Krefeld: Autorin Seyran Ates diskutiert über Homosexualität im Islam

Diskussion zum „Roze Zaterdag“ : Moschee-Gründerin kommt nach Krefeld

Seyran Ates kann nur mit Personenschutz das Haus verlassen. Die Rechtsanwältin und Autorin tritt für einen liberalen Islam ein. In Krefeld diskutiert die Imamin über das Thema „Homosexualität“.

Seyran Ates ist eine mutige Frau. Fast täglich erhält sie Morddrohungen, kann ohne Personenschutz nicht das Haus verlassen. Die Rechtsanwältin mit türkischen und kurdischen Wurzeln vertritt eine Meinung, die polarisiert. Sie setzt sich für einen liberalen Islam ein und gründete 2017 in Berlin die Ibn-Rushd-Goethe-Moschee, in der Männer und Frauen gemeinsam beten. Am 24. Januar wird die Imamin nach Krefeld kommen und an einer Podiumsdiskussion zum Thema „Homosexualität“ teilnehmen.

Von ihren Kritikern lässt sich die 55-Jährige trotz aller Drohungen nicht das Wort verbieten. Ihr Ziel ist es, den Islam von innen zu reformieren. Ein erster Schritt ist die Moschee in Berlin-Moabit. Dazu sagt Seyran Ates: „Die neue Moschee in Berlin soll eine spirituelle Heimat sein vor allem für jene Frauen und Männer, die sich in traditionellen Moscheen nicht wohlfühlen und die sich nicht mehr vorschreiben lassen wollen, wie sie ihre Religion zu leben haben. Toleranz, Gewaltfreiheit und Geschlechtergerechtigkeit sollen im Vordergrund stehen.“

Um Geschlechtergerechtigkeit geht es auch am „Roze Zaterdag“ (Rosa Samstag), den Venlo und Krefeld am 29. Juni gemeinsam feiern wollen. In den Niederlanden wird dieses Event seit über 40 Jahren begangen. Mit der bunten Veranstaltung wird für mehr Toleranz gegenüber Lesben, Schwulen, Bi-, Trans-, Inter- und Quersexuellen geworben. Im Vorfeld laufen zahlreiche Veranstaltungen in beiden Städten. Eine der hochkarätigsten ist dabei die Podiumsdiskussion mit Seyra Ates in der Krefelder Mediothek. Ab 20 Uhr wird dort die Frage diskutiert: „Ist der Islam mit Homosexualität vereinbar?“.

  • Kulturelle Vielfalt : Interkulturelle Woche: Mitmachen erwünscht
  • Fit in den Frühling : Bogenschießen und Fechten in der VHS
  • Zahlen und Fakten : Fachkräftemangel ist für viele Firmen ein großes Problem

Ein klares Ja kommt von Ates, die diesen Ansatz in der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee bereits praktiziert. In den Räumlichkeiten in einem Nebengebäude einer evangelischen Kirche dürfen homosexuelle Menschen ihren Glauben ausüben, werden sogar ausdrücklich willkommen geheißen. Genauso wie Schiiten, Aleviten und Sufis. Der liberale Islam schließt keinen aus.

„Es freut mich sehr, diese interessante Frau für die Diskussion gewinnen zu können“, sagt Aids-Koordinatorin Harriet Fischer aus dem Fachbereich Gesundheit. Eine zweite Muslima auf dem Podium ist die Leiterin des Kommunalen Integrationszentrums, Tagrid Yousef. Sie sagt: „Ich kenne die Thematik sehr genau, weil sie auch in Gesprächen, die ich führe, vorkommt. Sie wird im Islam tabuisiert, Toleranz und Akzeptanz für Homosexuelle stehen dabei hinten an. Allein die Reaktionen auf Facebook zu der Podiumsdiskussion haben gezeigt, welche Brisanz hinter der Frage steckt.“

Eine theologische Position wird der Islamwissenschaftler Hakki Arslan bekleiden. Und der Flüchtling Ibrahim Mokdad vom Verein „rubicon Köln“ schildert seine Erlebnisse. Harriet Fischer, bei der kostenlose HIV-Tests möglich sind, weiß aus vielen Beratungsgesprächen, dass Muslime das Thema sehr reserviert angehen. „Wer sich offen bekennt, wird bis hin mit dem Tod bedroht.“

Der Eintritt zu der Diskussion ist frei. Eine Anmeldung ist notwendig, und zwar bis Mittwoch, 23. Januar, an harriet.fischer@krefeld.de oder telefonisch unter 02151 863524.

Mehr von RP ONLINE