Krefeld: Das Bündnis für Demenz in Fischeln hängt Hinweisschilder auf, mit denen sich Demenzkranke besser zurecht finden sollen.

Hilfe für Demenzkranke: Fischeln bekommt Demenz-Wegweiser

Neue Hinweisschilder in Fischeln sollen Demenzkranken helfen, sich in ihrem Quartier besser zurecht zu finden. Das Projekt ist das erste seiner Art in Deutschland und wurde vom „Bündnis Leben mit Demenz in Fischeln“ initiiert.

Fischeln wird deutschlandweit Vorreiter für eine demenzgerechte Quartiersgestaltung. Die Idee: Die räumliche Infrastruktur in Krefelds größtem Stadtteil soll so (um-) gestaltet werden, dass Menschen, die wegen einer dementiellen Erkrankung unter Orientierungsstörungen leiden, sich besser zurechtfinden können. In einem ersten Schritt werden dazu in Kürze Hinweisschilder aufgehängt, die den Weg zu wichtigen Orten im Stadtteil weisen, nämlich dem Rathaus, der Clemenskirche sowie dem Seniorenheim Saassenhof.

Manuela Hansmann vom Bündnis Leben mit Demenz in Fischeln und ihr Team haben das Projekt angestoßen. „Bei Stadtteilrundgängen unter dem Aspekt Demenz, die wir hier vor Ort durchgeführt haben, ist deutlich geworden, dass das Thema Orientierung für Betroffene Probleme aufwirft“, sagt Hansmann. „Wer unter einer Demenz leidet, wird sich vor allem im vertrauten Umfeld bewegen und versuchen, sein Leben dort so gut es geht aufrecht zu erhalten.“ Dafür seien Orientierungsschilder wichtig, die nicht mit zu viel Text und Information überfordern.

Der Saassenhof, Senioreneinrichtung im Herzen Fischelns. Foto: Bündnis für Demenz in Fischeln/Carola Puvogel

Für den Anfang hat das Bündnis sich für drei Motive entschieden und auch die Standorte sind bereits ausgewählt und von der Verwaltung abgesegnet. So wird  im Bereich der Mariensäule der Weg zum Fischelner Rathaus angezeigt, vor dem Clemensmarkt gibt es Infos, in welche Richtung das Seniorenheim Saassenhof und die Clemenskirche liegen. Und vor der Volksbank gegenüber dem Zunftbaum sollen Schilder zum Rathaus und zum Saassenhof leiten. Allerdings ist der Mast, an dem die circa 40 x 60 Zentimeter großen Hinweisschilder vor kurzem unerwartet abmontiert worden, so dass nun erst ein neuer Standort gefunden werden muss.

Im Fischelner Rathaus ist das Bürgerbüro untergebracht. Foto: Bündnis für Demenz in Fischeln/Carola Puvogel
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Die drei Motive sind von Fischelnern gestaltet worden. Das Rathaus hat der unlängst verstorbene Rudolph Menk gemalt, es ist schon auf dem Cover der Broschüre „Fischelner Demenzlotse“ erschienen. Die beiden anderen Bilder wurden von Roswitha Teschemacher (Saassenhof) und Sigrid Delmes (St. Clemens) vom Netzwerk Fischeln angefertigt. „Wichtig ist der hohe Wiedererkennungsfaktor“, sagt Hansmann. „Deswegen dürfen die Motive auf keinen Fall abstrakt sein, sondern sollen dem Original möglichst ähnlich sehen.“ Finanziert werden die Hinweistafeln vom Bürgerverein Fischeln und aller Voraussicht nach über die bezirksbezogenen Mittel, die die Bezirksvertretung vergibt.

Die katholische Kirche St. Clemens am Clemensplatz. Foto: Bündnis für Demenz in Fischeln/Carola Puvogel

Manuela Hansmann hat deutschlandweit nachgeforscht und ist sich sicher, dass das Fischelner Projekt zur demenzgerechten Gestaltung des öffentlichen Raums einmalig ist. Forschung zum Thema Demenz gibt dem Fischelner Bündnis und seiner Initiative Recht: „Der Verbleib in der vertrauten Wohnung und die Nutzung der vertrauten Wohnumgebung können positive Effekte für die kognitive, körperliche und emotionale Entwicklung von Menschen mit Demenz haben“, schreibt die Landesinitiative Demenz-Service NRW. Aktivitäten im Außenbereich hätten hohe Bedeutung für die Selbstachtung und Unabhängigkeit von Menschen mit Demenz. Aktuelle deutsche Studien belegen demnach, „dass sich eine bedarfsgerechte Gestaltung und damit leichtere Nutzung der Außenräume positiv auf die mit Demenz verbundenen Verhaltensstörungen der Betroffenen auswirkt und gleichzeitig die soziale Interaktion fördert.“

Das Fischelner Bündnis und Manuela Hansmann sind unter der Telefonnummer 9341718 zu erreichen.

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