Krefeld: Angeklagter drohte, Tochter aus dem Fenster zu werfen

Prozess in Krefeld : Angeklagter soll gedroht haben, die Tochter aus dem Fenster zu werfen

Ein Familienvater soll gedroht haben, seine Tochter aus dem Fenster zu werfen. Am zweiten Verhandlungstag kam gestern eine Einlassung, ein umfassendes Geständnis im Sinne der Anklage war es allerdings nicht.

Der 30-Jährige muss sich wegen Geiselnahme und tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte verantworten. Als er und seine Familie im September 2018 von Polizeibeamten und Mitarbeitern der Ausländerbehörde aufgesucht worden waren, soll die Situation in der Wohnung auf der Philadelphiastraße außer Kontrolle geraten sein. Der Familienvater soll seine Tochter gegriffen, sie über die Balkonbrüstung gehalten und gedroht haben: „Haut ab, sonst lass ich sie fallen!” Sein Verteidiger sagte gestern, er könne nicht ausschließen, dass sein Mandant in seiner Verzweiflung so etwas gesagt habe. Er sei aber sicher, dass der 30-Jährige dies niemals in die Tat umgesetzt hätte. Auch glaube er nicht, dass das Kind weit über die Brüstung gehalten wurde. Möglicherweise habe es aufgrund der Perspektive für die Zeugen so gewirkt. Zeugen dagegen hatten beobachtet, dass er das Kind am Rumpf packte und mit dem Gesicht von sich weg über die Brüstung hielt.

Der Verteidiger betonte, dass der Angeklagte ein liebevoller Vater sei. Er sei außerdem fleißig und friedlich. Sein Mandant habe seine Tochter fast täglich auf den Arm genommen und sei mit ihr auf den Balkon gegangen. Möglicherweise habe er sich über die Brüstung gebeugt um zu sehen, was unten auf der Straße vor sich geht. Der Angeklagte bestätigte dies weitgehend. Er habe sich mit den Ellbogen auf der Brüstung abgestützt, während er das Kind hielt. Er habe das Mädchen allerdings eng am Körper gehabt und nicht von sich weg gehalten. Er sprach aber auch davon, dass er „die Konzentration” verlor. Auch eine Polizistin sagte aus. Sie war an dem Morgen in der Wohnung gewesen. Dort wurde viel diskutiert. Der Angeklagte wollte nicht einsehen, dass die Familie abgeschoben wird. „Es war davon auszugehen, dass es eskaliert”, sagte sie. Der Mann war die ganze Zeit aggressiv. Als sie die Wohnung verließ habe sie gesehen, dass der Angeklagte das Kind auf dem Balkon vor sich hielt. Ob und wie weit er es über die Brüstung hielt, könne sie nicht sagen. Die Verhandlung wird fortgesetzt.

(BL)