Krefeld: Bilanz von IHK, Handwerk und Agentur für Arbeit zum Ausbildungsmarkt

Bilanz von IHK, Handwerk und Agentur für Arbeit : Ausbildung: „Auch schwächeren Bewerbern eine Chance geben“

IHK und Kreishandwerkerschaft melden zum neuen Lehrjahr mehr Azubis, die Agentur für Arbeit dagegen einen Rückgang. Viele Stellen sind noch unbesetzt.

IHK, Agentur für Arbeit und Kreishandwerkerschaft haben am Mittwoch die Lage zum Ausbildungsmarkt präsentiert und kamen zu unterschiedlichen Resumes für Krefeld: Die Agentur für Arbeit berichtet zwar über ein größeres Angebot an Lehrstellen, dafür aber über einen Rückgang an Ausbildungssuchenden. Demnach hätten sich 4103 Bewerber gemeldet, etwa 400 weniger als im Vorjahr. Dafür gebe es nun 320 Lehrstellen mehr, insgesamt 3902. Das habe zumindest den Vorteil, dass die Bewerber nun mehr Auswahl hätten. Doch das heißt nicht, dass jeder eine Stelle findet: Über 400 Ausbildungsplätze sind noch unbesetzt. Es gelte besonders, junge Leute besser anzusprechen, sagt Bettina Rademacher-Bensing (Agentur für Arbeit) und empfiehlt den Betrieben, ebenso auf ältere und schwächere Bewerber zu setzen, „auch wenn sie nicht ins Idealbild passen“, das Arbeitsamt unterstütze bei der Qualifizierung.

Während die IHK in Mönchengladbach, Neuss und Viersen Rückgänge bei den neuen Auszubildenden im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet, wurden in Krefeld mehr Lehrstellen vergeben: 1112 Menschen traten zum 30. September ihren Ausbildungsplatz an, ein Zuwachs von 3,2 Prozent. So gibt es zwar weniger Azubis bei den kaufmännischen Berufen, allerdings würden Metall-, Elektro- und Chemiebranche immer beliebter werden, genauso wie der IT-Bereich, der aber hohe Anforderungen mit sich bringe. Hier gebe es deshalb nach wie vor rund 700 unbesetzte Stellen. Petra Pigerl-Radtke von der IHK plädoyiert deshalb an Schulabgänger mit Abitur, eine Ausbildung in Betracht zu ziehen: die Aufstiegschancen seien groß, das Lebenseinkommen höher als mit abgeschlossenem Studium. IHK-Geschäftsführer Jürgen Steinmetz wünscht sich von Unternehmen wie Bewerbern mehr Flexibilität, nur so könne der Fachkräftemangel überwunden werden.

Das Handwerk boome noch immer, freute sich Klaus Koralewski von der Kreishandwerkerschaft Niederrhein. Die Image-Kampagnen würden Wirkung zeigen. In Krefeld, Viersen und Neuss wurden so rund 1500 neue Azubis, etwa acht Prozent mehr als im Vorjahr, eingestellt. Insbesondere Dachdecker, Metallbauer, Tischler oder Sanitär- und Heizungsbauer bilden in diesem Jahr deutlich mehr Jugendliche aus als zuletzt. Die einbrechende Konjuktur dürfte nach eigenen Aussagen aber auch das Handwerk bald treffen und sich auf die Zahlen auswirken. Koralewski fordert deshalb ein Ende des „Akademisierungswahns“: „Mir hat man gesagt: Lern’ was Vernünftiges, studieren kannst du immer noch“, sagte er.

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