Krefeld: Carola Keßler ist neue Schulleiterin am Gymnasium Horkesgath

Krefelder Schulen : Violinistin ist neue Schulleiterin am Gymnasium Horkesgath

Sie ist ausgebildete Violinistin und hat als Profi-Musikerin in den Symphonieorchestern Düsseldorf und Essen gespielt. Jetzt ist Carola Keßler Schulleiterin des Gymnasiums Horkesgath. Sie erzählt, wie sie aus Freude am Unterrichten die Lehrerlaufbahn eingeschlagen hat und wie sie den schlechten Anmeldezahlen für ihre Schule begegnen will.

Die Freude am Unterrichten war letztendlich größer als die Freude am Musizieren: Carola Keßler, neue Schulleiterin des Gymnasiums Horkesgath, ist ausgebildete Violinistin, hat in den Symphonieorchestern Düsseldorf und Essen als Profimusikerin gearbeitet – und sich nach einigen Jahren auf der Bühne doch entschieden, Lehrerin zu werden. „Trotz aller Liebe zur Musik ist es auf Dauer eine sehr einseitige Beschäftigung, in einem Orchester zu spielen“, erzählt sie. Ganz anders der Mikrokosmos Schule: „Das Zusehen und Begleiten beim Menschwerden ist sehr erfüllend“, formuliert die 52-Jährige. Und: „Ich liebe es, wie lebendig und abwechslungsreich die Arbeit in der Schule ist.“

Parallel zu ihrem Musikstudium an der Robert-Schuman-Hochschule in Düsseldorf hat Keßler bereits Instrumentalpädagogik studiert, später kamen Germanistik, Musik- und Theaterwissenschaft an der Uni Köln hinzu. „Ich musste das damals vor meiner sehr strengen Geigenlehrerin an der Hochschule geheim halten, sie hätte es niemals geduldet“, erzählt Keßler. „Aber ich bin bis heute dankbar und froh, dass ich es gemacht habe, obwohl es kurz vor meinem Examen zu einem Riesenkrach kam, weil ich es ihr schließlich doch irgendwann beichten musste.“

Am Gymnasiums Horkesgath gibt es die Möglichkeit, ab Klasse fünf ein Blasinstrument zu erlernen. Foto: Strücken, Lothar/Strücken, Lothar (slo)

Ein Trümmerbruch im Handgelenk machte schließlich die Entscheidung leichter, die Profi-Karriere an den Nagel zu hängen. Geige spielen ist natürlich weiter Hobby der Schulleiterin. Der Schritt vom Profi- zum Laienmusiker sei jedoch sehr schwierig, erzählt sie. „Weil man diesen Profi-Anspruch an sich selber hat, ihn aber gar nicht mehr erfüllen kann.“

Die Landesmusikakademie in Heek war ihre nächste berufliche Station. „Die Kombination aus Unterrichten und Verwaltung hat mir gut gefallen“, sagt sie rückblickend. Einige Zeit später ergab sich die Möglichkeit, eine Vertretungsstelle am Meerbusch-Gymnasium in Strümp zu übernehmen. Fehlende Elemente der Lehrerausbildung holt Keßler nach und beginnt nach dem Referendariat mit Anfang 30 endgültig die Lehrerlaufbahn. „Ich bin bis heute froh, dass es nicht ‚Schule, Studium und wieder Schule‘ waren“, sagt sie. „Ich habe viele bereichernde berufliche und menschliche Erfahrungen gemacht, die mir bis heute — auch beim Unterrichten — zugutekommen.“

Keßler ist eine Frau, die Herausforderungen nicht scheut und sich selber als ‚Mensch ohne Angst‘ bezeichnet. Der Tag beginnt für die Mutter zweier erwachsener Söhne, die seit zehn Jahren in Fischeln lebt, mit Sport: fünf Mal in der Woche geht sie früh am Morgen schwimmen. „Danach fühle ich mich so richtig frisch und fit für den Tag.“

Die Entscheidung, die Schulleiterposition am Horkesgath zu übernehmen, hat sie auch deshalb getroffen, weil „man hier viel bewegen kann“. Eine andere Stelle an einer „perfekt ausgestatteten Schule“ hat sie deshalb abgelehnt „weil ich mich dort nur noch in den Sessel hätte setzen müssen und alles so weiter laufen lassen“. Zu langweilig. Am Gymnasium Horkesgath schätzt sie das Miteinander. „Wir haben ein sehr motiviertes Kollegium, willige Schüler und ambitionierte Eltern“, sagt sie. „Man erlebt hier viel Dankbarkeit und den Willen vieler Schüler, zu lernen.“ Ihre Schule in Meerbusch vermisst sie nicht. „Hier am Horkesgath ist es weniger versnobt, dafür aber viel menschlicher“, sagt die Schulleiterin.

Die schlechten Anmeldezahlen fürs kommende Schuljahr sieht sie mit Gelassenheit: „Wir müssen es jetzt schaffen, die Stärken unserer Schule besser darzustellen.“ Das Gymnasium Horkesgath ist Mint-Excellence-Schule, hat aber mit seinen Bläserklassen auch ein ausgeprägt musisches Profil. „Wir gehören auch zu den wenigen Schulen, die Kunst- und Sportleistungskurse anbieten. Es mangelt nicht am Angebot, wir müssen es nur besser präsentieren.“ Keßler will nun die Zusammenarbeit mit den Grundschulen im Umfeld stärken. Die Optik der in die Jahre gekommenen Schule, merkt sie an, sei ein Trauerspiel. Doch Bauarbeiten seien im Gange, Toilettenanlagen werden erneuert, der Schulhof umgestaltet, Fußböden im zweiten Obergeschoss neu verlegt, im Garten soll ein Biotop entstehen.

Auch Carola Keßlers Liebe zur Musik soll sich verstärkt im Angebot der Schule widerspiegeln. „Ich möchte mit der Musik mehr Kinder erreichen. Natürlich kann nicht jeder ein Instrument lernen, aber ich möchte gern vokalpraktische Kurse und Stimmschulung anbieten und mittelfristig eine Musical-AG ins Leben rufen.“

Mehr von RP ONLINE