Krefeld: Bockumer Sängerbund stellt Karnevalsrevue ein

Krefelder Chorleben : Sängerbund will künftig nur noch singen

Der Bockumer Sängerbund ist im Wandel: Er will sich nur noch auf Konzerte konzentrieren. 2019 gibt er seine letzte Karnevalsveranstaltung.

Seit 1884 gehört der Sängerbund zu Bockum. Während andere Männerchöre Mitgliedersorgen haben, wächst dieser Chor. Bislang letzte Zugänge sind die rund 20 Sänger des Uerdinger Männergesangsvereins, mit dem seit drei Jahren eine Kooperation besteht. Damit kann die Sängergemeinschaft mit bis zu 60 Mitgliedern bei Konzerten auftreten.

„Das ist auch nötig. Es gibt immer Ausfälle. Andererseits braucht es auch ausreichend Stimmkraft, um einen Saal wie das Seidenweberhaus klanglich zu füllen. Wir singen ja ohne Verstärkung“, sagt der zweite Vorsitzende des Vereins, Wilfried Heimbach. Diese Konzerte sollen zukünftig auch im Mittelpunkt stehen. Es gibt etliche Neuerungen. Das jährliche Highlight, das Weihnachtskonzert im Seidenweberhaus wird bleiben. In diesem Jahr findet es letztmals unter Leitung von Stephan Krings statt. Der hatte im Sommer aus beruflichen Gründen seinen Rücktritt verkündet. Ihn ersetzt der bisherige Uerdinger Chorleiter Axel Quast.

Der 52 Jahre alte gebürtige Hamburger ist in der Szene hoch angesehen und betreut viele profilierte Chöre wie den Duisburger Polizeichor, mit dem er alljährlich ein Konzert in der stets ausverkauften Mercatorhalle in Duisburg gibt. Genau dieses kollidiert terminlich aber mit dem Weihnachtskonzert der Bockumer am 2. Dezember, so dass Krings, der den Chor 20 Jahre leitete, noch einmal einspringt.

Letztmals werden die Sänger im Februar ein Teil des Krefelder Sitzungskarnevals sein. 70 Jahre lang veranstalteten sie eine hochkarätig besetzte Karnevalsrevue und einen Karnevalistischen Hausfrauennachmittag. Damit ist nun Schluss. Für den neuen Vorsitzenden Karl Müller ein Abschied mit zwei weinenden Augen. Der Krefelder Karnevalsprinz von 1997 ist dem Karneval tief verbunden. Doch die Sänger konstatieren, dass die Welt im Wandel ist. „Unser Publikum wird wie wir älter. Wir merken, dass immer mehr Plätze leer bleiben. Wir wollen nicht irgendwann vor einem halb leeren Saal aufhören. Darum machen wir jetzt einen sauberen Schlussstrich“, sagt Müller.

Überhaupt sind die Sänger im Wandel. Im Sommer verstarb der langjährige erste Vorsitzende Mathias Meyer. Ihn beerbte Müller. Das Vereinsheim nebst Probenraum lag 40 Jahre lang im Haus Mormels, das nun ebenfalls schließt und nur noch für einzelne Veranstaltungen zur Verfügung steht. Eine neue Heimat fanden die Sänger im „Bockumer Treff“ auf dem Gelände des TSV Bockum. „Hier sind die Bedingungen hervorragend. Wir wurden toll aufgenommen“, sagt der Vorsitzende. Künftig wird hier für Konzerte wie Weihnachtskonzert oder eine Veranstaltung am Bockumer Platz am letzten Schultag vor den Sommerferien geprobt. Die Sänger sind im Schnitt eher älter – müde sind sie aber keineswegs. „Wir können alle noch singen“, sagt Müller.

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