Krefeld: Krefeld auf Weltkulturerbe-Liste

Krefeld : Krefeld auf Weltkulturerbe-Liste

Krefeld will mit drei Bauten des Architekten Mies von der Rohe Weltkulturerbe-Stadt werden. Beim Bauministerium des Landes NRW ist der Plan bereits angemeldet – jetzt entscheiden bis 2013 mehrere Jurys.

Krefeld will mit drei Bauten des Architekten Mies von der Rohe Weltkulturerbe-Stadt werden. Beim Bauministerium des Landes NRW ist der Plan bereits angemeldet — jetzt entscheiden bis 2013 mehrere Jurys.

Die Entscheidung könnte Krefeld auf einen Schlag weltbekannt machen: Die Stadtverwaltung will mit drei Bauten von Ludwig Mies van der Rohe, den Häusern Esters und Lange sowie dem HE-Gebäude und Sheds der alten Krefelder Textilfabrik Verseidag Weltkulturerbe-Stadt werden. Mündlich hat die Stadt den Plan bereits beim Land angemeldet. Derzeit erarbeiten die Fachleute des Denkmalamtes den schriftlichen Antrag.

Vergeben wird die Auszeichnung Welterbe von der Unesco — unterteilt in Weltkultur- und Weltnatur-Erbe. Das Welterbe-Komitee der Unesco hat die bisherigen Vorschläge aus Deutschland weitgehend abgearbeitet. Jetzt werden neue deutsche Welterbe-Vorschläge gesucht.

NRW-Bauminister Harry Voigtsberger hatte die Kommunen im Sommer 2011 angeschrieben und um Vorschläge gebeten. Bis zum 1. November 2011 sollen sich die Städte bei ihm melden. Eine Expertengruppe soll die NRW-Beiträge auswählen und an die Kultusministerkonferenz weiterleiten. Die wiederum empfiehlt im Jahr 2013 der Unesco ihre Kandidaten.

Mehrere NRW-Städte hätten bereits ihre Absicht bekundet, Welterbestadt zu werden, teilte eine Sprecherin des NRW-Bauministeriums mit. Darunter neben Krefeld auch Düsseldorf, Münster, Bad Münstereifel, Königswinter und Solingen. Die Antragssteller müssten den "außergewöhnlichen universellen Wert" ihres Vorschlages ausarbeiten, teilte die Landessprecherin mit. Anträge aus überrepräsentierten Kategorien hätten geringere Chancen. Bisher gibt es 936 Denkmäler in 153 Ländern, davon 725 Kulturdenkmäler und 183 Naturdenkmäler. 28 Denkmäler gehören beiden Kategorien an.

Aus dem Bereich der Bauhaus-Architektur befinden sich bereits einige Bauten auf der Liste, darunter auch die von Mies van der Rohe (1886-1969) entworfene Villa Tugenthat in Brünn/Tschechien, eines der acht in Europa existierenden Bauwerke des Architekten. Seit Juni 2011 ist außerdem das Faguswerk der Bauhaus-Architekten Gropius und Meyer Weltkulturerbe. Gerhard Hanisch, Leiter des Denkmalamtes, sagte gestern unserer Zeitung: "Mit diesen Gebäuden sind die Krefelder Bauwerke zu vergleichen. Mies van der Rohe hat zeitlebens nur ein Fabrikationsgebäude entworfen, das Krefelder HE-Gebäude mit seinen Sheds." Hanisch bereitet derzeit die städtische Expertise vor und verweist darauf, dass vier der acht Mies-Bauten in Krefeld stehen: neben den Häusern Esters und Lange das Verseidag-Gebäude und die Villa Heusgen, die ihm zugeschrieben wird.

Idee kam in Tschechien

Die Idee, Krefeld mit Mies zum Weltkulturerbe zu machen, kam Professor Dr. Jörg Baltzer, ehemaliger Leiter der Krefelder Frauenklinik. Bei einem Besuch 2007 in Tschechien besichtigte er die Villa Tugenthat. Im Gegensatz zu den gut erhaltenen Krefelder Häusern Esters und Lange war das Haus damals verfallen; und steht dennoch auf der Weltkulturerbe-Liste. Baltzer schlug dann Oberbürgermeister Kathstede vor, die Krefelder Mies-Bauten ebenfalls als Weltkulturerbe vorzuschlagen. Der Krefelder Kulturausschuss stimmte dem Plan 2008 zu — dann wurde es lange ruhig um den Vorschlag.

Das Problem sind auch die Kosten, denn die Unesco-Beauftragten für Deutschland teilten mit, dass die Stadt auf eigene Kosten für 300 000 Euro ein Gutachten erstellen lassen müsste. Die entstehen aber erst, wenn Krefeld tatsächlich der Landes-Kandidat wird. "Bisher haben wir kein Geld ausgegeben", betont Gerhard Hanisch.

(RP)
Mehr von RP ONLINE