Krefeld: An der Gladbacher Straße/Seyffardtstraße entsteht ein Mahnmal für Toter Winkel Unfallopfer

Krefeld Südbezirk : Mahnmal für Opfer des „Toten Winkels“ wird jetzt gestaltet

Ein Kind ist an dieser Stelle bei einem Toter-Winkel-Unfall tödlich verunglückt. Jetzt entsteht an der Ecke Gladbacher Straße/Ecke Seyffardtstraße ein Mahnmal für Verkehrsunfallopfer.

Ein dreidimensionales Graffiti auf einer in Blautönen neu gestalteten Hauswand soll an Menschen erinnern, die bei Toter-Winkel-Unfällen ihr Leben verloren haben. Das Mahnmal entsteht jetzt an der Gladbacher Straße/Ecke Seyffardtstraße — dort, wo kurz vor Weihnachten vor rund einem Jahr ein elfjähriges Mädchen auf dem Weg zur Schule von einem Lkw erfasst wurde und starb.

Am Dienstag haben die Jugendlichen der Gruppe „Lebensnah“, die bei dem Projekt vom Künstler Frank Saternus begleitet werden, damit begonnen, die Wand neu zu streichen. Die Farbgestaltung soll, wie Saternus formuliert, ein „Regenbogen“ aus Blautönen werden. Das dreidimensional angelegte Motiv des Graffitis werden schräg aufeinander zulaufende dicke Holzbalken sein, die, wie Saternus erklärt „im toten Winkel aufeinander knallen“. Der Projektleiter betont, dass das Mahnmal nicht ausschließlich der dort verunglückten Schülerin gewidmet ist, sondern allen Opfern Toter-Winkel-Unfälle in Krefeld. Mit der Neugestaltung des Areals soll pietätvolles Gedenken jetzt möglich werden. Geplant ist auch, auf den Metallbügeln im Umfeld, die an den Baumscheiben stehen, ebenfalls in Blau gehaltene Holzbalken anzubringen, die als Sitzgelegenheiten dienen können. „Modern und funktional“ nennt Saternus den Entwurf. Rollrasen hat die Gruppe bereits verlegt.

Die Arbeiten an der mit Schmierereien verunstalteten Hauswand haben begonnen. Foto: Frank Saternus

Der Start der Arbeiten hat bei den Anwohnern große Anteilnahme ausgelöst. „Viele Passanten haben angehalten und das Gespräch gesucht“, sagt Projekt-Teilnehmer Patrick Köcher. Ein älterer Herr habe der Gruppe nicht nur zehn Euro als Spende für das Projekt überreicht, sondern zog zur Überraschung der Gruppe einen dicken Malerpinsel aus der Tasche, ebenfalls als Beitrag für die Mahnmal-Gestaltung. „Es war, als hätte er darauf gewartet, dass wir endlich loslegen“, sagt Köcher. Wie berichtet, hatte die Gruppe vor einigen Monaten mit den Vorarbeiten für die Gedenkstätte begonnen, Ideen gesammelt und auch Spenden akquiriert. Rund 3000 Euro sind zusammen gekommen, die meisten Spender wollen anonym bleiben, sagt Saternus.

Die Jugendlichen der Gruppe "Lebensnah" gestalten die Hausfassade neben der Unfallstelle neu. Die Gedenkstätte wird am 18. November ihrer Bestimmung übergeben. Foto: Frank Saternus

„Die Metapher des toten Winkels hat die unsere Gruppe zu vielfältigen Assoziationen angeregt“, berichtet Saternus. Und meint das Unfallgeschehen selbst, aber auch das Empfinden der Teilnehmer, aufgrund schwieriger Lebensumstände selbst im Toten Winkel der Gesellschaft zu stehen. An der gemeinsamen Arbeit für das Mahnmal seien die Jugendlichen der Lebensnah-Gruppe in ihrer Persönlichkeit gewachsen. „Ich stehe für den guten Zweck ein und es ist ein schönes Gefühl, Ernst genommen zu werden“, sagt Patrick Köcher.

Projektleiter Frank Saternus (l.) mit Patrick Köcher. Foto: Carola Puvogel

In vier Wochen, am 18. November, dem Welt-Gedenktag für Straßenverkehrsopfer, soll das Mahnmal um 14 Uhr seiner Bestimmung übergeben werden. Dann soll der Ort mit vielen Blumen — gespendet vom Blumengeschäft gegenüber — bunt geschmückt werden. Der Fahrrad-Club ADFC will außerdem ein so genanntes White Bike zum Mahnen und Gedenken dort aufstellen.

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