Krefeld: Alter Bahnhof – Uerdingens

Uerdinger Spielfreunde : Alter Bahnhof – Uerdingens neues Schmuckstück

Lange bot das alte Uerdinger Bahnhofsgebäude ein trauriges Bild des Verfalls. Vorbei. Die Spielfreunde präsentierten der staunenden Öffentlichkeit am Tag des offenen Denkmals ein neues Kleinod. Der Andrang war groß und zeigt: Uerdingen bekommt ein Stück Identität zurück.

Bahnhöfe wecken Erinnerungen. Sie bringen an ferne neue Orte und verbinden Menschen miteinander. So auch einst der historische Bahnhof in Uerdingen. Das alte Bahnhofsgebäude stammt aus dem Jahr 1899 und wurde 2017 von den Spielfreunden Uerdingen als neues Vereinshaus erworben. Am Tag der offenen Tür zeigten die Spielfreunde jetzt interessierten Gästen die Fortschritte der Umbauarbeiten und damit auch ein Stück Stadtgeschichte. Der rechte Trakt des Bahnhofs ist derzeit noch im Rohbau, dort sollen später einmal Büros und Proberäume entstehen.

Bereits im Eingangsbereich betritt man 50 Quadratmeter Geschichte. Die nostalgischen Fliesen im Foyer stammen laut einem Referenzkatalog noch aus der Mettlacher Mosaikfabrik Villeroy und Boch, die 1894 für den Bahnhof Uerdingen ausgeliefert wurden. Historische Erinnerungen wie diese möchten die Spielfreunde bewahren und künftig wieder für die Bürger der Rheinstadt zugänglich machen.

Die ursprüngliche und detailreiche Optik des Gebäudes wieder herauszuarbeiten sei dem Verein sehr wichtig. Besonders stolz seien sie daher auch auf die denkmalgeschützen Bleiverglasungen an der Decke des ehemaligen Wartesaals der ersten Klasse. Solche Glasmalereien seien in Profangebäuden um 1900 eher unüblich gewesen, erklärt Vorsitzender Christian Horn. „So eine einmalige Sache wie die Bleiglasfenster muss gewürdigt werden“, betont er. Die beiden Fenster bilden die Stadtwappen der Bahnhöfe ab, die damals von Uerdingen aus angefahren wurden. Für die optimale Präsentation des historischen Schmuckstücks, sollen die Fenster gereinigt und entsprechend beleuchtet werden. Später soll aus dem ehemaligen Warteraum eine Gastronomie entstehen.

„Die Spielfreunde geben den Uerdingern mit diesem Gebäude ein Stück Identität zurück“, beschreibt Architekt Ingolf Eberlein das außergewöhnliche Bauprojekt. „Zuvor musste eine Grundsensibilisierung für den Denkmalschutz geschaffen werden“, erklärt er. In Uerdingen stecke mehr als es gerade zeige, so auch das Bahnhofsgebäude, dessen eigentlichen Charme es zu erkennen gelte.

Unter Denkmalschutz stehen ebenfalls die Holzbalkendecken in der Empfangshalle und in den früheren beiden Warteräumen der ersten und zweiten Klasse. „Die zweite Klasse wird zum Herzstück des Hauses, denn hier wird in Zukunft unser großer Proberaum sein“, erklärt Andreas Schleiken, musikalischer Leiter des Vereins. Die mit Blüten und Ranken verzierten Längsbretter der denkmalgeschützten Holzdecke seien in diesem Raum am besten zu sehen. Im weiteren Verlauf der Arbeiten sollen diese wieder hervorgehoben werden.

In jedem Raum wird der Heimatbezug kreativ eingebunden. Für den überdachten Außenbereich, dem sogenannten Zugabteil, haben die Vereinsmitglieder alte Sitze der Deutschen Bahn erworben. Die Seitenfenster sollen zusätzlich Bilder von verschiedenen Orten wie dem Eiffelturm bekommen und so das Bahnhofserlebnis unterstreichen. „Und auch die Rheinbrücke darf natürlich nicht fehlen“, fügt der Vorsitzende lachend hinzu. Auch die Innenausstattung hat für die Spielfreunde einen persönlichen Bezug. Aus einem ehemaligen Vereinslokal erwarben sie die Theke für ihre künftige Gastronomie. „An dieser Theke hat schon jeder gesessen“, sagt Horn und lacht.

Die 200 Mitglieder der Spielfreunde unterstützen die Arbeiten tatkräftig. Vorsitzender Christian Horn ist optimistisch, dass das Herzensprojekt bis 2021 fertig gestellt werden kann. „Der Zusammenhalt ist für Uerdinger typisch, da vertrauen wir drauf“, sagt er überzeugt.

Auch in Zukunft wollen die Spielfreunde Tage der offenen Tür veranstalten, um interessierte Bürger am Fortschritt des Projektes teilhaben zu lassen. Bis zur Fertigstellung zählen die Spielfreunde auf jede unterstützende Spende. „Wir haben schon viel geschafft, aber auch noch viel vor uns“, sagt der Vorsitzende.

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