Krefeld: Anti-Terror-Barrieren für Karnevalszüge

Nach Anschlag auf Berliner Weihnachtsmarkt : Anti-Terror-Barrieren für Krefelds Karnevalszüge

Nach dem Terroranschlag mit einem Lkw auf einen Berliner Weihnachtsmarkt müssen nun die Krefelder Karnevalszüge mit Barrieren geschützt werden. Die Uerdinger Karnevalisten wenden sich an die Öffentlichkeit: Gesucht werden Firmen, die Material für die Barrieren zur Verfügung stellen.

Die Uerdinger Karnevalisten haben sich mit der Bitte um Unterstützung an die Öffentlichkeit gewandt. Der Tulpensonntagszug in Uerdingen, der im vergangenen Jahr rund 80.000 Zuschauer hatte, muss an acht Punkten so mit Barrieren gesichert werden, dass ein Terroranschlag nach Berliner Vorbild nicht möglich ist. Das bedeutet für die Aktiven im Karnevalszug-Verein Uerdingen (KZV): Sie müssen Lösungen für die Barrieren finden: Container, große Wasserbehälter oder - so wie in Krefeld in den letzten Tagen beim Weihnachtsmarkt rund um die Dionysiuskirche - schwere Großfahrzeuge.

"Wir bitten um Hilfe, um tatkräftige Unterstützung, um den Uerdinger Tulpensonntagszug und die Brauchtumspflege, die seit 160 Jahren in Uerdingen auch in diesem Jahr weiter ziehen zu lassen", erklärten Dirk Busenbecker, 1. Vorsitzender vom KZV, und Thorsten Süllwold als Organisationsleiter des Zuges. Gesucht werden Firmen oder Unternehmen, die geeignete Barrieren zur Verfügung stellen könnten.

Auch der Krefelder Rosenmontagszug, der 2015 rund 160.000 Besucher hatte, steht vor der Herausforderung, an bestimmten Punkten Barrieren bereitstellen zu müssen. Dies bestätigte Zugleiter Albert Höntges auf Anfrage. "Die Gespräche mit Stadt, Polizei und Feuerwehr laufen; das nächste Treffen ist am Dienstag", sagte er. Details über das neue Sicherheitskonzept geben alle Beteiligten nicht preis - aus nachvollziehbaren Gründen. Auch ein Sprecher der Stadt Krefeld bestätigte nur, dass es Gespräche über Barrieren gebe. Wo und wie viele eingesetzt werden, bleibt aus einsatztaktischen Gründen bis zum Schluss geheim.

Für die Karnevalisten erhöht sich damit der Aufwand für die Sicherheit noch einmal. Erst gab es im Nachgang zur Loveparade-Katastrophe in Duisburg Verschärfungen, nun als Terrorprophylaxe. Noch sieht Krefelds Zugleiter Höntges die neuerlichen Verschärfungen gelassen: "Ich mach mir keine Sorgen, dass wir die Auflagen nicht erfüllen können, aber der Aufwand, der zusätzlich auf uns zukommt, ist erheblich", sagte er.

Unmittelbar nach dem Anschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz, bei dem elf Besucher des Weihnachtsmarktes getötet worden waren, ist der Krefelder Weihnachtsmarkt mit einer Zugmaschine gesichert worden. Der Lkw wurde an der Rheinstraße, Ecke Hochstraße, platziert. Zusätzlich sind am Rande des Marktes Polizisten stationiert worden, die mit Maschinenpistolen bewaffnet waren. Ob die Maßnahme sinnvoll war, ist breit diskutiert worden. Das Besondere an der Lage des Breitscheidplatzes war, dass er am Rande einer großen Straße liegt. Der Lkw, den der Tunesier Anis Amris zur tödlichen Waffe gemacht hat, konnte so unbemerkt regelrecht Anlauf nehmen und auf Tempo kommen, bevor er überraschend auf den Platz umschwenkte. Dieses Szenario aber war für den Krefelder Weihnachtsmarkt undenkbar.

In Uerdingen liegen allerdings entlang der Zugstrecke sehr wohl einige Stellen, die an das Berliner Szenario erinnern, schätzt Organisationsleiter Süllwold - insofern seien Barrieren sinnvoll. Nun bitten er und der KZV-Vorsitzende Busenbecker dringlich um Unterstützung: "Die Gespräche mit ansässigen Firmen, die uns Container, schwere Fahrzeuge oder Anhänger zur Verfügung stellen könnten, haben begonnen. Es reicht leider noch nicht aus. Wir möchten unseren Karnevalszug nicht verlieren", sagt Busenbecker.

Wer den Uerdingern helfen will: Kontaktmöglichkeiten finden sich unter www.kzv-uerdingen.de

(RP)
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