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Krefeld: Ausstellung im Museum Kunstpalast zu Heinrich Nauen und Carl Lauterbach

Ausstellung im Museum Kunstpalast : Carl Lauterbach – Nauens Meisterschüler

Die Ausstellung „Junges Rheinland“ im Museum Kunstpalast in Düsseldorf hält den Scheinwerfer auf den Krefelder Künstler Heinrich Nauen. Auch dessen Rolle als Lehrer wird beleuchtet. Sein erster Meisterschüler an der Kunstakademie war Carl Lauterbach. Dessen Arbeiten werden ebenfalls präsentiert.

Heinrich Nauens erster Meisterschüler war mindestens so umstritten, wie der Lehrer selbst in seiner Rolle als Professor aus Krefeld an der Kunstakademie Düsseldorf. Carl Lauterbach studierte seit dem Wintersemester 1924 Malerei in der Landeshauptstadt und galt später eine Zeit lang als gnadenloser Opportunist, der sich mit den Nazis arrangierte, aber sich nach dem Zweiten Weltkrieg als verkappter Widerständler gerierte.

Die Bedeutung des bekannten Krefelder Künstlers für die Lehre an der Kunstakademie und die Biografie seines Meisterschülers Lauterbach erhellen noch bis zum 10. Juni die Ausstellung im Museum Kunstpalast zum Jubiläum 100 Jahre Junges Rheinland und der dazu erschienene Katalog. Lauterbach wird in seiner politischen Gesinnung gleichsam in weiten Teilen rehabilitiert, und der Rheinische Expressionist Nauen als Wegbereiter der  modernen und fortschrittlichen Entwicklung der Kunstakademie beschrieben.

Die heute Weltruf genießende Staatliche Kunstakademie galt vor dem Jahr 1921, in dem Nauen seine Professur annahm, als verknöcherte, stockkonservative Einrichtung, die vor allem  bei den Mitgliedern der Künstlervereinigung Junges Rheinland kein Wohlwollen erfuhr. Demzufolge wurde Nauens Professur argwöhnisch verfolgt. Mit Spott, Häme und Beleidigungen sparten die in der Regel viel jüngeren Künstlerkollegen des Jungen Rheinlands nicht.

Carl Lauterbachs Bild der „antifaschistischen Jugend“. Foto: Norbert Stirken

„1921 übernahm Nauen eine Professur an der Kunstakademie, die vehemente Kritik im Vorstand des Jungen Rheinland auslöste. Gert H. Wollheim, Adolf Uzraski, Ludwig ten Ompel, Bernhard Sopher und Arthur Kaufmann warfen ihm ,Verrat an der jungen Künstlerschaft’ vor, da Nauen  versprochen hätte, nicht unter dem amtierenden Akademiedirektor Fritz Roeber zu unterrichten“, beschreibt Anne Rodler die Stimmung seinerzeit in dem Kapitel „Unter Freunden und Feinden: Heinrich Nauen und sein künstlerisches Netzwerk“ im Ausstellungskatalog. Als Konsequenz der Verhöhnung seiner Kollegen trat Nauen noch im selben Jahr zum dritten und damit letzten Mal aus dem Jungen Rheinland aus.

Gesellschaftskritik mit einem Bild einer Arbeiterfamilie. Foto: Norbert Stirken

Die missgünstigen Kollegen ruderten ein Jahr später zurück. In der Juli-Ausgabe ihrer eigenen Publikation erklärten sie den „Nauen-Streit“ für beigelegt. Sie hatten wohl eingesehen, dass der Reformstau an der Kunstakademie nicht zuletzt dank Nauens Engagement sich langsam aufzulösen begann. Mit der Berufung von Walter Kaesbach zum Akademiedirektor startete 1924 die innovative Phase, an der neben Nauen auch der Krefelder Heinrich Campendonk, Ewald Mataré aus Meerbusch sowie Paul Klee, Oskar Moll und Alexander Zschokke als Lehrende wichtigen Anteil hatten. Sie ließen die Akademie aufblühen. Alle wurden später von den Nationalsozialisten beurlaubt oder ihrer Ämter enthoben beziehungsweise aus ihnen vertrieben.

Mit Stillleben eckte er im Nationalsozialismus nicht an. Foto: Norbert Stirken

Lauterbach war um 1928 Nauens erster Meisterschüler. Der junge Maler und Zeichner gehörte zu den Künstlern im Umfeld der legendären Düsseldorfer Geschäftsfrau und Galeristin Johanna Ey. Er war bei seiner Aufnahme 1925 mit 20 Jahren das jüngste Mitglied im Jungen Rheinland. Stilistisch ließ er sich weder von dem extrovertierten Gert H. Wollheim noch von seinem Lehrer Nauen wesentlich beeinflussen. Lauterbach sah sich als politischer Künstler, der die damaligen gesellschaftlichen Zustände verarbeitete. 1924 entstand das Bild einer „sentimentalen Arbeiterfamilie“, die traurig und mit verhärmten Gesichtern aus einem Sprossenfenster schaute. Später malte er „antifaschistische Jugendliche“,  bergische Arbeiter und Porträts von „linksgerichteten Politikern“.

Lauterbach war „anders als viele seiner Künstlerfreunde in der Lage, während der Zeit der Nazidiktatur zu überleben“, schreibt Kay Haymer in dem Kapitel „Carl Lauterbach: Zwischen Widerstand und Anpassung“ im Ausstellungskatalog. Lauterbach wie auch Nauen malten zu der Zeit unter anderem „unverfängliche Stillleben“. Für Nauen, der stark von der Malerei des französischen Spätimpressionismus geprägt war, keine Verleugnung seiner selbst. Für Lauterbach hingegen waren die in leuchtenden Farben geschilderten Landschaften und Stillleben zuvor nur von begrenztem Interesse. Er bevorzugte in erster Linie Porträts und Figurendarstellungen.

Aus heutiger Sicht erscheine es problematisch, Lauterbach aufgrund einer scheinbaren Anpassung an die Situation moralisch zu verurteilen, zumal er in der Phase seiner inneren Emigration auch zahlreiche Zeichnungen für die Schublade geschaffen hat, in denen er das tägliche Unrecht der Naziherrschaft bezeugte, betonte Haymer.