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Krefeld: Das Café Oje bereitet Schüler auf den Arbeitsalltag vor.

Krefelder Jugendhilfe : Schüler lernen spielerisch Arbeit kennen

150 Schüler aus fünf Krefelder Schulen nehmen am Plan- und Aktionsspiel „Fit für den Arbeitsalltag“ teil. Dabei stehen vor allem „Soft Skills“ wie Höflichkeit, Pünktlichkeit und Ordentlichkeit im Blickpunkt.

Knapp 50 Schüler aus fünf Krefelder Schulen sind an diesem Tag im Café Oje, im Jugendzentrum der Katholischen Kirche an der Felbelstraße. Es sind die neunten Jahrgangsstufen, die sich in einem Planspiel auf den Berufsalltag vorbereiten sollen. Über drei Tage läuft das Projekt, so dass sich insgesamt eine Zahl von rund 150 Teilnehmern ergibt. Die Jugendlichen zwischen 14 und 16 Jahren durchlaufen je drei Stationen, in denen sie spielerisch in Berufe wie Kfz-Mechaniker, Bankkaufmann, Bäcker oder Reinigungskraft hereinschnuppern können.

„Alle Jugendlichen werden von uns den ganzen Tag hindurch gesiezt. Auch wenn wir sie sonst kennen und duzen. Alle sollen fest in ihre Rolle hineinwachsen“, sagt Klaus von der Heiden, Referent für kirchliche Jugendarbeit. Im Spiel ist er, wie sein Namensschild aussagt, „Johnny Kontroletti von der Gewerbeaufsicht“. Er kontrolliert, ob die Bäcker Handschuhe tragen oder in der Werkstatt die Arbeitssicherheit eingehalten wird. Die inhaltliche Arbeit der Jugendlichen ist dabei nicht entscheidend. Wichtig sind die „Soft Skills“: Pünktlichkeit, Sauberkeit bei der Pflege des Berichtshefts, Höflichkeit und Eifer.

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Bringt ein solcher spielerischer Arbeitseinsatz den Jugendlichen etwas? „Unbedingt!“, sagt Christoph Stock, Klassenlehrer von der Förderschule am Uerdinger Rundweg. „Wenn sie hier in den wichtigen Punkten Fehler machen, dann bekommen sie sofort ein Feedback. Aber in positiver Form. Bei einem richtigen Schulpraktikum im Betrieb fliegen sie bei Fehlverhalten oft direkt raus. Das kratzt dann sehr am Selbstvertrauen.“ Sein Schüler Mitko Mitkov hört diesen Satz und nickt zustimmend. Er hat genau diesen Fall erlebt.

„Ich war in einem Kfz-Betrieb. Alle haben immer wieder auf ihre Handys geschaut. Als ich das auch getan habe, kam der Chef und sagte, ich solle nicht mehr wieder kommen. Das war ein Schock. Hier kenne ich die Leute, fühle mich wohl und es macht Spaß. Das ist besser“, sagt der 15-Jährige. Ihm stimmen auch Tuana Can von der Erich-Kästner-Schule und die Klassenkameraden Niclas Weinacht und Maurice Sapeta von der Josef-Hafels-Schule zu. „Es macht Spaß hier und gibt ein Gefühl, wie Arbeit aussieht und was wichtig ist“, sagen sie unisono.

Gibt es in den wichtigen Kompetenzen Probleme, dann werden die Teilnehmer zur Station „voll krass“ geschickt. Das ist die „Chefetage“. Guido Kleen, der einzige Betreuer, der unter seinem richtigen Namen am Spiel teilnimmt, redet hier mit ihnen über den Fehler. „Wir konzentrieren uns auf die Stärken, sprechen aber die Schwächen klar an. Wer sich krass falsch verhält, der wird von uns ,gelackt’. Das heißt, er bekommt einen Stempel ins Berichtsheft und auf die Hand. Das wollen die Jugendlichen vermeiden“, sagt er.

Am Morgen hatten die Schüler im Berichtsheft eine Selbsteinschätzung ausgefüllt. In neun Kategorien vergaben sie ein bis zehn Punkte. Wichtig sind die Einschätzungen in den Punkten: Pünktlichkeit, Ordentlichkeit, Sauberkeit im Berichtsheft und Rückfragen stellen. Erreichen die Schüler die Ziele, bekommen sie pro Station die hier selbst vergebenen Punkte. Gibt es Schwächen, wird der doppelte Punktwert abgezogen. Ziel ist, so viele Punkte wie möglich zu sammeln. Am Ende gibt es ein Zertifikat, das nach Aussage der Arbeitsagentur auch im Bewerbungsprozess Anerkennung findet. Und so vereint sich Spaß und Nutzen für die Jugendlichen.