Krefeld: Bürgerverein Lehmheide fordert Präsenz von Mülldetektiven im Südbezirk.

Kommunalbetrieb in Krefeld : „Müllsünden konsequent bestrafen“

Kommunalbetriebs-Chef Helmut Döpcke in der Kritik: Der Bürgerverein Lehmheide sieht in Sachen Sauberkeit seit der Einführung des KBKs keine Verbesserungen und fordert mehr Konsequenz bei der Bestrafung von Müllsünden.

Der Kommunalbetrieb Krefeld (KBK) lässt die Bürger des Südbezirks im Stich. Diese Meinung vertreten der Vorsitzende des Bürgervereins Lehmheide, Bernd Albrecht, und die Schriftführerin und designierte Vorsitzende Gudrun Mickerts-Hess. Damit reagieren die beiden im Südbezirk ehrenamtlich Engagierten auf ein Interview, das der Leiter des Kommunalbetriebs Helmut Döpcke unserer Redaktion gegeben hatte. Döpcke hatte darin gesagt, „die vielen Anstrengungen des KBK zeigen erste Erfolge“ und die Arbeit der Mülldetektive würde bei Bürgern und Besuchern „großen Anklang finden“.

„Es wäre schön, wenn die Mülldetektive sich hier bei uns im Südbezirk überhaupt mal blicken lassen würden“, sagt Bernd Albrecht. „Der Südbezirk hat immer noch die selben Müll-Probleme und Schwachstellen, die es vor der Gründung des Kommunalbetriebs auch schon gab. Man sollte meinen, dass nach zwei Jahren KBK und vollmundig verkündeten Maßnahmen im Rahmen des „Helfen und Handeln - Konzepts“, das der Oberbürgermeister sich so gern auf die Fahne schreibt, man mal irgendwann ein Ergebnis sehen könnte, sagt der Vorsitzende, der auch FDP-Bezirksvertreter ist.

Der Vorsitzende des Bürgervereins Lehmheide, Bernd Albrecht, und designierte Nachfolgerin Gudrun Mickerts-Hess diskutieren über das Interview, das Kommunalbetriebs-Leiter Helmut Döpcke unserer Redaktion gegeben hat. Foto: Carola Puvogel

Auch die neuen, erhöhten Bußgelder für Müllsünden sind nach Albrechts Meinung so lange wirkungslos, wie sie nicht tatsächlich auch verhängt werden. „Müllsünder haben doch überhaupt keine Konsequenzen zu befürchten“, meint Gudrun Mickerts-Hess. Als Beispiel nennen die beiden den Container-Standort an der Seyffardtstraße, der dafür berüchtigt ist, dass dort permanent illegale Müllablagerungen stattfinden. „Wenn diese Tatsache doch allgemein bekannt ist, warum wird nicht gezielt kontrolliert, warum postieren sich Mülldetektive und/oder der Kommunale Ordnungsdienst sich dort nicht mal in Zivil, am besten in der Nacht, um die Leute auf frischer Tat zu ertappen und entsprechende Bußgelder zu verhängen?“, fragt Mickerts-Hess. „Das würde sich bestimmt herumsprechen.“

Eine andere Frage, die die beiden Vorstandsmitglieder an Helmut Döpcke richten möchten, ist die, warum der Straßenreinigungsdienst der GSAK es nicht selber übernehmen kann, wilde Müllkippen an die zuständigen Kollegen zu melden. „Warum müssen wir Bürger diesen Job erledigen und über Maak-et oder die Sauberline Kontakt aufnehmen, warum machen das nicht diejenigen, die doch sowieso Sachen Sauberkeit unterwegs sind und dafür bezahlt werden?“, fragt Albrecht. Zwar würden die gemeldeten Müllkippen nach Meldung durch Anwohner relativ schnell entfernt werden. „Das ist aber überhaupt nicht nachhaltig und geht auf Kosten der Allgemeinheit, uns Bürgern, ohne die Verursacher jemals zur Rechenschaft zu ziehen.“

Dass durch den Kommunalbetrieb Zuständigkeiten gebündelt und Probleme dadurch effizienter behoben werden können, wie Döpcke gesagt hatte, glauben die beiden nicht. „Die Idee ist ja hervorragend, aber in der Realität klappt das nicht. Es herrscht doch immer noch ein völliges Durcheinander von Zuständigkeiten, mit dem die Bürger überfordert sind“, sagt Albrecht. „Es gibt ja nicht nur Maak-et und die GSAK, sondern auch noch den Kommunalen Ordnungsdienst, der manchmal zuständig, aber oft schlecht erreichbar ist, die Polizei erklärt sich häufig nicht für zuständig, der Bürger, der etwas melden will, gibt am Ende auf“, berichtet Gudrun Mickerts-Hess, die selber diese Erfahrung schon gemacht hat.

Die beiden Bürgervereins-Vorstände kritisieren auch die Gleichgültigkeit vieler Bewohner des Südbezirks, merken aber gleichzeitig an, dass die Müllregeln vielen Menschen möglicherweise gar nicht bekannt sind oder aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse nicht verstanden werden. „Die Müllbroschüre ist viel zu kompliziert. Und die Verteilung hat im Südbezirk auch nicht besonders gut geklappt“, sagt Bernd Albrecht. Weder er noch Gudrun Mickerts-Hess haben in diesem Jahr eine Broschüre zugestellt bekommen. Beide meinen, dass mehr Aufklärung in Sachen Müllentsorgung stattfinden müsste, am besten in vielen Sprachen. „Wahrscheinlich sind manche Mitbürger sich gar nicht bewusst, dass es nicht erlaubt ist, den Müll einfach irgendwo abzustellen.“ Wie berichtet, hatte auch schon Bezirksvorsteherin Gisela Brendle-Vierke einen Vorstoß in diese Richtung gemacht. Sie plant, einen Müllflyer herauszubringen, der die Regeln in einfachen Worten und in mehreren Sprachen darlegt.

„Es kann nicht immer nur um die Innenstadt gehen“, sagt Albrecht. „Ich meine, dass die Mülldetektive auch raus in die Stadtteile müssen, einmal pro Woche durch die Bezirke gehen und sich um Meldungen voller Container und wilder Ablagerungen kümmern“, ergänzt Mickerts-Hess. „Und es müssten von städtischer Seite auch mal die Eigentümer privater Grundstücke angeschrieben werden, wenn diese, wie zum Beispiel an der Alte Gladbacher Straße, total vermüllt sind“, meint Albrecht. „Oder die Stadt könnte mit ihren eigenen Grundstücken schon mal anfangen und zum Beispiel die Brachfläche „Alte Post“ am Hauptbahnhof vom Müll befreien“, regt Bezirksvorsteherin Gisela Brendle-Vierke an.

Der Bürgerverein Lehmheide schlägt dem KBK als Denkanstoß für Nachhaltigkeit ein Drei-Punkte-Müll-Programm vor: 1. Aufklärung, 2. Kontrolle und 3. Infrastruktur. „Die Bürger müssen die Müllregeln verstehen, man könnte schon bei den Kindern damit anfangen“, sagt Albrecht. „Kontrollen müssen stattfinden und Müllsünden konsequent bestraft werden.“ Und drittens schlägt der Bürgervereinsvorsitzende vor, dass in die Infrastruktur kräftig investiert wird, und zwar mit zusätzlichen Hundekotstationen, mehr Müllgefäßen und engerer Taktung der Leerungsrhythmen.