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Krefeld: Am Lutherplatz werden Zierkirschen radikal beschnitten.

Baumpflegearbeiten in Krefeld : Streit um Baumschnitt am Lutherplatz

17 Wildkirschen wurden vor rund zwei Jahren am Lutherplatz neu gepflanzt. Jetzt werden die Bäume stark beschnitten. Dagegen regt sich Widerstand. Eine Anwohnerin will als Protest Unterschriften sammeln und eine Demo organisieren.

Am Lutherplatz gibt es Streit um den Rückschnitt von Straßenbäumen. Eine Anwohnerin will verhindern, dass der Kommunalbetrieb die vor zweieinhalb Jahren neu gepflanzten Zierkirschen in Form schneidet. Bei dem Protest geht nicht nur um die Radikalität des Rückschnitts, sondern auch um den gewählten Zeitpunkt während der Blütezeit der Bäume.

Mira Dittrich hat in den Tagen vor Ostern viel telefoniert und viele Mails an unterschiedliche Akteure und Entscheidungsträger geschrieben, um zu erreichen, den Rückschnitt der fünf noch nicht geschnittenen Bäume zu verhindern. Sie glaubt, Art und Zeitpunkt seien „unsachgemäß“ und sogar „rechtswidrig“ und meint, dass der Schnitt schonender erfolgen müsse.

 Nach dem Schnitt: Die Bäume sind von Seitentrieben weitgehend befreit, eine am Stamm befestigte Stange soll den Baum in die Wuchsrichtung zwingen.
Nach dem Schnitt: Die Bäume sind von Seitentrieben weitgehend befreit, eine am Stamm befestigte Stange soll den Baum in die Wuchsrichtung zwingen. Foto: Carola Puvogel

Der Kommunalbetrieb hat in der Woche vor Ostern damit begonnen, die 17 jungen Bäume am Lutherplatz in Form zu schneiden. Die Zierkirschbäume sind dabei weitestgehend von seitlichen Trieben befreit worden, die Bäume sollen nun mit Hilfe von am Stamm befestigten Bambusstangen gerade nach oben wachsen. Das missfällt der Anwohnerin. Sie argumentiert, der spürbare Klimawandel erfordere Schattenplätze und sagt, Vögel könnten nun nicht mehr auf den senkrecht nach oben weisenden Zweigen landen. Die schmal geschnittenen Bäume würden aussehen wie Barbiepuppen, meint Dittrich.

 Der Kommunalbetrieb ist dabei, junge Bäume am Lutherplatz zu beschneiden.
Der Kommunalbetrieb ist dabei, junge Bäume am Lutherplatz zu beschneiden. Foto: Carola Puvogel
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Sie ärgert sich auch darüber, dass die Bäume während der Blütezeit beschnitten werden. Eine Nachfrage unserer Redaktion bei Baumschul-Gärtner Jörg Vennekel ergab: Der jetzige Zeitpunkt sei optimal für den Schnitt junger Zierkirschen. Damit bestätigt der Fachmann die Vorgehensweise des Kommunalbetriebs, der nach eigenen Angaben „in diesem Jahr möglichst lange gewartet hat, um den Insekten noch zeitweise die Nutzung der Blüte zu ermöglichen“. Alternativ wären die Blütenäste sonst bereits vor der Blüte entfernt worden.

„Gerade bei der Anzucht von Zierkirschen zu Alleebäumen bedarf es besonderer Schnitttechniken und Schnittzeitpunkte. Die Baumpfleger versuchen darauf zu achten, den Schnitt wegen der Nahrungsquelle für Bienen und Hummeln möglichst nach der Blüte und vor dem Austrieb durchzuführen“, erklärt ein Stadtsprecher. Dies sei aufgrund der Anzahl der durchzuführenden Schnitte jedoch nicht immer möglich.

Bei den derzeitig laufenden Schnittarbeiten handelt es sich laut Kommunalbetrieb um notwendige Baumpflegemaßnahmen, bei denen zwei Ziele verfolgt werden: „Zum einen wird die Verkehrssicherheit der Bäume wieder hergestellt und zum anderen werden die Jungbäume durch die Erziehungs- und Aufbauschnitte straßenbaumtauglich gemacht.“ Durch den kräftigen Wuchs der Jungbäume wachsen die Äste beim Austrieb in den Straßenraum und behindern dadurch das Lichtraumprofil der Straße, sagt ein Stadtsprecher. Die Maßnahme der derzeit stark beschnittenen Äste sei „ein Schritt in der Erziehung vom einfachen Zierkirschbaum zum Alleebaum“. Der Baumschnitt sei auch noch nicht am Ziel und geht in absehbarer Zeit weiter: „In einem weiteren Schritt ist beim kommenden Pflegegang die komplette Entfernung der derzeit stark eingekürzten Äste vorgesehen.“ Deshalb werde der neue, also jetzt bevorstehende Austrieb, in seiner ganzen Stärke und Wuchsleistung benötigt.

Das Verfahren sei „gängige Praxis“, um Straßen- und Alleebäume möglichst nachhaltig heranzuziehen. Die gesetzlichen Vorgaben an Straßen- und Alleebäume erforderten diese Maßnahmen. Umgehen könne man diese Rückschnitte nur durch den Ankauf größerer und somit älterer Bäume. Neben den deutlich höheren Einkaufskosten älterer Bäume berge auch deren Umverpflanzung eine deutlich größere Gefahr. Die Anwohnerin will diesen Argumenten keinen Glauben schenken und plant nun kurzfristig eine Unterschriftenaktion sowie eine Demo, um den weiteren Baumschnitt zu verhindern.