1. NRW
  2. Städte
  3. Krefeld

Krefeld braucht 3000 Sozialwohnungen

Wohnungsnot : Krefeld braucht 3000 Sozialwohnungen

Bis 2030 werden in Krefeld rund 3000 Sozialwohnungen gebraucht. Fatal: Die Investitionen für Neubauten verlaufen schleppend, die Bedingungen sind wenig attraktiv. Das soll sich ändern.

Krefeld steuert auf einen empfindlichen Mangel an Sozialwohnungen zu. Mittelfristig werden in der Stadt rund 3000 neue Sozialwohnungen gebraucht – vorausgesetzt, der Flüchtlingsstrom schwillt nicht irgendwann wieder an. Parallel dazu  werden zu wenige Sozialwohnungen gebaut, weil die Bedingungen für Investoren lange Zeit schlecht waren: „Geförderter Mietwohnungsbau war viele Jahre nicht hinreichend attraktiv für Investoren, da die technischen Vorgaben und das Antragsverfahren als zu aufwendig angesehen wurden“, erklärte eine Stadtsprecherin dazu auf Anfrage. Zudem habe die Niedrigzinspolitik dazu geführt, dass das Interesse an zinsverbilligten Darlehen im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus nachgelassen habe.

Neben den aktuell 426 bei der städtischen Wohnraumvermittlungsstelle als wohnungssuchend registrierten Haushalten leben in städtischen Unterkünften und Wohnungen derzeit rund 600 anerkannte Asylbewerber in rund  200 Haushalten, die auf dem Wohnungsmarkt - trotz Unterstützung von Sozialarbeitern und Ehrenamtlern - keine bezahlbare Wohnung finden.

Darüber hinaus fallen bis 2030 exakt 1277 Wohnungseinheiten aus der Sozialbindung. „Soweit der gültige Regionalplan für Krefeld aus dem Jahr 2017 von mittelfristig 9300 fehlenden Wohnungseinheiten insgesamt ausgeht, wird davon ausgegangen, dass ein Drittel – mithin rund 3000 Sozialwohnungen – mittelfristig zur Versorgung der Bevölkerung mit preisgünstigem Wohnraum erforderlich sind“, rechnet die Stadt vor.

Ein weiterer Faktor für den künftigen Bedarf sind weltpolitische Entwicklungen, die zu neuen Flüchtlingsströmen führen könnten.

Aktuell gibt es in Krefeld 5.753 Wohnungen  mit Sozialbindung. Im Jahr 2019 wurden vier Mieteinfamilienhäuser mit 74 Wohnungen mit öffentlichen Mitteln gefördert.  In den kommenden Jahren erhöht sich die Anzahl der öffentlich geförderten Wohnungen, die nicht weiter der Sozialbindung unterliegen, kontinuierlich. Von 79 Wohnungen bis Ende 2020 erhöht sich die Anzahl auf 164 Wohneinheiten bis Ende 2023 über 250 Wohneinheiten bis 2025 auf 1277 Wohneinheiten zum 31.12.2030. „Insofern stellt sich bereits zum jetzigen Zeitpunkt heraus, dass insbesondere in der zweiten Hälfte des neuen Jahrzehnts ein erheblicher Verlust an Sozialwohnungen zu verkraften ist“, erläutert die Stadt.

Wichtigster Investor für Sozialwohnungen ist Wohnstätte Krefeld AG als Tochter der Stadt. Die Stadt hofft, dass sich künftig auch vermehrt andere Investoren finden. „Die Förderprogramme wurden flexibler und finanziell interessanter gestaltet. So kommen immer häufiger private Investoren auf die Behörde zu und lassen sich beraten“, berichtet eine Stadtsprecherin. Allerdings erforderten Anträge für größere Mietobjekte einen langen Vorlauf in der Planung, so dass sich das erhöhte Interesse in 2019 noch nicht in den Bewilligungszahlen nieder geschlagen hat.

Um bedarfsgerechte Wohnungsangebote zu schaffen, sollen im Rahmen einer ganzheitlichen Planung die Erkenntnisse aus einer zu stärkenden Sozialplanung in die Stadtentwicklungsplanung einfließen. Bei der Planung sind neben gesamtstädtischen Aspekten auch die Besonderheiten der verschiedenen Stadtteile und Quartiere zu berücksichtigen.

Der Rat der Stadt Krefeld hat im Jahr 2017 beschlossen, dass an allen größeren Standorten mit mehr als 100 Wohneinheiten ein größerer Anteil an preisgebundenem Wohnraum zur Versorgung der Bevölkerung anzustreben ist. Im gleichen Ratsbeschluss wird darauf hingewiesen, dass in vielen Städten des Landes ein Anteil von 30 Prozent preisgebundenem Wohnraum vorausgesetzt wird.

In Abhängigkeit von der Flächenentwicklung wird mit größeren Investoren beziehungsweise Bauträgern ein städtebaulicher Vertrag geschlossen, der die jeweils festgelegte Quote beinhaltet.