instandhaltung der rund 50 mechanischen Instrumente benutzt. Denn die Instrumente mit ihrer komplexen Mechanik müssen regelmäßig gewartet werden. „Dafür fehlte dem Museum aber bereits seit Jahrzehnten das Geld“, erzählt Beurskens. „Da reicht mein Nachtwächtergehalt irgendwann auch nicht mehr aus.“

Mehrere Instrumente wurden in den vergangenen Jahren bereits für viel Geld restauriert, darunter eine Drehorgel, ein Symphonion und zuletzt die große Clarabella (eine Art Orgel) für 25.000 Euro. Bei der Anlieferung der restaurierten Clarabella, wurde das Kaffeehausorchestrion vom Restaurateur Jens Wendel direkt mitgenommen. Die Restauration kann jedoch erst beginnen, wenn die 20.000 Euro zusammen gekommen sind – und, wenn das Instrument drei Monate getrocknet ist. „In dem Instrument ist leider auch Schimmel, weil das Zimmer im Jagdschloss, wo es gestanden hat, feucht war,“ sagt Beurskens.

Das Kaffeehausorchestrion sieht laut Beurskens aus „wie ein großer Eichenwohnzimmerschrank mit einem Klavier vorne dran“. Im Inneren dieses „Schranks“ befindet sich die Mechanik. Der Antrieb des Kaffeehausorchestrions ist zwar elektrisch, der Rest funktioniert jedoch rein mechanisch. Ein Schwungrad setzt Blasebälge in Betrieb, die Luft durch Ventile drücken und so Töne erzeugen – ähnlich wie bei einer Kirchenorgel. Welche Ventile geöffnet werden und welche Töne somit gespielt werden, wird durch eine Papierrolle bestimmt. Diese sogenannten Notenrollen sind mit Löchern versehen, die die Steuerinformationen für das Instrument enthalten. Tatsächlich sind diese Notenrollen durchaus vergleichbar mit dem binären Code, der heutzutage für die Programmierung von Computern benutzt wird. Klanglich vereint das Kaffeehausorchestrion Klavier, Flöte und Violine. Zumindest der Klavierteil des Instruments kann auch normal ohne Notenrolle gespielt werden.

Das Kaffeehausorchestrion, das jetzt im Besitz des Museums Burg Linn ist, wurde vor 1914 erbaut und gehörte vorher  zum Inventar einer Bar in Belgien, wo es Teil der Innenausrichtung war. „Das sieht man auch. Es gibt überall runde Flecken von Biergläsern und Brandspuren von Zigaretten“, erzählt Beurskens. Wann genau das Instrument in den Besitz des Museums übergegangen ist, weiß Beurskens nicht mehr. Den Preis allerdings schon: „37.500 DM. Ein richtiges Schnäppchen. Die Restauration des Orchestrions kostet uns jetzt mehr als das Instrument selbst.“ Allerdings lohne sich die Investition. Das Kaffeehausorchestrion sei bei Vorführungen, bei denen Beurskens auch selber mitwirkt, immer gut angekommen. „Vor ein paar Jahren hatte ich eine Seniorentruppe, die mehrere Stunden zur Musik des Orchestrions getanzt hat. Da hat die Vorführung deutlich länger gedauert als geplant.“