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Krefeld: Bezirksvorsteherin kämpft gegen wilde Müllkippen im Südbezirk

Wilde Müllkippen in Krefeld : Migranten sollen Müll-Entsorgung lernen

Ein Flyer mit einfachem Text in verschiedenen Sprachen soll Migranten helfen, das Krefelder Müllentsorgungs-System zu verstehen.

Der Kampf gegen wilde Müllkippen im Südbezirk erinnert an die Geschichte vom Wettlauf zwischen dem Hasen und dem Igel: Egal, wie sehr sich die GSAK bemüht – kaum ist ein Haufen weggeräumt, taucht an anderer Stelle schon wieder neuer Unrat auf. Ein Müll-Flyer in einfacher Sprache soll nun Abhilfe schaffen. Mit ihrer Initiative will Bezirksvorsteherin Gisela Brendle-Vierke versuchen, die Bewohner ihres Bezirks für die geltenden Krefelder Entsorgungsregeln zu sensibilisieren.

„Wir arbeiten an der Einstellung unserer Mitbürger zur Müllentsorgung und hoffen, dass ein gut verständlicher Flyer mit einfachem Text in den verschiedenen, hier im Bezirk gebräuchlichen Sprachen, Hilfestellung geben wird“, sagt die Bezirksvorsteherin. Aktuell ist es im Südbezirk Alltag, dass Hausmüll und Sperrmüll vielerorts im öffentlichen Raum abgeladen werden. Konsequenzen oder einen Lerneffekt für die Verursacher hatte das bislang nicht: Denn nach Meldung über die „Sauberline“ oder „Maak-et“ durch andere Bürger wird der Müll ja irgendwann einfach abgeholt.

Gisela Brendle-Vierke ist Bezirksvorsteherin im Südbezirk. Foto: Carola Puvogel

Brendle-Vierkes Plan ist es, im Frühjahr den neuen Müll-Flyer in Umlauf zu bringen. Und zwar nicht nur auf Deutsch, sondern in einer Reihe von Übersetzungen: „Ich denke an Bulgarisch, Rumänisch, Türkisch, Arabisch und Romanes, das ist die Roma-Sprache“, sagt Brendle-Vierke. Der Fachbereich Integration habe bereits zugesagt, den Flyer in die verschiedenen Sprachen zu übertragen. Den Text hat die Bezirksvorsteherin selber entworfen. Darin werden in sehr schlichten Worten die vier Kategorien Hausmüll, Sperrmüll, Sondermüll und Hundekot erklärt  – und wie man den jeweiligen Müll richtig entsorgt.  Außerdem gibt es die wichtigsten Telefonnummern, zum Beispiel für die Anmeldung von Sperrmüll und die Meldung von wilden Müllkippen. Der Flyer endet mit einem Appell an die Bürger: „Wir wollen wieder stolz sein auf unsere saubere Stadt Krefeld – Solidarität und Rücksichtnahme von allen Bürgerinnen und Bürgern gehören dazu!“, schreibt Gisela Brendle-Vierke als Schlusssatz.

Der Müll-Flyer soll als Leporello gedruckt werden. Einen Sponsor für die Druckkosten will die 71-Jährige noch auftreiben. Die Informationsschrift soll über verschiedene Kanäle unter die Südbezirks-Bewohner gebracht werden. „Sie soll zum Beispiel über die Bezirksverwaltungsstelle an die Bürger abgegeben werden, die sich neu anmelden oder mit einem anderen Anliegen dort vorsprechen“, sagt Brendle-Vierke. Ebenso will sie die Informationsschrift über Kitas und Schulen in Umlauf bringen. Einige Kindertagesstätten arbeiten bereits intensiv mit den Kindern zum Thema Recycling und Müllvermeidung (wir berichteten), auch, um über die Kinder an die Eltern heranzukommen und so für ein besseres Umweltbewusstsein zu sorgen. „Die Vereinigung der Roma hat ein Büro im Südbezirk und zugesagt, dass sie den Flyer verteilen“, so Brendle-Vierke.

Brendle-Vierke meint, dass das Müllmagazin der GSAK, das einmal pro Jahr an jeden Krefelder Haushalt verteilt wird, und dem die Regeln für die Entsorgung der einzelnen Müllsorten sowie Abfuhrtermine und vieles mehr zu entnehmen sind, viel zu kompliziert ist: „Diese Broschüre ist unmöglich und an Unübersichtlichkeit kaum zu überbieten.“ Sie kritisiert aber auch die Bürger im Südbezirk: „Das Bewusstsein der Bürger über die ordnungsgemäße Entsorgung von nicht mehr benötigten Dingen ist nicht vorhanden“, meint Brendle-Vierke. Und mit Blick auf die vielen Menschen mit Migrationshintergrund, die im Südbezirk leben: „Bei manchen Menschen, die mit uns leben, ist Wissen über den Umgang mit unseren Müllregeln auch aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse nicht gegeben.“ Oder möglicherweise auch, weil in den Herkunftsländern ganz andere Regeln gelten und es dort Standard ist, unsortierten Abfall zum Beispiel an zentralen Containerstandorten abzulegen. Nicht jedes europäische Land hat eine Müllabfuhr, die so organisiert ist, wie in Deutschland, wo die Mülltonne vor jeder Haustür abgeholt wird.

Der Südbezirk einige Standorte wilder Müllkippen, die berühmt-berüchtigt sind. Dazu zählen der Recycling-Container an der Seyffardtstraße, Grünflächen an der Krahnenstraße und so ziemlich jedes Baumbeet an der Gladbacher und an der Kölner Straße.