Krefeld: Beethovens "Eroica" als Version für Klavierquartett

Krefelder Burgserenade : „Eroica“ in Quartettversion — hervorragend

Bei der dritten Burgserenade der Saison glänzte das Mozart Piano Quartet mit einem anspruchsvollen Programm. Es gab durchaus Ungewöhnliches.

Böhmische Musizierfreude und Wiener Charme kombinierte Antonin Dvorák im dritten Satz seines Es-Dur-Klavierquartetts zu einer Mischung, die für ihn durchaus typisch ist. Aber davon abgesehen, ist dieses Werk für den tschechischen Komponisten eher ungewöhnlich. In den anderen drei Sätzen sind Energie und Spannung wichtiger als romantisches Schwelgen; Transparenz hat Priorität vor sinnlichem Klang.

Wie sich Dvoráks kompositorische Konzept überzeugend realisieren lässt, war in der Serenade in Burg Linn vorbildlich zu hören. Das Mozart Piano Quartet spielte von Anfang an mit durchdachter Intensität. Nicht bombastischer Klang hatte Priorität, sondern Spannungsaufbau. Im Finale wurde „Allegro ma non troppo“ zu Recht nicht als Aufforderung zur Trägheit missverstanden. Die – im positiven Sinn – innere Nervosität blieb bis zum Schluss erhalten.

Beethovens ebenfalls in Bonn geborener Zeitgenosse Ferdinand Ries (1784 – 1838) hatte seinerzeit dessen dritte Sinfonie, die „Eroica“, für Klavierquartett bearbeitet. So etwas war damals allgemein üblich. Tonträger gab es noch nicht, und Bearbeitungen für Klavier oder kleine Besetzungen ermöglichten das Kennenlernen von Werken, ohne dass gleich ein ganzes Sinfonieorchester antreten musste. Macht es im Zeitalter von CD und Internet heute noch Sinn, solche Bearbeitungen life vorzustellen?

Ohne Zweifel: ja! Das lässt sich nach dem dritten Serenadenkonzert der Saison eindeutig feststellen. Denn man spielt ja nicht einfach eine Sinfonie mit weniger Musikern als üblich, sondern man steht vor einer neuen, einer kammermusikalischen Herausforderung. Es kommt darauf an, dass nicht das Bekannte dünner klingt, sondern dass eine eigene, neue und reizvolle Qualität entsteht.

Was das Arrangement betrifft, so ist dies Ries mit seiner Bearbeitung gelungen. In den ersten drei Sätzen lässt er das Klavier allein beginnen, so dass sich der weitere Fortgang wie aus einer Zelle entwickelt. Reizvoll klingt im letzten Satz die Kombination der virtuosen Klavierfiguren mit dem Pizzicato der Streicher. Hervorragend gelang Paul Rivinius (Klavier), Mark Gothoni (Violine), Hartmut Rohde (Viola) und Peter Hörr (Violoncello) die Wiedergabe . Hier spielten vier souveräne Musiker, die glänzend miteinander harmonierten.

Mit langem, herzlichen Beifall dankten die Zuhörer im ausverkauften Rittersaal und machten zugleich deutlich, dass sie gern noch eine Zugabe gehört hätten. Sie hatten aber auch Verständnis, dass es nicht mehr dazu kam. Zum einen hatten sich die Musiker in einem sehr anstrengenden Programm schon bewundernswert eingesetzt. Und: Was hätte nach diesem Programmschluss denn als Nachschlag noch gepasst?

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