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Krefeld: Café unter dem Motto "Dein Name ist Mensch"

Krefeld : Café mit Motto „Dein Name ist Mensch“

Das Begegnungscafé ist umgezogen. Seit dem 1. November findet man es an der Marktstraße. Im neuen Haus ist viel Platz. So gibt es auch eine Kleiderkammer, Schlafmöglichkeiten und Raum für Kinder- und Jugendprojekte.

Vor wenigen Wochen berichtete die Rheinische Post über das Begegnungscafé an der Kölner Straße. Hier sollten vor allem Obdachlose, aber auch alle Menschen die Möglichkeit bekommen, sich aufzuhalten, eine Mahlzeit zu bekommen und einfach freundlich und gut aufgenommen zu werden. Doch seit Donnerstag ist es geschlossen – nicht aufgrund von Aufgabe oder finanziellen Problemen, sondern weil es derart gut ankam, dass es nun in bessere Räumlichkeiten zog. „Es ist noch immer wie ein Traum. Vor gut einer Woche kam Horst Renner von der Nothilfe Mensch auf mich zu und bot mir ein Haus auf der Marktstraße an. Wir haben dann diskutiert, wie wir alles organisieren, und sind umgezogen“, erzählt die Betreiberin Sabrina Tophofen.

Das neue Café bietet viel mehr Möglichkeiten als die alten Räumlichkeiten. Alles ist größer, schöner und wird, wenn Renovierungen abgeschlossen sind, vielen bedürftigen Menschen eine Anlaufstelle bieten. „Aber auch hier gilt: Wir wenden uns nicht nur an Obdachlose. Wirklich jeder ist willkommen, bekommt etwas zu Essen, Kaffee oder andere Getränke und darf sich hier aufhalten, so lange er möchte“, sagt Top-hofen. Dabei geht das Angebot über das reine Café hinaus. Dieses ist nun im Erdgeschoss des Hauses verortet. Hier findet sich ein Tresen und ein Aufenthaltsraum. Im Keller gibt es ein Büro, eine Dusche und bald eine Kleiderkammer.

„Dort werden wir gespendete Kleider wie in einem Geschäft sortiert anbieten. Bedürftige können dann selbst heraussuchen, was sie brauchen“, sagt die Helferin. „Wichtig ist uns vor allem, dass die Menschen sich ernst und wahrgenommen fühlen. Wer hier herkommt, der bekommt von uns mehr als nur ein Lächeln oder einen Schlafplatz. Unser Café steht unter dem Motto ‚Dein Name ist Mensch‘. Es gibt für uns nur Menschen. Keine Herkunft, kein Einkommen oder ähnliches“, erläutert die 37-Jährige ihr Konzept.

Doch damit nicht genug, in der ersten Etage soll es vier Zimmer geben, in denen Menschen ohne Wohnung ein Dach über den Kopf bekommen und einen Schritt in ein neues Leben gehen sollen. „Wir wollen hier in vier Schritten vorgehen: Drei Monate ankommen, dann weitere drei Monate einen Schritt in die Normalität gehen. Das beinhaltet das eigene Bett zu machen, regelmäßig frisch zu beziehen, die Bezüge zu waschen und zu bügeln und einen geregelten Tagesablauf zu entwickeln.“

Auch Körperhygiene steht hier auf dem Plan. Im dritten dreimonatigen Abschnitt sollen die Menschen dann Ziele formulieren, einen Jobwunsch äußern und sagen, was sie dafür brauchen. Im letzten Abschnitt geht es dann darum, Dinge mit Ämtern zu klären, vielleicht einen Job zu finden und eine eigene Wohnung zu suchen“, umreißt Tophofen ihren Plan, Menschen bei der Eingliederung in die Gesellschaft zu helfen.

In der oberen Etage möchte sie schließlich ein Kinder- und Jugendprojekt anbieten. Hierher können Kinder schon vor der Schule kommen, bekommen ein Frühstück und eine Lunchbox. Nach der Schule gibt es Hausaufgabenhilfe, Spiel und Spaß und verschiedene Projekte. Tophofen, selbst früher Straßenkind und Missbrauchsopfer, liegt vor allem das sehr am Herzen. „Wir wollen den Kindern möglichst gute Chancen bieten und ihnen helfen, eine gute Ausbildung zu erreichen“, sagt sie.

Der Clou: Abends, wenn die Kinder daheim sind, steht der Raum als Notschlafstelle zur Verfügung. „Gerade wenn es draußen kalt ist wie jetzt, wollen wir hier Menschen die Chance geben, im Warmen und Trockenen zu schlafen. Anfangs auf Isomatten und Schlafsäcken, die wir stellen. Langfristig würden wir gern aufklappbare Betten an den Wänden haben. Aber dafür fehlt das Geld. Wir suchen hier nach Spendern oder Helfern“, sagt die Aktivistin.

Mit Hilfe macht sie insgesamt aber sehr gute Erfahrungen. Über den Verein „It‘s for Kids“ kam sie an Handwerker, die die notwendigen Arbeiten für genannte Zimmer kostenlos ausführen. Übrigens: Wenn die Obdachlosen aus der Notschlafstelle morgens hinaus müssen, geht es nicht, wie in anderen Stellen, direkt in die Kälte, sondern sie können notfalls den ganzen Tag im Café verbringen. „Das ist meines Wissens nach die einzige Einrichtung dieser Art in Deutschland“, erzählt Tophofen.

Aktuell fühlt sie sich von all diesen Entwicklungen regelrecht überrollt. „Ich habe schon Angst. Bisher war alles mein eigenes kleines Projekt. Plötzlich ist es so viel größer. Das ist wunderschön, jagt mir aber gehörigen Respekt ein“, sagt die fünffache Mutter.

Wer sie aber beobachtet, der hat am Erfolg wenig Zweifel. Mit zehn Jahren als Straßenkind in Köln angefangen, zählt sie mittlerweile Berühmtheiten wie Hollywoodstar Ralf Möller (wir berichteten) oder den Sohn Helmut Kohls zu ihren Freunden. Kommenden Freitag wurde sie von Möller zu einer TOP-Party in Saarbrücken eingeladen, soll dort Spenden überreicht bekommen und ist überdies erfolgreiche Autorin.