Krefeld: Baum-Kunst im Uerdinger Stadtpark

Aus den Stadtteilen : Baum-Kunst im Stadtpark

Eine Projektgruppe des Stadtpark-Gymnasiums zeichnet für die Objekte verantwortlich.

Wer derzeit im Uerdinger Stadtpark spazieren geht, der staunt oft nicht schlecht, denn an vielen Stellen, an Bäumen, liegenden Baumstämmen oder anderen Oberflächen finden sich plötzlich Kunstwerke. Es handelt sich um farbenfrohe Darstellungen ebenso wie einfarbige Figuren, die mit Ton auf die Bäume aufgebracht wurden, sowie Installationen in Astgabeln oder einfache, abstrakte Darstellungen.

Zugange waren hier aber keine Graffiti- oder Guerilla-Künstler, sondern Mitglieder eine Projektgruppe des Gymnasiums am Stadtpark. Die Arbeiten hatten das Thema „Land Art“. Dieser Trend, der übersetzt so viel wie „Landkunst“ bedeutet, entstand in den 60er Jahren und passt in seiner Denkweise perfekt in die heutige Zeit. Erstellt werden nämlich keine transportablen Kunstwerke, die im weitesten Sinne den Konsumgütern zuzuzählen sind, sondern Kunst für sich, die auch jedem Menschen, der am entsprechenden Ort vorbeikommt, gleichermaßen zu Gute kommt.

Zwei Vögel  einträchtig nebeneinander. Wer aus den anderen Richtungen auf den Baum zu läuft, sieht jedoch nur ein Tier. Foto: Bärbel Kleinelsen

Die Schüler des Stadtpark-Gymnasiums durften bei dem Projekt ihrer Kreativität vollkommen freien Lauf lassen. Unterstützung bekamen sie dabei nicht nur von ihren Lehrern, sondern auch von Mitarbeitern und Auszubildenden des Kommunalbetriebs Krefeld. So entstanden unter anderem ein farbenfroher Papagei auf einer Stehle. Die jungen Künstler formten aber auch aus Ton Umrissdarstellungen von Vögeln an den Stämmen einiger Bäume oder gestalteten eine Astgabel mit Hilfe quer gespannter Stangen zu einer Harfe um.

Schüler des benachbarten Gymnasiums gestalteten im Rahmen einer Projektwoche diese Baum-Kunst. Foto: Bärbel Kleinelsen

Eine besonders interessante Installation ist dabei ein einfacher grob-kreisförmiger Umriss mit einem Umfang von 35 Metern. Was auf den ersten Blick äußerst unscheinbar daher kommt, stellt den genauen Umriss eines real existierenden Mammutbaumes dar. In den kommenden Tagen oder Wochen soll hier, genau in der Mitte des  Umrisses, ein junger Mammutbaum gepflanzt werden und über die Jahrhunderte in den Umriss hinein wachsen und diesen idealerweise in 1000 Jahren zur Gänze ausfüllen.

Damit setzten die  Schüler unter dem Strich eine Weisheit des indischen Dichters Rabindranath Tagore künstlerisch um. Ihm wird nämlich der Ausspruch zugesprochen: „Wer Bäume setzt, obwohl er weiß, dass er nie in ihrem Schatten sitzen wird, hat zumindest angefangen, den Sinn des Lebens zu begreifen.“ Dieser Schatten eines großen Baumes wird, so hoffen die Schüler, im Jahr 3000 möglichst viele Besucher des Stadtparks an heißen Tagen beglücken.

Auf dem Weg zum Arboretum ist dieser Vogel zu sehen. Foto: Bärbel Kleinelsen
Wie ein Märchenbild sieht diese Land Art auf einem Baumstamm aus. Foto: Bärbel Kleinelsen
Ein farbenfroher Papagei steht neben dem Spielplatz. Foto: Bärbel Kleinelsen

Wie viele Arbeitsstunden die Schüler in ihr Projekt gesteckt haben, ist nicht verzeichnet. Sie hoffen aber, dass ihre Kunstwerke einige Zeit überdauern. Im Falle des Mammutbaumes, wie erwähnt, im Idealfall mehr als ein Jahrtausend. Damit wäre der Baum sicherlich die beste Verkörperung des Gedankens der Land Art. Nämlich, dass diese nicht transportabel ist und nicht in einem Atelier ausgestellt werden kann. Wer Land Art bestaunen will, der muss sich an den Ort des Geschehens begeben und vor Ort das Kunstwerk auf sich wirken lassen. Umso schöner, wenn sich diese dann in einem schönen Park wie dem Uerdinger Stadtpark befindet.