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Krefeld: Aufnahmestopp im Tierheim - „Wir wissen nicht, wohin mit den Tieren“

„Wir wissen nicht, wohin mit den Tieren“ : Aufnahmestopp im Tierheim

Mehr als 120 Katzen und Hunde leben derzeit im Krefelder Tierheim am Flünnertzdyk – zu viel für die Tierschützer. Sie stoßen an ihre Kapazitätsgrenze und stoppen ab sofort die Aufnahme. Das sorgt für Ärger.

Tiere sind „keine Gegenstände, die sich unbegrenzt stapeln lassen“. Mit dieser Aussage verkündet das Tierheim-Team Krefeld am Freitag im Sozialen Netzwerk Facebook den Aufnahmestopp für Hunde, Katzen und Kleintiere. „Wir sind an unseren Kapazitätsgrenzen angelangt und können derzeit keine weiteren Privatabgabetiere mehr aufnehmen. Wir wissen einfach nicht mehr, wohin mit all den Tieren“, heißt es im Beitrag.

Wie dem Tierheim Krefeld ergeht es in diesen Tagen vielen Tierschutzorganisationen in der Region. Waren die Vierbeiner während des vergangenen Lockdowns noch heiß begehrt, wissen nun viele Besitzer nicht mehr, wohin mit den zu groß gewordenen oder zu kostenintensiven Katzen und Hunden.

Vor allem diese haben es den Menschen in der Pandemie angetan. Wie der Verband für das deutsche Hundewesen (VDH) berichtet, kauften die Deutschen im Jahr 2020 rund 20 Prozent mehr Hunde als in den Jahren zuvor. Und auch Katzen befanden sich auf der Beliebtheitsskala ganz weit oben. Das führt laut Tierschutzbund zu einer regelrechten Katzenschwemme. „Es gibt immer mehr Straßenkatzen, die entlaufen sind, zurückgelassen oder ausgesetzt wurden und sich unkontrolliert vermehren“, erklärt Moira Gerlach, Fachreferentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund. „Die Lage hat sich teilweise dramatisch zugespitzt und bringt Leid für die Katzen sowie große Herausforderungen für die Tierheime mit sich.“

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Im Tierheim Krefeld sind derzeit mehr als 30 Hunde untergebracht, fast 80 Katzen, dazu kommen Hasen, Meerschweinchen, Vögel und Igel. Wer hier sein Tier abgeben will, wird ab sofort unverrichteter Dinge nach Hause geschickt. Das Nachsehen haben dann die Mitarbeiter und ehrenamtlichen Helfer, heißt es seitens des Tierheims. „Leider stößt dies bei den ,Abgabewütigen´ auf wenig Verständnis, und so müssen sich unsere Mitarbeiter derzeit so einiges anhören, wenn wir eine Aufnahme ablehnen müssen. Aber: Was sollen wir denn tun? Wir reden hier schließlich von Lebewesen und nicht von irgendwelchen Gegenständen.“

Zwar zeigt sich die Tierheimleitung verständnisvoll gegenüber Menschen, die ihr Tier aufgrund von Krankheit oder Armut abgeben müssen. Hier würde auch weiterhin bei der Vermittlung in ein neues Zuhause geholfen. „Aber wir können derzeit keine weiteren Tiere von Privat aufnehmen. Wir sind leider komplett voll.“ Das Problem sei, dass viele Menschen nicht verstünden, wie dramatisch die Situation am Flünnertzdyk wirklich ist. Sie glaubten, so das Tierheim in seiner Stellungnahme, „dass nur die Tiere auf den Tierheim-Homepages auch tatsächlich in den Tierheimen untergebracht sind und die Situation daher gar nicht so ernst sein kann.“

Aber das Gegenteil sei der Fall. Die Tiere, die im Internet zu sehen sind, machten nur einen kleinen Teil der Bewohner vor Ort aus. Darüber hinaus befänden sich weitere Tiere in Quarantäne, müssten medizinisch versorgt werden oder seien von den Behörden sichergestellt worden. Das sei dann der Fall, wenn „noch Verfahren gegen die Halter laufen oder sichergestellte Tiere, wo sich der Halter zum Beispiel im Krankenhaus befindet oder eine Erbfrage noch nicht geklärt ist“, erklärt das Tierheim-Team. Dazu kommen verletzte Wildtiere wie Vögel und Igel sowie Streuner.

Wie in jedem Jahr ist darüberhinaus noch damit zu rechnen, dass auch wieder vermehrt Hunde- und Katzenwelpen als Geschenke unter den Weihnachtsbäumen landen – und einige von ihnen dann im neuen Jahr auf der Straße oder im Tierheim stranden. Daher appellieren die Tierschützer an die Interessenten, sich die Anschaffung eines Haustieres sehr gut zu überlegen. „Genau aus diesem Grunde führen wir auch sehr genaue, manchmal kritische Gespräche vor einer Vermittlung. Das machen wir nicht, um irgendwen zu ärgern, sondern einfach, weil wir möchten, dass die zukünftigen Übernehmer unserer Schützlinge sich auch bewusst sind, welche Verantwortung sie mit der Übernahme eines Tieres eingehen“, schreiben die Tierschützer, die dieses Vorgehen trotz der Schwemme an Tieren weiter beibehalten werden – zum Wohle der zu vermittelnden Zwei- und Vierbeiner.